zur Erinnerung

Wider dem Vergessen

In der Nacht vom 25.08.2018 zum 26.08.2018 wurde ein Mann in Chemnitz "abgeschlachtet".

Ermittlungen wegen versuchten Mordes "Rechter Brandanschlag" war wohl Betrug: Gastwirt Ali T. narrte sogar Angela Merkel

FOCUS-Online-Reporter Göran Schattauer

Donnerstag, 15.07.2021, 08:51

Es ist ein LehrstĂŒck ĂŒber falsche VerdĂ€chtigungen und voreilige Politiker-Reaktionen: Ein angeblich "rechter" Brandanschlag auf ein tĂŒrkisches Grillrestaurant in Chemnitz 2018 war wohl die Straftat des Besitzers Mehmet Ali T. Jetzt wurde der 49-JĂ€hrige verhaftet, der viele Medien und sogar die Kanzlerin hinters Licht fĂŒhrte. FOCUS Online weiß, wie die sĂ€chsischen Fahnder dem Mann auf die Spur kamen.

Facebook Ausgebranntes Restaurant "Mangal" in Chemnitz, Besitzer Mehmet Ali T. zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel 2018.

Am 18. Oktober 2018 gegen 2.20 Uhr ging im sĂ€chsischen Chemnitz ein tĂŒrkisches Restaurant in Flammen auf. Dass bei dem Inferno niemand starb, war Zufall. In den Mietwohnungen ĂŒber dem lichterloh brennenden Lokal "Mangal" hielten sich zur Tatzeit 15 Menschen auf. Sie konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, eine Mieterin wurde durch die giftigen Rauchgase leicht verletzt. Sachschaden: rund 500.000 Euro.

Facebook Gastwirt Mehmet Ali T. mit Sachsens MinisterprĂ€sident Kretschmer und der Chemnitzer OberbĂŒrgermeisterin Ludwig 2018 vor seinem ausgebrannten Restaurant "Mangal".

Fast noch schneller als die Chemnitzer Feuerwehr reagierte die Polit-Prominenz. Die Chemnitzer OberbĂŒrgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) empörte sich: "Was heute Nacht geschehen ist, ist aufs SchĂ€rfste zu verurteilen. Wie hasserfĂŒllt, verantwortungslos und feige mĂŒssen diejenigen sein, die so etwas tun?" Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) sinnierte öffentlich ĂŒber einen "fremdenfeindlichen, rassistischen Hintergrund'. Sein Parteikollege und Innenminister Roland Wöller sprach von einer "verabscheuungswĂŒrdigen Tat".

Brand in Chemnitzer Lokal: TĂŒrkischer Besitzer unter Verdacht

VerabscheuungswĂŒrdig war die Tat auf jeden Fall. Doch der von den Politikern vermittelte Eindruck, bei dem Brandanschlag handele es sich um das Werk von Rechtsextremisten, ist offenbar falsch. Mittlerweile richtet sich der Tatverdacht gegen zwei MĂ€nner, die definitiv keine Neonazis sind.

Es handelt sich um den kurdischen Besitzer des abgebrannten Restaurants Mehmet Ali T. (49) und seinen mutmaßlichen Komplizen Yalcin E. (35). Die beiden MĂ€nner wurden am 7. Juli 2021 festgenommen. GaststĂ€tten-Boss Mehmet Ali T. kam sogar in Untersuchungshaft und sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Dresden.

Nach Informationen von FOCUS Online ermittelt die Chemnitzer Staatsanwaltschaft gegen das Duo wegen versuchten Mordes in 15 FĂ€llen in Tateinheit mit besonders schwerer Brandstiftung und Betrug (Aktenzeichen: 250 Js 31610/20).

Große Anteilnahme: Sogar die Kanzlerin traf Mehmet Ali T.

Facebook Abgebranntes Lokal "Mangal" in Chemnitz, Besitzer Mehmet Ali T.

Wenn es stimmt, was die sĂ€chsischen Ermittler bislang herausfanden, dann haben sich Politiker wie Kretschmer und Ludwig nicht mit einem Opfer fremdenfeindlicher Gewalt solidarisiert, sondern - unwissentlich - mit einem mutmaßlichen Kriminellen. Die beiden Volksvertreter hatten Mehmet Ali T. im November 2018 medienwirksam in seinem verkohlten Lokal besucht. SpĂ€ter schĂŒttelte sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Gastwirt mit Migrationshintergrund die Hand, der sich als Opfer des "rechten Terrors" in Chemnitz ausgab.

Unmittelbar nach dem verheerenden Feuer hatte das "Mangal"-Team Fotos aus dem zerstörten Gastraum bei Facebook gepostet ("Leider ist alles abgebrannt") und damit eine Welle der Empörung ausgelöst. Eine Userin schrieb: "Lasst den Menschen, die scheinbar so viel Wut und Hass in sich tragen, nicht die Genugtuung, euch von hier vertrieben zu haben." Ein anderer Nutzer rief zum Kampf gegen "diese elendigen Nazis" auf, die nicht nur fĂŒr ihn zweifelsfrei als TĂ€ter feststanden.

Gastwirt nach Brand: "Hier nicht mehr sicher genug"

Gestreut wurde dieser "Verdacht" vor allem durch einen Mann: "Mangal"-Inhaber Mehmet Ali T. Der heute 49-JĂ€hrige ließ praktisch keine Gelegenheit aus, den Brandanschlag Rechtsextremisten in die Schuhe zu schieben. Schon wenige Stunden nach der Tat sagte er der "Bild"-Zeitung: "Wenn sich herausstellen sollte, dass es wirklich Rechtsextreme waren, werde ich Chemnitz wohl wieder verlassen. Dann ist es mir hier nicht mehr sicher genug."

Das könnte Sie auch interessieren
CHEMNITZ Ein Interview zur Situation in Chemnitz: "Das Gewaltmonopol des Staates konnte nicht durchgesetzt werden"

(Anm. von mir: Wenn das Gewaltmonopol des Staates nicht dazu genutzt wird das Leben seiner eigenen BĂŒrger zu schĂŒtzen, dann gibt es irgendwo Schwierigkeiten in der VerstĂ€ndigung.)

Ali Tulasoglu fotografiert die verkohlten Räume seines türkischen Restaurants in Chemnitz. Unbekannte hatten in der Nacht in dem Restaurant Feuer gelegt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen, weil sich derzeit ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließen lässt. Ali Tulasoglu fotografiert die verkohlten RĂ€ume seines tĂŒrkischen Restaurants in Chemnitz. Unbekannte hatten in der Nacht in dem Restaurant Feuer gelegt. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen ĂŒbernommen, weil sich derzeit ein fremdenfeindliches Motiv nicht ausschließen lĂ€sst.
Bild: Sean Gallup/dpa

Im November 2019 zimmerte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) ein rĂŒhrendes PortrĂ€t des tĂŒrkischen Gastwirts zusammen, der seit 1994 im Raum Chemnitz lebt. Überschrift: "Der Anschlag und die Angst". Mehmet Ali T., dessen Nachname damals noch voll ausgeschrieben wurde, erklĂ€rte dem Reporter seine Haltung zu Rechtsextremismus und AuslĂ€nderfeindlichkeit. Er sagte: "Ich bin mehr als besorgt ĂŒber die Lage in Deutschland." Und natĂŒrlich seien die TĂ€ter, die sein Restaurant angezĂŒndet haben, "im Kreis von Rechtsradikalen zu suchen".

Mehmet Ali T. rĂŒgte Polizei als unfĂ€hig - jetzt ist er in Haft

Zugleich ĂŒbte der Zuwanderer massive Kritik an den Ermittlungsbehörden. "Die Polizei hat gar nichts ermittelt", schimpfte Mehmet Ali T. angeblich tief frustriert. Zitiert wird er auch mit dem Satz: "Das macht uns ein bisschen Angst, wenn die Polizei, die uns von unseren Steuergeldern schĂŒtzen soll, sich so blöd hinstellt."

Ganz so "blöd" wie der tĂŒrkische Gastarbeiter-Sohn meinte, waren die Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) Sachsen offenbar doch nicht. Vor wenigen Tagen, am 7. Juli 2021, legten Polizisten Mehmet Ali T. Handschellen an. Damit endete das offenkundige MĂ€rchen von "rechten Anschlag" in Chemnitz. Jetzt geht es um versuchten Mord und Versicherungsbetrug!

Feuerschaden: 300.000 Euro von der Versicherung kassiert

Nach Informationen von FOCUS Online kassierte Mehmet Ali T. fĂŒr den Feuerschaden in seinem Restaurant rund 300.000 Euro von der Sparkassen-Versicherung. Das war zwar weniger als der Unternehmer erhofft hatte, aber offenbar genug, um ein neues Lokal außerhalb von Chemnitz zu eröffnen. Sollte sich herausstellen, dass Mehmet Ali T. selbst hinter dem Brandanschlag steckt, dĂŒrfte er das Geld zurĂŒckzahlen mĂŒssen - und fĂŒr lĂ€ngere Zeit ins GefĂ€ngnis kommen.

Wie die Fahnder dem mutmaßlichen TĂ€ter und seinem wahrscheinlichen Helfer auf die Spur kamen, konnte FOCUS Online den Ermittlungsakten entnehmen.

Laut den Unterlagen ermittelte die Polizei zunĂ€chst, wie es so schön heißt, "in alle Richtungen", auch das Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum des sĂ€chsischen LKA war eingebunden. Die Fahnder standen unter hohem Druck.

"Rechte Hochburg" Chemnitz: Die Tat passte ins Muster

Wenige Wochen vor dem Brand war es in Chemnitz zu Demonstrationen und Ausschreitungen gekommen, an denen auch Rechtsextremisten beteiligt waren. Auslöser war der tödliche Messerangriff auf den Tischler Daniel H. durch zwei Asylbewerber Ende August 2018 am Rande des Chemnitzer Stadtfests. Fortan herrschte eine angespannte Stimmung, die sĂ€chsische Großstadt und ihre BĂŒrger gerieten unter eine Art "braunen Generalverdacht".

Wenn in einem solchen Klima ein tĂŒrkisches Lokal abbrennt, liegt der Verdacht nahe, dass rechtsextreme AuslĂ€nderfeinde dahinterstecken. Sollte dies das KalkĂŒl des tĂŒrkischen Gastwirts gewesen sein?

Tatsache ist, dass die sĂ€chsischen Ermittler keinerlei Anhaltspunkte fĂŒr eine politisch motivierte Straftat von rechts finden konnten. Da auch ein technischer Defekt ausschied, mussten sie andere Szenarien in Betracht ziehen. Dazu zĂ€hlten auch Finanzermittlungen rund um Restaurant-Besitzer.

Finanzermittlungen fĂŒhrten Fahnder auf Spur des Gastwirts /mnt/web304/b3/70/52972570/htdocs/event/HelpData/HelpDat.txt

Ali Tulasoglu steht vor den Trümmern seiner Existenz. Sein türkisches Restaurant, das Ali Tulasoglu steht vor den TrĂŒmmern seiner Existenz. Sein tĂŒrkisches Restaurant, das "Mangal", wurde Mitte Oktober bei einem Brandanschlag in Schutt und Asche gelegt.
Bild: Harry Haertel/dpa

Dabei stellte sich heraus, dass Mehmet Ali T. erhebliche Schulden hatte. Waren es zur Eröffnung seines Chemnitzer Lokals noch mehrere Zehntausend Euro, lagen die Schulden zum Zeitpunkt des Brandes bereits im sechsstelligen Bereich. So zumindest steht es in den Akten.

Versicherungsbetrug als Tatmotiv - bei Wohnungs- und HausbrĂ€nden ist das ein "Klassiker". Auch im Fall des Feuers im "Mangal" konnten die LKA-Ermittler einen solchen Hintergrund nicht ausschließen.

Fakt ist: Die TĂ€ter waren durch ein Fenster in das Lokal eingestiegen, hatten etwa fĂŒnf Liter Benzin verschĂŒttet und angezĂŒndet. Drei bis heute unbekannte MĂ€nner flĂŒchteten in einem roten Kleinwagen (FOCUS Online kennt die genaue Marke) vom Tatort. Die Hypothese der Fahnder: Mehmet Ali T. könnte das Trio angestiftet haben, um Geld von der Versicherung zu erhalten und so einen finanziellen Schub fĂŒr den wirtschaftlichen Neustart zu erhalten.

TelefonĂŒberwachung und verdeckte Ermittlungen

Aus der Hypothese wurde irgendwann ein Anfangsverdacht. Die LKA-Fahnder erwirkten richterliche BeschlĂŒsse zur TelefonĂŒberwachung und fĂŒhrten verdeckte Ermittlungen. Gut zwei Jahre nach dem Feuer lobte die Polizei im Oktober 2020 fĂŒr sachdienliche Hinweise zur Tat 10.000 Euro Belohnung aus. Zwar ergab sich daraus keine heiße Spur. Allerdings erhĂ€rtete sich der Verdacht gegen Mehmet Ali T. durch die zu diesem Zeitpunkt laufende TelefonĂŒberwachung.

Am Ende waren die Indizien gegen den tĂŒrkischen Gastwirt so erdrĂŒckend, dass die Polizei mit einem richterlichen Beschluss zuschlagen konnte: Restaurant-Boss Mehmet Ali T. wurde am 7. Juli 2021 festgenommen, ebenso wie sein Kumpel und mutmaßlicher Komplize Yalcin E., der aus der TĂŒrkei stammt, aber deutscher StaatsbĂŒrger ist. Insgesamt drei Objekte in Chemnitz und Frankenberg wurden durchsucht.

Nach Informationen von FOCUS Online hat sich der angebliche Helfer Yalcin E. bei seiner Festnahme spontan zu den VorwĂŒrfen geĂ€ußert und dabei den Hauptbeschuldigten Mehmet Ali T. belastet. Der Gastwirt selbst hat sich bisher nicht offiziell eingelassen, sein Verteidiger lehnte eine Stellungnahme gegenĂŒber FOCUS Online ab.

Verdacht: Hat Mehmet Ali T. noch mehr auf dem Kerbholz?

Laut behördlichen Unterlagen, die FOCUS Online einsehen konnte, steht der 49-jÀhrige Unternehmer nicht nur wegen des Brandes in seinem Lokal unter Verdacht. Quasi als Beifang stellten die Kriminalbeamten weitere mögliche Straftaten fest. Dazu zÀhlen unter anderem Betrugsdelikte, UrkundenfÀlschung und Erpressung.

Seit der dramatischen Ermittlungs-Wende hat sich die Stimmung gegen den einst beliebten Restaurant-Boss gedreht. Auf Facebook findet man diverse SchmÀh-Kommentare gegen ihn - und auch die von ihm offenbar getÀuschten Politiker bekommen ihr Fett weg.

So kritisiert ein User den sĂ€chsischen MinisterprĂ€sidenten fĂŒr dessen SolidaritĂ€ts-Besuch bei Mehmet Ali T., obwohl die HintergrĂŒnde der Tat nicht ansatzweise aufgeklĂ€rt waren - und fordert eine Entschuldigung gegenĂŒber der Öffentlichkeit: "Herr Kretschmer, wie wĂ€re es mit einer Entschuldigung fĂŒr die Vorverurteilung fĂŒr einen angeblich rechtsextremen Anschlag auf das Restaurant?"


Quelle: focus.de vom 15.07.2021


Chemnitz: Angeblicher Brandanschlag entpuppt sich als Versicherungsbetrug Politik und Medien ließen sich bereitwillig tĂ€uschen

Ein Gastbeitrag von Frank W. Haubold

VERÖFFENTLICHT AM 11. Jul 2021

In der Nacht des 18. Oktober 2018 gab es nach Angaben von Augenzeugen eine heftige Explosion im kurdischen Restaurant "Mangal" in Chemnitz und der Gastraum brannte fast völlig aus. 17 Mieter mussten evakuiert werden und kamen mit dem Schrecken davon.

Laut BILD schÀtzte Inhaber Ali T. den entstandenen Sachschaden auf 350.000 Euro. Das Blatt zitierte den Inhaber mit folgenden Worten: "Wenn sich herausstellen sollte, dass es wirklich Rechtsextreme waren, werde ich Chemnitz wohl wieder verlassen. Dann ist es mir hier nicht mehr sicher genug."

Auch OberbĂŒrgermeisterin Ludwig (SPD) ließ es sich nicht nehmen, sofort in Richtung der vermeintlichen TĂ€ter zu zeigen. Zitat: "Was heute Nacht geschehen ist, ist aufs SchĂ€rfste zu verurteilen. Wie hasserfĂŒllt, verantwortungslos und feige mĂŒssen diejenigen sein, die so etwas tun. Dabei nehmen sie Opfer in Kauf."

In das gleiche Horn stieß auch MinisterprĂ€sident Kretschmer, als er drei Wochen spĂ€ter das Lokal besuchte, um dem vermeintlichen Opfer seine SolidaritĂ€t zu bekunden. Die Chemnitzer "Freie Presse" schrieb hierzu: "Der MinisterprĂ€sident betonte, dass man die HintergrĂŒnde der Tat noch nicht kenne, aber ein ‚fremdenfeindlicher, rassistischer Hintergrund' zu vermuten sei." Der rechtsstaatliche Grundsatz, bei unaufgeklĂ€rten Straftaten auf Mutmaßungen und Unterstellungen zu verzichten, gilt offenbar nicht, wenn der Verdacht in die "richtige" Richtung geht.

Doch damit war es der Betroffenheitsbekundungen der Politprominenz noch nicht genug. Mitte November 2018 ließ es sich auch Bundeskanzlerin Merkel nicht nehmen, den leidgeprĂŒften Restaurantbesitzer zu treffen. Interessanterweise sind die meisten Presseberichte hierzu nach Bekanntwerden des tatsĂ€chlichen Sachverhaltes entweder ganz oder hinter der Bezahlschranke verschwunden (siehe "SĂŒdkurier"). Offenbar soll nicht weiter publik werden, dass sich selbst die Bundeskanzlerin von dem vorgeblichen Opfer tĂ€uschen ließ.

Facebook Blick in das 2018 abgebrannte Lokal "Mangal" in Chemnitz.

Die Unverfrorenheit des nunmehrigen TatverdĂ€chtigen ist allerdings zu bewundern. Aber natĂŒrlich nutzte er auch das aufgeheizte Klima in Chemnitz nach dem Tötungsverbrechen an dem Deutschkubaner Daniel H., den nachfolgenden Demonstrationen und den angeblichen "Hetzjagden", um seinen Plan umzusetzen. Sein KalkĂŒl: In einem Klima des Generalverdachtes gegen die Stadt und ihre BĂŒrger wĂŒrde schon niemand auf die Idee kommen, andere TĂ€ter als rechtsextreme AuslĂ€nderfeinde zu vermuten.

So also eilte Ali T. von Interview zu Interview, ließ sich von mitfĂŒhlenden Politikern und Medienvertretern ausgiebig hofieren und hatte sogar noch die Stirn, im November 2019 die Polizei wegen vermeintlicher UntĂ€tigkeit zu attackieren. Zitat ("Die Welt"): "Mehr als ein Jahr nach dem Brandanschlag auf das tĂŒrkische Restaurant ‚Mangal' in Chemnitz hat Gastwirt Ali T. der Polizei UntĂ€tigkeit vorgeworfen. ‚Die Polizei hat gar nichts ermittelt', sagte der 47-JĂ€hrige im GesprĂ€ch mit der Deutschen Presse-Agentur.'"

Doch so untĂ€tig, wie Ali T. wohl insgeheim gehofft hatte, waren Polizei und LKA dann doch nicht. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe, dass am Donnerstag, den 8. Juli 2021, Ali T. und ein mutmaßlicher Mitwisser unter dem Verdacht der Brandstiftung und des Versicherungsbetrugs festgenommen wurden! Inzwischen sitzt Ali T. nach Angaben der BILD-Zeitung in Untersuchungshaft.

Die Behörden selbst teilen dazu mit: "Die Ermittlungen wurden zunĂ€chst in alle Richtungen gefĂŒhrt. Im Zuge der Ermittlungen fanden sich keine Anhaltspunkte fĂŒr eine auslĂ€nderfeindliche Tatmotivation. Vielmehr erhĂ€rtete sich im Ergebnis der intensiven und langwierigen kriminaltechnischen Untersuchungen des Landeskriminalamtes der Verdacht der vorsĂ€tzlichen Brandstiftung gegen den damaligen Inhaber des Restaurants ‚Mangal'. Nach aktuellem Erkenntnisstand ist davon auszugehen, dass das Motiv fĂŒr die Tat die Auszahlung der Versicherungssumme war, es sich mithin um einen Versicherungsbetrug gehandelt hat."

Nun könnte man es sich leicht machen und konstatieren, dass ein geschickter BetrĂŒger die Medien und die Politik getĂ€uscht habe. Das sei Ă€rgerlich, könne aber vorkommen. Doch ganz so einfach ist es leider nicht, denn der mutmaßliche TĂ€ter konnte die Öffentlichkeit nur so lange und erfolgreich tĂ€uschen, weil der Verdacht gegen "Rechts" politmedial nur zu willkommen war, da er die eigenen Vorurteile gegenĂŒber dem "braunen Nest" Chemnitz bediente.

Diese Stigmatisierung der Stadt hat durchaus prominente Urheber, nÀmlich Regierungssprecher Seibert und Bundeskanzlerin Merkel, die die Fama von den auslÀnderfeindlichen "Hetzjagden", die sich angeblich in Chemnitz ereignet hÀtten, höchstpersönlich in die Welt setzten.

Ohne RĂŒcksprache mit den Sicherheitsbehörden und nur auf der Basis einer wenig aussagekrĂ€ftigen Videosequenz, die den Medien von einem Antifa-Account zugespielt wurde, trat Herr Seibert damals vor die Presse und verkĂŒndete wörtlich: "Was gestern in Chemnitz zu sehen war und stellenweise auf Video festgehalten wurde (...), das hat in unserem Rechtsstaat keinen Platz. Solche Zusammenrottungen, Hetzjagden auf Menschen anderen Aussehens und anderer Herkunft, (...) das nehmen wir nicht hin."

Dass sowohl die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen als auch die Polizei und der Verfassungsschutz auf Anfrage derartige "Hetzjagden" bestritten, beirrte weder die Bundesregierung noch ihre willfĂ€hrigen medialen Hilfstruppen. Die unterstellten Hetzjagden wurden zur StaatsrĂ€son erhoben und alle Kritiker im besten Fall als Verharmloser, wenn nicht sogar SteigbĂŒgelhalter auslĂ€nderfeindlichen Terrors stigmatisiert.

Den damaligen VerfassungsschutzprĂ€sidenten Hans-Georg Maaßen kostete der Widerspruch zur Verlautbarung seiner obersten Dienstherrin sogar das Amt. Allerdings hatte er den Fehler begangen, die AuthentizitĂ€t der Videosequenz öffentlich anzuzweifeln, anstatt deren Untauglichkeit als Beleg fĂŒr die behaupteten "Hetzjagden" zu thematisieren, die inzwischen durch Zeugenaussagen belegt ist.

In der Folge kam es dann tatsĂ€chlich zu einer Hetzjagd, nĂ€mlich zu einer medialen gegen Maaßen selbst, die bis heute andauert. Auch der sĂ€chsische MinisterprĂ€sident Kretschmer geriet kurzzeitig ins Kreuzfeuer der GesinnungsjĂ€ger, als er ebenfalls öffentlich bestritt, dass es in Chemnitz einen Mob oder besagte Hetzjagden gegeben hĂ€tte. Anders als Maaßen wurde ihm jedoch vergeben, da er sich fortan nur noch als braver BefehlsempfĂ€nger der Kanzlerin gebĂ€rdete (z. B. bei der Bildung einer Regierungskoalition mit den Wahlverlierern SPD und GrĂŒnen).

Die nunmehrige Festnahme des mutmaßlichen TĂ€ters ist ein herber RĂŒckschlag fĂŒr alle, die die Stigmatisierung der Stadt Chemnitz, der Sachsen und des Ostens insgesamt aus ideologiegetriebener Passion und aus GrĂŒnden des Machterhalts betreiben. Ändern wird sich jedoch nichts, so wie auch die Hetzjagdlegende bis heute vehement verteidigt wird.

Vergleicht man allerdings die eilfertigen SolidaritĂ€tsbekundungen der Politik angesichts einer unaufgeklĂ€rten Brandstiftung mit der kaltherzigen Ignoranz gegenĂŒber den brutal abgeschlachteten Opfern von WĂŒrzburg, kann man nichts anderes als Ekel empfinden.

GastbeitrÀge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich schÀtze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.


Quelle: reitschuster.de vom 11.07.2021


© infos-sachsen / letzte Änderung: - 15.02.2023 - 18:48