zur Erinnerung

Wider dem Vergessen

In der Nacht vom 25.08.2018 zum 26.08.2018 wurde ein Mann in Chemnitz "abgeschlachtet".

Die letzten Minuten des sterbenden Daniel H.

Erschienen am 29.04.2019

F├╝r Sie berichtet: Jens Eumann

W├Ąhrend der Prozesstag am Montag der Mutter des Opfers viel abverlangt hat, muss die Polizei eine fr├╝he Panne einr├Ąumen.

Dresden
Nicht alle Tatzeugen wurden bedroht. Niemand habe ihn von der Aussage abhalten wollen, sagte Nawid P. am Montag im Sicherheitssaal des Oberlandesgerichts Dresden, wo der Chemnitzer Landgerichts-Prozess zur t├Âdlichen Attacke auf den Chemnitzer Daniel H. stattfindet. Nawid P. will den Angeklagten Alaa S. als Tatbeteiligten ausgemacht haben. "Zu 100 Prozent" sei er da sicher, sagte der Zeuge.

Von der Arbeit im Chemnitzer Alanya-Imbiss sei er nach dem Andrang zum Stadtfest m├╝de gewesen. Um Luft zu schnappen, sei er nachts vor die T├╝r getreten. Abseits habe ein Junge auf dem Gehweg gelegen. Zwei weitere Jungen seien hingelaufen, an ihm vorbei. Der Junge am Boden habe etwas gesagt, woraufhin die beiden anderen zur Gruppe der "Deutschen" gingen und "handgreiflich" wurden. Getreten h├Ątten sie und mit "F├Ąusten" geschlagen. So berichtete der 18-j├Ąhrige Afghane ├╝ber die Nacht des 26. August 2018.

"Die Deutschen", das waren aus dem Blickwinkel des Afghanen Daniel H. und die ukrainisch-russische Familie M. Auf Vorhalt best├Ątigte Nawid P. seine Ausf├╝hrungen aus der Polizeivernehmung: Er habe gesehen, wie "der Gro├če" einen Deutschen am Kragen packte, zu Boden zog und ihm zwei, drei Tritte gab. Als "den Gro├čen" machte Nawid P. den Angeklagten Alaa S. aus. Zuerst habe er gar nicht gewusst, dass da "ein Mord" vor sich ging. Als er erfuhr, dass der zu Boden gegangene Daniel H. erstochen worden war, sei ihm klar gewesen, dass er aussagen m├╝sse. Er habe gedacht: "der hat ja auch Familie, Bruder, Schwester, die sich um ihn sorgen".

Foto: Andreas Seidel

Die blonde Frau an der Nebenklagebank nickte kaum merklich. F├╝r Daniel H.s Mutter war der Tag kein leichter. Mehrfach musste sie die letzten Minuten ihres Sohnes durchleben. Als verschiedene Zeugen diese immer wieder schilderten, wischte sie sich die Augen. Langsam sei Daniel H. zu Boden gegangen, berichtete der zu Hilfe geeilte Remo U. (50). "Ich hab nicht gewusst, was los ist, bis ich die Jacke ge├Âffnet und das ganze Blut gesehen hab", berichtete der Chemnitzer. Er habe dem das Bewusstsein Verlierenden den Kopf hochgehalten. "Bleib wach Gro├čer", habe er gesagt.

Alexander S. betrat als erster Polizist die Szene. Da r├Âchelte das Opfer nur noch schwach. Man versuchte die Blutung aus dem Brustkorb "abzudr├╝cken", schilderte der Polizeioberkommissar. Bei der Fahrt ├╝ber die Kreuzung Br├╝ckenstra├če/Stra├če der Nationen hatte er kurz zuvor vier Personen "in Richtung Riesenrad" wegrennen sehen und sich gefragt, warum sie wohl zu fl├╝chten schienen. Sekunden sp├Ąter war er von Passanten an der Ecke aufs Geschehen auf halber H├Âhe des Blocks hingewiesen worden. S. berichtete vom Absperren des Tatortes, vom Verfolgen des Fluchtwegs durch einen F├Ąhrtenhund und davon, wie hinter einem Zaun an der B├╝hne gegen├╝ber dem Marx-Kopf zwei Messer gefunden wurden, eines davon den Spuren zufolge ein Tatmesser.

Wenig sp├Ąter wurden zwei Verd├Ąchtige festgenommen, darunter der Angeklagte. Der Syrer Alaa S. habe Blut an den Handfl├Ąchen, an Kleidung und Hose gehabt, sagte ein weiterer Polizist aus. Allerdings stand davon im Bericht zur vorl├Ąufigen Festnahme kein Wort. Es sei wohl vergessen worden, sagte der Beamte gestern. mit dpa


Quelle: FP vom 29.04.2019


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