zum Gedenken
Ehe als Lebenspflicht bei Luther

"Woll├╝sterey" und Gattenliebe"

"Mein Sinn steht der Ehe fern", schrieb Martin Luther, als er noch M├Ânch war. Dann heiratete er Katharina von Bora, die entlaufene Ordensfrau. Wenn der Reformator ├╝ber die Ehe schrieb, dann manchmal anr├╝hrend, meist aber raubeinig und direkt. Warum war f├╝r Luther die Fortpflanzung Pflicht, warum der Geschlechtsverkehr dennoch S├╝nde - und warum nannte der derbe Patron seine Frau "Herr K├Ąthe"? Von Bruno Preisend├Ârfer

Als sich am 15. Juni 1525 Martin Luther in Wittenberg mit Katharina von Bora verehelicht, verliert sein sonst so geduldiger Mitstreiter Philipp Melanchthon die Fassung:
"Unerwarteter Weise hat Luther die Bora geheiratet, ohne auch nur einen seiner Freunde vorher ├╝ber seine Absicht zu unterrichten. Ich glaube, der Vorfall ist folgenderma├čen zu erkl├Ąren: Der Mann ist ├╝beraus leicht zu verf├╝hren, und so haben ihn die Nonnen, die ihm auf alle Weise nachstellten, umgarnt. Vielleicht hat dieser h├Ąufige Verkehr mit den Nonnen ihn, obgleich er ein edler und wackerer Mann ist, verweichlicht und das Feuer bei ihm auflodern lassen."

Denkmal des Reformators Martin Luther mit der Stadtkirche im Hintergrund in der Lutherstadt Wittenberg. (dpa / picture alliance / Peter Endig)

Dabei hatte Luther noch im November 1524 geschrieben:
"Bei der Gesinnung, die ich gehabt habe und noch habe, wird es nicht geschehen, dass ich heirate. Nicht, dass ich mein Fleisch und Geschlecht nicht sp├╝re - ich bin weder Holz noch Stein, aber mein Sinn steht der Ehe fern."

Ordensfrauen wiederum - wie Katharina von Bora ihren Kl├Âstern entlaufen - konnten gar nicht anders, als sich zu verheiraten. Wo h├Ątten sie unterkommen, wie sich ern├Ąhren sollen? Viele von ihnen entstammten dem verarmten Landadel und waren von ihren Eltern nicht aus religi├Âsen, sondern aus ganz pragmatischen Gr├╝nden in Kl├Âstern untergebracht worden.

Katharina flieht in der Osternacht 1523 mit elf weiteren Nonnen aus einem Zisterzienserinnenkloster. F├╝r Luther ist sie, man muss es so ausdr├╝cken, dritte Wahl. Zwei andere Ordensfrauen hatten ihn lieber doch nicht geheiratet, und auch Katharina w├Ąre lieber mit einem N├╝rnberger Patriziersohn die Ehe eingegangen. Doch dessen Eltern wehren sich gegen das mitgiftlose Adelsfr├Ąulein. So bleibt der Katharina der Martin und dem Martin die Katharina. Das ist keine Konstellation, die man als 'Liebesheirat' bezeichnen m├Âchte.

Und doch wird aus dieser Vernunftehe eine Liebesgeschichte, die Geschichte einer ├╝ber die Jahre aus wechselseitiger Achtung emporwachsenden ehelichen Liebe. Zu den anr├╝hrendsten ├äu├čerungen, die von Luther, dem raubeinigen Tribun der Reformation, ├╝berliefert sind, geh├Ârt eine Bemerkung aus seinen Tischreden:

"Das erste Jahr der Ehe macht einem seltsame Gedanken. Denn wenn man am Tische sitzt, denkt man: Vorher war ich allein, nun bin ich zu zweit. Wenn man im Bette erwacht, sieht man ein Paar Z├Âpfe neben sich liegen, welche man fr├╝her nicht sah."

Doch Luther w├Ąre nicht Luther, w├╝rde er diesem sanftm├╝tigen Staunen ├╝ber die Z├Âpfe neben sich auf dem Kopfkissen nicht sofort hinterher poltern:

"Ebenso verursachen die Frauen ihren M├Ąnnern, wenn diese auch noch so sehr besch├Ąftigt sind, viele unn├Âtige St├Ârungen."

Und wenn erst noch Kinder dazu kommen!

"Das sind die N├Âte der Ehe. Wir f├╝rchten uns alle vor dem Eigensinn der Frauen, vor dem Geschrei der Kinder, vor den Sorgen und vor schlechten Nachbarn."

Gleichwohl geh├Ârt f├╝r Luther die Ehe zu den Lebenspflichten, auch wenn eine die m├Ąnnliche Freiheit verteidigende Vernunft noch so sehr vor ihr warnt. In Luthers Traktat "Vom ehelichen Leben" hei├čt es:

"Wenn die nat├╝rliche Vernunft das eheliche Leben ansieht, so r├╝mpft sie die Nase und spricht: 'Ach, soll ich das Kind wiegen, die Windeln waschen, Betten machen, Gestank riechen, die Nacht wachen, seines Schreiens warten, seinen Grind heilen, danach das Weib pflegen, sie ern├Ąhren, arbeiten, hier sorgen, da sorgen, hier tun, da tun, das leiden und dies leiden, und was denn mehr an Unlust und M├╝he der Ehestand lehrt. Ei, soll ich so gefangen sein?'"

Wie stark sie in Luther spricht, die Stimme dieser "nat├╝rlichen Vernunft", das ist nicht zu ├╝berh├Âren. Aber es ist nicht die einzige Stimme, die in ihm spricht:

"Was sagt aber der christliche Glaube hierzu? 'Ach Gott, weil ich gewiss bin, dass du mich als einen Mann geschaffen und von meinem Leib das Kind gezeugt hast, so wei├č ich auch gewiss, dass dir's aufs allerbeste gef├Ąllt, und bekenne dir, dass ich nicht w├╝rdig bin, dass ich das Kindlein wiege, noch seine Windel wasche, noch sein oder seiner Mutter warte. Ach wie gerne will ich solches tun, und wenn's noch geringer und verachteter w├Ąre.'"

Das Eheleben wird geradezu zum Ehedienst. Kein Mann darf sich ihm entziehen, es sei denn, er w├Ąre zur Keuschheit geboren.

Und das sind die wenigsten. Das "auflodernde Feuer", von dem Melanchthon etwas erschrocken spricht, es brennt in allen.

Dennoch will auch der zarte Melanchthon, gerade 150 Zentimeter gro├č, zun├Ąchst lieber mit seinen B├╝chern allein bleiben. Luther aber meint, der Kollege studiere zu viel und esse zu wenig. Melanchthon brauche eine Frau, die ihn daran erinnere, dass ein Mann, sogar wenn er ein gro├čer Gelehrter sei, nicht nur einen Kopf habe, sondern auch einen Bauch. Und so dr├Ąngt Luther den Kampfgef├Ąhrten in die Ehe, und zwar schon 1520, f├╝nf Jahre vor seiner eigenen Hochzeit.

Luthers unaufh├Ârliches Predigen f├╝r die Ehe im Allgemeinen und sein Einsatz f├╝r die Priesterehe im Besonderen bedeutet aber keineswegs eine Aufwertung des Leiblichen. Luther erinnert unerm├╝dlich an das, was Paulus ├╝ber das s├╝ndige Fleisch des Menschen lehrt. Der eheliche Verkehr ist f├╝r ihn nur das kleinere ├ťbel: Besser als "die stumme S├╝nde" der Onanie, ges├╝nder als das Herumhuren in Bordellen und anst├Ąndiger als die "Woll├╝sterey" in fremden Ehebetten.

Alles in allem ist der Mensch nach dem S├╝ndenfall und nach der Vertreibung aus dem Paradies mit seiner Lust geschlagen wie mit einem Fluch. Und die Ehe ist eine Notl├Âsung, die gewisserma├čen institutionalisierte Z├Ąhmung der Sinnlichkeit:

"Denn nun ist die Liebe nicht mehr rein, denn wiewohl ein ehelich Gemahl das andere haben will, so sucht doch auch ein jeglicher seine Lust an dem andern, und das f├Ąlscht diese Liebe. Deshalb ist der eheliche Stand nun nicht mehr rein und ohne S├╝nde, und die fleischliche Anfechtung ist so gro├č und w├╝tend geworden, dass der eheliche Stand nun hinfort gleich einem Spital der Siechen ist, auf dass sie nicht in schwerere S├╝nde fallen."

Die Fortpflanzung ist also Pflicht, der Geschlechtsverkehr aber dennoch S├╝nde. Wie nun verh├Ąlt sich der Sch├Âpfer zu dieser Zwangslage seines Gesch├Âpfs? Luther nimmt an, dass Gott gewisserma├čen ein Auge zudr├╝ckt.

"Gleichwie die eheliche Pflicht nicht ohne S├╝nde geschieht, und doch Gott solchem Werk um der Notwendigkeit willen durch die Finger sieht, weil es nicht anders sein kann."

Der Mensch soll sich fortpflanzen, und daf├╝r ist die 'S├╝nde' der Sexualit├Ąt nun einmal unvermeidlich. Eine frohe und freie Bejahung menschlicher Sinnlichkeit klingt anders.

Vielleicht so wie in diesem von einem anonymen Verfasser stammenden Lied: "Im Maien, im Maien, h├Ârt man die Hahnen kreien. Freu dich du sch├Ânes Bauernmaidel, wir wollen Haber saien." Haber saien, also Hafer s├Ąen, hei├čt es in diesem Lied, das von jungen Leuten handelt, die der Hafer sticht. Ludwig Senfl, ein Zeitgenosse Luthers, hat den anonymen Text vertont. In der zweiten Strophe hei├čt es:

"Pumb, Maidlein pumb! Ich freu mich dein ganz umb und umb. Wo ich freundlich zu dir kumm, hinter dem Ofen umb und umb. Freu dich du sch├Ânes Bauernmaidel. Ich kumm, ich kumm, ich kumm!"

W├Ąhrend sich in Senfls deftigem Lied die Bauernmaid freuen soll, wird in Luthers strenger Sexualmoral das Weib aufgefordert, seine eheliche Pflicht zu erf├╝llen.

"Wo nun eins sich sperrt und nicht will, da nimmt und raubet es seinen Leib, den es gegeben hat dem andern; das ist wider die Ehe, und die Ehe ist zerrissen. Darum muss hier weltliche Obrigkeit das Weib zwingen oder umbringen."

Haben wir recht geh├Ârt? "Umbringen!" Das ist nicht etwa eine Entgleisung oder eine nicht ganz w├Ârtlich zu nehmende ├ťbertreibung. Es ist die tats├Ąchliche Auffassung eines Mannes, der nicht nur das Weltliche und das Religi├Âse voneinander scheidet, sondern auch den Geist vom Fleisch, die Seele vom Leib, das himmlische Heil vom irdischen Gl├╝ck. Die Keuschheit vor der Ehe und die Sexualpflicht in ihr werden der Kontrolle der weltlichen Obrigkeit unterstellt. Der evangelische Pfarrer gibt blo├č seinen Segen dazu. Aber nur im ├╝bertragenen Sinn. Denn Luther spricht der Ehe die sakramentale W├╝rde ab, die ihr, beginnend im 12. Jahrhundert, von der r├Âmisch-katholischen Kirche nach und nach zugeschrieben worden war - bis zur endg├╝ltigen Bekr├Ąftigung auf dem Trienter Konzil in der Mitte des 16. Jahrhunderts.

Wie immer in wichtigen Glaubensfragen beruft Luther sich dabei auf die Bibel, in der nirgends von einer besonderen Heiligkeit der Ehe die Rede sei. So wenig wie von einer Pflicht der Priester zur Ehelosigkeit. Auch Pfarrer seien M├Ąnner, unterliegen also der "Schwachheit", wie Luther den Sexualtrieb bezeichnet. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, warum auch der Pfarrer eine Frau braucht:

"Es kann niemals ein Pfarrer eines Weibes ermangeln, nicht allein der Schwachheit, sondern vielmehr des Haushaltes halber."

Die bis zur Unmenschlichkeit reichende H├Ąrte, zu der Luther bei Grundsatzfragen in der Lage ist, zeigt sich besonders in seiner Haltung zum biblischen Fluch, den ein erz├╝rnter Gott ├╝ber Eva, die 'Verf├╝hrerin', verh├Ąngt hat. In Luthers ├ťbersetzung:

"Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst. Du sollst mit Schmerzen Kinder geb├Ąren, und dein Wille soll deinem Mann unterworfen sein, und er soll dein Herr sein."

Luther bekr├Ąftigt dieses Zorneswort aus der Genesis, und zwar in einer selbst f├╝r seine Zeit unerh├Ârt brutalen Weise:

"Also soll man ein Weib tr├Âsten und st├Ąrken in Kindesn├Âten, nicht mit Sankt Margareten Legenden ..."

... die Heilige Margareta galt als Schutzpatronin der Schwangeren.

"... nicht mit Sankt Margareten Legenden und anderem n├Ąrrischen Weiberwerk, sondern man soll sagen: 'Gedenk, dass du ein Weib bist, und dies Werk Gott an dir gef├Ąllt, tr├Âste dich seines Willens fr├Âhlich und lass ihm sein Recht an dir. Gib das Kind her und tu dazu mit aller Macht. Stirbst du dar├╝ber, so fahr hin, wohl dir, denn du stirbst im edlen Werk und Gehorsam Gottes.'"

An einer anderen Stelle seiner Abhandlung - oder sollte man sagen: seiner Kampfschrift "Vom ehelichen Leben?" - ├Ąu├čert er mitleidige Verachtung f├╝r kinderlose Frauen und fordert erneut die weibliche Bereitschaft zum Opfertod im Kindbett:

"Daher man auch sieht, wie schwach und ungesund die unfruchtbaren Weiber sind; die aber fruchtbar sind, sind ges├╝nder, reinlicher und lustiger. Ob sie sich aber auch m├╝de und zuletzt tottragen, das schadet nicht, lass sie sich nur tottragen, sie sind drum da."

Ein Federstrich auf dem Papier ist schnell getan, ein Wort von der Kanzel rasch gesprochen. Doch selbst Luther, der gro├če theologische Eiferer, ist - Gott sei Dank - auch nur ein Alltagsmann und besorgter Gatte. Als eine Bekannte der Familie im Kindbett stirbt, hadert er mit seinem Herrgott, wie es nur jemand wagen darf, der auf vertrautem Fu├č mit ihm steht:

"Es muss die gr├Â├čte Traurigkeit sein, wenn zwei fromme Eheleute, die wohl mit einander umgehen, sich lieb und wert gehalten haben, leiblich voneinander scheiden m├╝ssen. Unser Herrgott ist der gr├Â├čte Ehebrecher, der selbige f├╝gt zusammen und scheidet auch wieder voneinander. Wie unbest├Ąndig ist doch unser Leben! Ach, es muss wehe tun, wenn Eheleute, die sich lieb haben, so geschieden werden."

Wenn aber die Frau die Geburt ├╝berlebt, so Luther, soll sie den Kindern eine gute Mutter, dem Mann eine gehorsame Gef├Ąhrtin und dem Haushalt eine sparsame Vorsteherin sein. Wenn das gelingt, kann sich Luther auch schon mal zu einem Lob der Frau hinrei├čen lassen.

"Frauen reden ├╝ber die Dinge des Haushalts mit gro├čer Liebe und au├čerordentlicher Beredsamkeit, und zwar so, dass sie sogar Cicero in den Schatten stellen."

Dieses Lob wird aber sofort zum Tadel, wenn die Frauen ihre von Gott und Luther gezogenen Grenzen ├╝berschreiten:

"Wenn sie ├╝ber ihre Haushaltsfragen hinaus ├╝ber ├Âffentliche Angelegenheit reden, so taugt das nichts. Denn wenn es ihnen auch an Worten nicht fehlt, so fehlt es ihnen doch am richtigen Verst├Ąndnis f├╝r die Sache."

Haus und Familie sind zugleich Bannkreis der Frau und Fundament des gesamten menschlichen Lebens. Darin liege Wesen und Wert der Ehe, keineswegs blo├č im Kindergeb├Ąren.

"Stellt euch vor, es g├Ąbe das weibliche Geschlecht nicht. Das Haus und was zum Haushalt geh├Ârt, w├╝rde zusammenst├╝rzen, die Staaten und die Gemeinden gingen zugrunde. Die Welt kann also ohne Frauen nicht bestehen, sogar wenn die M├Ąnner die Kinder selbst auf die Welt bringen k├Ânnten."

Selbst wenn die M├Ąnner die Kinder selbst auf die Welt bringen k├Ânnten, br├Ąuchten sie immer noch Frauen, die den Abwasch machen. So lie├če sich diese Haltung sarkastisch zusammenzufassen. Die Frauen haben gegen diesen Gehorsamsdienst nah am Mann schon immer aufbegehrt, was ihnen den Vorwurf weiblicher Herrschsucht einbringt. Luther argw├Âhnt:

"Ich glaube, dass die Weiber die beiden Strafen, n├Ąmlich Schmerz und K├╝mmernis, wenn sie schwanger gehen, eher und lieber, ja auch williger und geduldiger leiden wollten, denn dass sie sollen den M├Ąnnern untertan und gehorsam sein; so gerne herrschen und regieren die Weiber von Natur, ihrer ersten Mutter Eva nach."

Luther hat bekanntlich damit kokettiert, seine Katharina als "Herrn K├Ąthe" zu bezeichnen, im Sinne von "mein Herr, die K├Ąthe". Ganz ├Ąhnlich, wie noch heute mancher Gatte die Gattin als "Chefin" zu titulieren pflegt.

Doch wie es um die eheliche Machtbalance in jedem Einzelfall auch immer bestellt sein mag, mit Eva aus der Mannesrippe und der schrecklichen Erkenntnis, dass man nackt ist, fing alles an: die ganze lange Unheilsgeschichte der Menschheit mit Mord und Totschlag, Frauenraub und Eheintrigen, Erbschleicherei und Bruderkrieg, Sodom und Gomorrha. Und immer schlagen die 'Weiber' der Eva nach und alle T├Âchter ihren M├╝ttern. Deshalb r├Ąt Luther:

"Wenn man heiraten will, soll man nicht nach dem Vater, sondern nach dem Leumund der Mutter des jungen M├Ądchens fragen. Warum? Weil das Bier im allgemeinen nach dem Fass riecht."

Der wenig charmante Vergleich stammt unmittelbar aus Luthers Alltag. Katharina wei├č: Wenn sie ihrem Doktor stets eine Kanne selbst gebrauten Biers vorsetzt, ist er gl├╝cklich. Wie sie ├╝berhaupt eine t├╝chtige Hausfrau ist, und au├čerdem eine gesch├Ąftst├╝chtige Verm├Âgensverwalterin, die sie nach der Geschlechterlehre ihres Mannes gar nicht sein d├╝rfte. Jedenfalls mehrt sie den Familienbesitz, kauft ├äcker und Weinberge, w├Ąhrend Luther lediglich die Goldpokale, die ihm von reichen Anh├Ąngern verehrt werden, in den Schrank stellt. Immerhin ist er fair genug, in seinem Testament zu verf├╝gen, dass diese Pokale und auch ein ansehnlicher Teil des ├╝brigen Besitzes nach seinem Tod zun├Ąchst Katharina zufallen, nicht den Kindern.

Nachdem Luther im Februar 1546 stirbt, dick gef├╝ttert, aber ersch├Âpft vom ewigen Schreiben, Predigen und Organisieren der Reformation, gibt die Witwe in einem Brief noch einmal eine bewegende Liebeserkl├Ąrung ab:

"Denn wer wollte nicht billig betr├╝bt und bek├╝mmert sein um einen solchen teuren Mann, als mein lieber Herr gewesen ist, der nicht allein einer Stadt oder einigen L├Ąndern, sondern der ganzen Welt viel gedient hat. Deshalb ich wahrlich so sehr betr├╝bt bin, dass ich mein gro├čes Herzeleid keinem Menschen sagen kann und nicht wei├č, wie mir zu Sinn und zu Mut ist. Ich kann weder essen noch trinken, auch dazu nicht schlafen."


Quelle: Deutschlandfunk 24.10.2015



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