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Dieter Noll

* 31. Dezember 1927 im sächsischen Riesa
†  6. Februar 2008, Zeuthen

Er war einer der bekanntesten Schriftsteller der DDR: Nun ist der bekennende Kommunist Dieter Noll im Alter von 80 Jahren gestorben.

Der Autor lebte zuletzt recht zurückgezogen in Zeuthen bei Berlin. Noll hatte vor allem mit seinem Antikriegsroman "Die Abenteuer des Werner Holt" Beachtung gefunden. Sein autobiografisch geprägter Zweiteiler aus den Jahren 1960 und 1963 ist noch heute ein Klassiker der Nachkriegsliteratur, wurde über die Grenzen der DDR hinaus anerkannt und zählte in den Schulen der DDR zur Pflichtlektüre.

Noll gehörte der "Flakhelfer-Generation" an, deren Schriftsteller, unter ihnen Nobelpreisträger Günter Grass, einige bedeutende Bücher über das Kriegsdrama schrieben. Unter den Autoren in der DDR leisteten Hermann Kant (Jahrgang 1926) mit "Der Aufenthalt" und Dieter Noll mit seinen zweibändigen Abenteuern des Werner Holt wichtige Beiträge zur Aufarbeitung des Krieges. Jeder der Autoren zog literarisch und gesellschaftspolitisch seine eigenen Lehren aus den traumatischen Jugenderlebnissen. Die einen in der Bundesrepublik, die anderen in der DDR.

Mit knapp 20 zur KPD

Noll war noch als Schüler im Jahr 1944 als Flakhelfer zur Wehrmacht eingezogen worden und trat nach seiner Rükkehr aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft mit nicht einmal 20 Jahren der KPD und später der SED bei. Im ideologischen Kampf zwischen Ost und West wetterte er später auch gegen renommierte Kollegen, die einen anderen Standpunkt vertraten als er.

In seinem "Roman einer Jugend", wie der Untertitel von "Die Abenteuer des Werner Holt" lautet, schildert Noll die widersprüchlichen Erfahrungen, Um- und Irrwege einer Generation, bis hin zu einer neuen Gesellschaftsperspektive, in seinem Fall dem Sozialismus. Er beschreibt, wie die jungen Kämpfer im Zweiten Weltkrieg hungrig nach Abenteuer an die Front zogen, manche sogar in Panzerdivisionen der SS. Wie sie dabei ihre völlige Desillusionierung erlebten und den moralischen Zusammenbruch einer ganzen Gesellschaft. In einem zertrümmerten Land standen sie vor einer ungewissen Zukunft.

Offener Brief an Honecker

"Die Abenteuer des Werner Holt" erreichten bis heute eine Auflage von fast vier Millionen Exemplaren. Im selben Jahr schrieb Noll einen "Offenen Brief" an den DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker. Dieser dürfte ihm schlimmer geschadet haben als die ausbleibenden literarischen Erfolge. In dem Schreiben denunzierte Noll Kollegen wie Stefan Heym, Joachim Seyppel und Rolf Schneider als "kaputte Typen", die dann im Gefolge der Biermann-Ausbürgerung aus dem DDR-Schriftstellerverband ausgeschlossen wurden. Auch wohlwollende Kritiker befürchteten, Nolls Brief könnte länger in Erinnerung bleiben als seine Bücher.

Der Widerstreit zwischen Wahrheit und Parteilichkeit, ehrlichem, offenem Bekenntnis und Opportunismus hat Noll zunehmend verstummen lassen. Auch wenn er sich, wie er zu seinem 75. Geburtstag beteuerte, weiter als Kommunist fühlte.


Der Artikel auf Focus