zur Erinnerung

Wider dem Vergessen

In der Nacht vom 25.08.2018 zum 26.08.2018 wurde ein Mann in Chemnitz "abgeschlachtet".

Perfekte Zeiteinteilung

eine Woche vor der Landtagswahl.
Die Revision findet ja zum Gl√ľck nach der Wahl statt.

Ergebnis?: Reduzierung Strafmaß auf ca. 2,5 Jahre. Anrechnung der Untersuchungshaft und damit wird der Rest zur Bewährung ausgesetzt.

Klingt das unwahrscheinlich?

Und der fl√ľchtige Hauptverd√§chtige wurde immer noch nicht gefunden! Warum?

Neuneinhalb Jahre Haft nach der Chemnitzer Messerattacke

Erschienen am 22.08.2019

F√ľr Sie berichtet: Jens Eumann

Zu den t√∂dlichen Stichen vom Stadtfest gibt es ein Urteil. Rechtskraft hat es noch nicht. Zudem ist ein Verd√§chtiger noch fl√ľchtig.

Dresden - Im Prozess nach der t√∂dlichen Messerattacke auf den 35-j√§hrigen Chemnitzer Daniel H. ist der angeklagte Syrer Alaa S. am Donnerstag zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Nur Tage bevor sich die Tat vom 26. August 2018 erstmals j√§hrt, sprach die Strafkammer des Chemnitzer Landgerichts den 24-j√§hrigen Asylbewerber des gemeinschaftlichen Totschlags und der gef√§hrlichen K√∂rperverletzung schuldig. Das Urteil ist noch nicht rechtskr√§ftig. Die Verteidigung hat bereits ihr Revisionsbegehren angek√ľndigt.

Alaa S. zwischen einem Dolmetscher und seiner Verteidigerin Ricarda Lang. Alaa S. zwischen einem Dolmetscher und seiner Verteidigerin Ricarda Lang.
Foto: Matthias Rietschel

Das Urteil sei "unbeeindruckt von der politischen Dimension des Falles" gef√§llt worden, allein "anhand der erwiesenen Tatsachen", betonte die Vorsitzende Richterin Simone Herberger. Mit der politischen Dimension meinte sie jene asylfeindlichen Demonstrationen und rechtsextremen Ausschreitungen, die die Messerattacke vom Stadtfestwochenende im letzten Herbst in Chemnitz ausgel√∂st hatte. Wegen seiner √Ąu√üerungen zur angeblich fragw√ľrdigen Authentizit√§t eines sehr wohl echten Videos von rechten √úbergriffen hatte der Pr√§sident des Bundesamtes f√ľr Verfassungsschutz, Hans-Georg Maa√üen, seinen Job verloren. Der Fall l√∂ste eine Regierungskrise in Berlin aus. Im Prozess hatte die Verteidigung darauf beharrt, eine von all dem losgel√∂ste Gerichtsverhandlung sei kaum m√∂glich. Dem trat die Vorsitzende Richterin entgegen.

Auch konterte sie die in der √∂ffentlichen Darstellung des Prozesses bisher dominierende Sicht der Verteidigung, es gebe keine Beweise gegen den Angeklagten. Sie nannte vier Zeugen daf√ľr, dass Alaa S. das Opfer zusammen mit dem fl√ľchtigen und international gesuchten Iraker Farhad A. angegriffen hatte. Auch sei der Hauptbelastungszeuge, der als Einziger "stechende" Bewegungen beider Tatverd√§chtigen beschrieb, anders als von der Verteidigung dargestellt, keineswegs unglaubw√ľrdig. Vom Durchreichefenster eines Imbisslokals in der Chemnitzer Innenstadt, 50 Meter vom durch Laternen hell erleuchteten Tatort entfernt, hatte der D√∂ner-Koch Younis al N. das Geschehen beobachtet. "Belastungseifer" habe er nicht erkennen lassen, auch nie davon gesprochen, ein Messer gesehen zu haben, was ihn bei 50 Metern Abstand in der Tat unglaubw√ľrdig gemacht h√§tte. Die Kammer sei √ľberzeugt, dass der Zeuge zun√§chst "Erlebtes geschildert" habe und nur durch regelrechte Bedrohungen in sp√§tere Widerspr√ľche getrieben worden sei. Doch st√ľtzten die Aussagen der anderen Zeugen die seinen. "Wie ein Puzzle" lasse sich der Hergang der Nacht so "schl√ľssig zusammenf√ľgen", f√ľhrte die Richterin aus.

Der fl√ľchtige Verd√§chtige Farhad A. sei mit dem sp√§teren Todesopfer ins Gespr√§ch gekommen und in Streit geraten. Nach einem Handgemenge habe sein lautes Geschrei den Angeklagten und andere aus dem nahen D√∂nerladen hinzueilen lassen. Der bei der Tat ebenfalls verletzte Dimitri M. habe den Angeklagten anhand seiner Kleidung klar als den Angreifer festgestellt, der auf Daniel H. losging. Der Angeklagte habe dessen Kopf zu sich gezogen und seine Hand mehrfach in Richtung von Daniel H.s Oberk√∂rper schnellen lassen. Dort hin, wo sp√§ter die Stichwunden festgestellt wurden. "In der Gesamtw√ľrdigung besteht kein Zweifel zur Schuld des Angeklagten", so die Richterin.


Spezial: Nach der Gewalttat von Chemnitz


Artikel aus der FP vom 22.08.2019



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