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Zeitzeugen
Zugunglück in Langenweddingen am 06.07.1967aus "Freie Presse" vom 10. Juli 1967

Mitteilung der Regierungskommission

über das vorläufige Untersuchungsergebnis des folgenschweren Verkehrsunglückes am 6. Juli 1967 in Langenweddingen

Magdeburg (ADN). Von der Regierungskommission und ihren Expertengruppen sind die Zusammenhänge eingehend untersucht Worden, die zu dem tragischen Verkehrsunglück führten, das sich am 6. Juli 1967 gegen 8 Uhr auf dem Bahnübergang Langenweddingen ereignete!

Gedenkstein - aufgenommen 2018

Die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, dass die unmittelbaren Ursachen des Zusammenstoßes zwischen einem Tankfahrzeug und dem Personenzug 852 vor allem in Pflichtverletzungen von Mitarbeitern des Bahnhofes Langenweddingen zu suchen sind. Seit dem 4. Juli 1967 wurde das Schließen der Schranken durch eine zu tief hängende Fernsprechleitung der Deutschen Post wiederholt behindert. Entgegen den Dienstvorschriften der Reichsbahn haben die Verantwortlichen die Mängel weder im Prüfungsbuch für Schrankenanlagen eingetragen, noch der zuständigen Signal- und Fernmeldemeisterei gemeldet, um diesen die Verkehrssicherheit gefährdenden Zustand schnellstens zu beseitigen.

In den Morgenstunden des 6. Juli 1967 hatte der die Schranken bedienende Fahrdienstleiter bereits bei vier Zugdurchfahrten Schwierigkeiten beim Schließen der Schranken. Trotz dieses Umstandes wurden von ihm keine Schritte eingeleitet, um die Störung zu beheben. Er veranlasste auch nicht die für solche Fälle in den Dienstvorschriften geforderte Sicherung des Bahnüberganges durch Sperrgeräte oder durch Aufstellen von Posten. Die Voraussetzungen hierfür waren vorhanden.

Als sich der beschleunigte Personenzug 852 aus Richtung Magdeburg gegen 8 Uhr dem Bahnübergang Langenweddingen näherte, verfing sich beim Schließen der Schranken die Spitze eines Schrankenbaumes an der durchhängenden Fernsprechleitung. Auf der Fernverkehrsstraße 81 fuhr, aus Magdeburg kommend, das Tankfahrzeug des VEB Minol, polizeiliches Kennzeichen HE 36 - 80, in Richtung Bahnübergang. Der die Schranken bedienende Fahrdienstleiter versuchte durch mehrmaliges Auf- und Abbewegen der nur gering geneigten Schranken den Schrankenbaum von der Fernsprechleitung freizubekommen, um die Schranken zu schließen. Er wäre in dieser Situation verpflichtet gewesen, das für den aus Magdeburg angemeldeten Personenzug 852 auf "Freie Fahrt" gestellte Signal auf "Halt" zurückzulegen.

Der Kraftfahrer des Tankfahrzeuges hatte nach Zeugenaussagen beim Herannahen an den Bahnübergang sein Fahrzeug gebremst. Als der Fahrdienstleiter die Schranken gerade wieder anhob, befuhr der Fahrer des Minol-Tankwagens den Bahnübergang, offenbar in der Annahme, dass für ihn die Fahrt freigegeben war. In diesem Augenblick erfasste die Lokomotive, trotz der vom Lokpersonal ausgelösten Schnellbremsung, mit ihrem rechten vorderen Puffer das Tankfahrzeug; der Tank wurde an den Zug geschleudert und explodierte. Der Tankinhalt, 15 000 Liter Leichtbenzin, ergoss sich brennend auf die ersten beiden Doppelstockwagen sowie das Bahnhofsgelände. Der Brand breitete sich in Bruchteilen von Sekunden unter gewaltiger Hitzeentwicklung aus.

Der Bahnübergang 2018 - inzwischen mit Halbschrankenanlage. Das Straßenpflaster ist wahrscheinlich noch von 1967

Der hinter der Lokomotive laufende Packwagen wurde zertrümmert. Die folgenden zwei Wagen sowie ein weiterer in der Mitte des Zuges fahrender Packwagen entgleisten. Als der Zug zum Stehen gekommen war, wurden auch die beiden letzten Doppelstockwagen von den Flammen des ausbrennenden Benzintanks erfasst. Die mittleren Wagen des Zuges wurden leicht beschädigt. Insgesamt brannten vier Doppelstockwagen sowie das Bahnhofsgebäude völlig aus.

Im Zug mitfahrende Reisende und Insassen der am Unfallort haltenden Fahrzeuge, unter ihnen Angehörige der Transportpolizei und der Nationalen Volksarmee, Eisenbahner und Einwohner der Gemeinde Langenweddingen setzten sich unmittelbar nach dem Unglück selbstlos, oft unter Lebensgefahr, für die Rettung ein.

Die sofort alarmierten Kräfte der Feuerwehr, der Volkspolizei, des Gesundheitswesens und des Deutschen Roten Kreuzes sowie der Deutschen Reichsbahn führten gemeinsam mit der Bevölkerung unter außerordentlich schwierigen Bedingungen und größten Anstrengungen die Brandbekämpfung und die Rettungsmaßnahmen durch. Die Bezirkskatastrophenkommission, die sich unverzüglich unter Leitung des Vorsitzenden des Rates des Bezirkes, Kurt Ranke, zum Unfallort begab, leitete und koordinierte die umfassenden Rettungs- und Bergungsarbeiten.

Innerhalb kürzester Frist waren die Verletzten in Krankenhäusern untergebracht.

Der Bahnhof (besser Haltestelle) hat im Jahr 2018 auch seine beste Zeit hinter sich

Infolge der schlagartigen Ausbreitung der Brände und der extrem starken Hitze gelang es trotz massierten Einsatzes aller zur Verfügung stehenden Kräfte und modernster Löschmittel nicht, alle in den brennenden Doppelstockwagen befindlichen Reisenden zu retten.
In den Wagen entwickelte sich eine solche Hitze, dass Glas und Leichtmetall schmolzen.

Im Zug befanden sich etwa 540 Reisende. Die gerichtsmedizinischen Untersuchungen, die nach Abschluss der Bergung der Toten vom Unglücksort durchgeführt wurden, haben ergeben, dass 77 Personen, darunter 44 Kinder und der Fahrer des Tanklastzuges, umittelbar bei diesem schweren Unglück ihr Leben verloren.
Die Identifizierung der Todesopfer wurde auf Grund der starken Brandfolgen außerordentlich erschwert.
Von den 54 Verletzten sind trotz allen ärztlichen Bemühens vier Schwerstverletzte verstorben. Einige Schwerverletzte befinden sich noch in Lebensgefahr.

Von der Regierungskommission unter Leitung des Ministers des Innern, Friedrich Dickel, wurde in Zusammenarbeit mit der Bezirksleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und dem Rat des Bezirkes mit Unterstützung der gesellschaftlichen Organisationen alles menschenmögliche getan, um den vom tragischen Verkehrsunglück Betroffenen und ihren Angehörigen in diesen schweren Stunden jede nur denkbare Hilfe und Unterstützung zu geben.

Zentralbild Koard bgm-ne 7.7.1967 Bezirk Magdeburg: Unglücksstelle bei Langenweddingen wieder passierbar 24 Stunden nach dem tragischen Verkehrsunfall passierte am Morgen des 7.7.1967 ein D-Zug von Halberstadt nach Berlin wieder die Unglücksstelle am Bahnhof Langenweddingen. Das gewährleisteten Eisenbahner und andere Helfer mit ihrem unermüdlichen Einsatz.

Aus den bisherigen Untersuchungen und den vorliegenden Expertengutachten geht hervor: Das tragische Unglück hätte vermieden werden können, wenn der Fahrdienstleiter, der die Schranke zu bedienen hatte, und der Dienstvorsteher ihren Dienstpflichten nachgekommen wären.

Beide haben in unverantwortlicher Weise verabsäumt, die ihnen bekannten Pflichten zur Aufrechterhaltung der Sicherheit bei Störungen an den Schrankenanlagen vorschriftsmäßig zu erfüllen. Gegen den Fahrdienstleiter und den Dienstvorsteher wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet und Haftbefehle erlassen. Ihre Aufgabe wäre es gewesen, schon bei der Feststellung der Störungen an den Schrankenanlagen am 4. Juli 1967 sofort für deren Beseitigung zu sorgen und die in solchen Fällen zusätzlich vorgesehenen Sicherungsmaßnahmen mit aller Konsequenz zu veranlassen.

Die Untersuchungen und Ermittlungen werden zügig fortgesetzt. Die Regierungskommission und das Ministerium für Verkehrswesen haben erste Maßnahmen eingeleitet, um aus dem Unglück Schlussfolgerungen für die weitere Erhöhung der Sicherheit zu ziehen.


Trauerfeier für Unglücksopfer am Dienstag

BERLIN (ADN). Wie von der Regierungskommission mitgeteilt wird, findet am Dienstag, dem 11. Juli 1967, 11 Uhr, in Magdeburg eine Trauerfeier zum ehrenden Gedenken an die Opfer des tragischen Verkehrsunglücks in Langenweddingen statt. Aus Anlass der Trauerfeier ordnet der Minister des Innern und Chef der Deutschen Volkspolizei an:

In der Deutschen Demokratischen Republik haben am Dienstag, dem 11. Juli 1967 die Gebäude der zentralen und örtlichen staatlichen Organe und Institutionen sowie die volkseigenen Betriebe halb-mast zu flaggen. Alle an diesem Tage stattfindenden öffentlichen Veranstaltungen sind der Trauer der Bevölkerung der DDR anzupassen.

Kondolenzschreiben bekunden tiefe Anteilnahme

BERLIN (ADN). Von großer Anteilnahme und Erschütterung über das tragische Verkehrsunglück bei Langenweddingen zeugen die zahlreichen Beileidsbekundungen, die beim Staatsrat und Ministerrat der DDR, seinen Organen und Institutionen aus dem In- und Ausland eintreffen.

Beileidstelegramme an Organe der DDR-Regierung richteten u. a. die Repräsentanten der KP und der Regierung Bulgariens, der Vorsitzende des Ministerrats Rumäniens, der Präsident Jugoslawiens, der Vorsitzende der Ungarischen Regierung, die Botschafter Bulgariens, Jugoslawiens, der Demokratischen Republik Vietnam. Kubas und Rumäniens in der DDR, der westdeutsche Verkehrsminister Georg Leber und der Präsident der Bundesbahn, Prof. Dr. Heinz Maria Öftering sowie der Generaldirektor der Dänischen Staatsbahn. P N. Skov.


In tiefer Trauer nahm unsere Republik Abschied von teuren Toten

aus "Freie Presse" vom 12. Juli 1967

Walter Ulbricht und Willi Stoph übermittelten telegrafisch Beileid

Zentralbild Koard 11.7.1967 Magdeburg: Abschied von den Opfern des Verkehrsunglückes bei Langenweddingen Die Bevölkerung der DDR nahm mit einer Trauerfeier auf dem Magdeburger Westfriedhof am 11.7.1967 von den Opfern des tragischen Verkehrsunglückes Abschied. Hinter den Angehörigen der NVA mit den Kränzen schritten die Mitglieder der Delegation des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR. In der ersten Reihe v.l.n.r.: Dr. Erwin Kramer, Max Sefrin, Alois Pisnik, Wolfgang Rauchfuß, Dr. Kurt Wünsche und Friedrich Dickel (halbverdeckt).

MAGDEBURG (ADN). Mit, einer Trauerfeier am Dienstagvormittag auf dem Magdeburger Westfriedhof nahm die Bevölkerung der DDR Abschied von den Opfern des tragischen Verkehrsunglücks in Langenweddingen. Neben den Angehörigen hatten sich Repräsentanten der Partei der Arbeiterklasse und der Regierung, der anderen Parteien des demokratischen Blocks, der gesellschaftlichen Organisationen und der örtlichen Staatsorgane sowie viele tausend Bürger der Elbestadt versammelt.

Dem Trauerzug vorangetragen wurden die Kränze des Vorsitzenden des Staatsrates, des Zentralkomitees der SED, des Ministerrats der Volkskammer, des Nationalrates der Nationalen Front, der SED-Bezirksleitung Magdeburg und des Rates des Bezirkes Magdeburg.

Der Delegation des Zentralkomitees der SED und des Ministerrates der DDR, die an den Trauerfeierlichkeiten teilnahm, gehörten an: die Mitglieder des ZK der SED Wolfgang Rauchfuß, Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates, Friedrich Dickel, Minister des Innern und Vor-sitzender der Regierungskommission, Dr. Erwin Kramer, Minister für Verkehrswesen, Alois Pisnik, 1. Sekretär der Bezirksleitung Magdeburg der SED, der Kandidat des ZK der SED, Wolfgang Junker, Minister für Bauwesen, die Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates Max Sefrin und Dr. Kurt Wünsche. Minister Hans Reichelt, die stellvertretenden Minister Prof. Dr. Ludwig Mecklinger und Elfriede Wagner sowie der Vorsitzende des Rates des Bezirkes Magdeburg, Kurt Ranke. An der Trauerfeier nahmen ferner Delegationen des Zentralrates der FDJ und des Bundesvorstandes des FDGB sowie hohe Offiziere sowjetischer Streitkräfte teil.

Zentralbild Koard 11.7.1967 Magdeburg: Abschied von den Opfern des tragischen Verkehrsunglückes bei Langenweddingen Schwarzumflorte Fahnen senkten sich auf dem Magdeburger Westfriedhof während der ergreifenden Trauerfeier am 11.7.1967 vor den Särgen der auf so schreckliche Weise ums Leben gekommenen Menschen.

Die letzte Ruhestätte der Opfer des tragischen Verkehrsunglücks von Langenweddingen liegt im Herzen des parkartiger Magdeburger Friedhofs, umrahmt von Trauerweiden, Tannen und Lebensbäumen.

Die Trauerfeier wurde mit der Sinfonie Nr. 3 Es-Dur Eroica von Beethoven eingeleitet. Zur gleichen Zeit tönten gedämpft die Sirenen der Magdeburger Betriebe herüber, davon kündend, dass in dieser Minute des Gedenkens die Großstadt ihren Atem verhielt. Der Verkehr ruhte.

In den Werkhallen standen die Maschinen still, die Einwohner, wandten schmerzerfüllt ihre Herzen der Stätte der Trauer zu. Die Traueransprache hielt der Minister des Innern, Friedrich Dickel. Nachdem Minister Dickel seine Traueransprache beendet hatte, schritt er die Reihe der Särge ab verneigte sich vor den Toten und ihren Angehörigen in einer Minute schweigenden Gedenkens.

Nach den Klängen der Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik zog eine Fahnenabordnung der Nationalen Volksarmee vor den Särgen auf. Die schwarzumflorten Fahnen senkten sich. Die Repräsentanten der Republik mit Minister Dickel an der Spitze, defilierten gemessenen Schrittes an den blumengeschmückten Särgen vorbei, verhielten in der Mitte dieser Reihe und grüßten gesenkten Hauptes zum letzten Mal die Opfer des tragischen Unglücks.

BERLIN (ADN). Der Erste Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzende des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Walter Ulbricht, übermittelte telegrafisch zugleich im Namen des Zentralkomitees der SED und des Staatsrates den Hinterbliebenen und den Angehörigen der Opfer des schweren Verkehrsunglücks in Langenweddingen die tiefempfundene Anteilnahme.

Auch der Vorsitzende des Ministerrates der DDR, Willi Stoph, hat den von dem schweren Unglück betroffenen Familien und allen Angehörigen der bei Langenweddingen tödlich Verunglückten im Namen des Ministerrates telegrafisch das aufrichtige Beileid übermittelt. Willi Stoph gibt in den Telegrammen der tiefen Erschütterung Ausdruck, mit der der Ministerrat die Nachricht von dem tragischen Unglücksfall aufgenommen hat.

MAGDEBURG (ADN). Trotz aller ärztlichen Mühen sind zwei weitere der beim Verkehrsunglück in Langenweddingen Schwerstverletzten im Krankenhaus verstorben. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer auf 83 erhöht.

Traueransprache des Ministers des Innern

Friedrich Dicke, Minister des Innern der DDR, hielt auf dem Magdeburger Westfriedhof folgende Traueransprache:

Verehrte trauernde Familienangehörige!

Werte Trauergäste!

In tiefer Trauer und schmerzerfüllt haben wir uns heute hier zusammen gefunden, um Abschied von der Opfern des tragischen Verkehrsunglücks am Eisenbahnübergang Langenweddingen zu nehmen.

Wir trauern um

Tief erschüttert stehen wir gesenkten Hauptes voller Gram an der Bahre der teuren Toten, die auf so tragische Weise und völlig unerwartet aus unserer Mitte gerissen wurden. Wir tragen gemeinsam mit Ihnen, den Hinterbliebenen, an dem unsagbar schweren Verlust, der sie betroffen hat, und versichern Sie unserer aus tiefstem Herzen kommenden Anteilnahme. Es erfüllt uns mit besonders großem Schmerz, dass sich unter den Opfern des Unglücks so viele Kinder befinden.

Wie viele Hoffnungen und Erwartungen verbanden sich mit dem jungen Leben. Voller Lebensfreude fuhren sie [n die Ferien, um Kraft für das neue Schuljahr zu schöpfen. Der Tod hat diesem aufblühenden Leben ein so jähes und grausames Ende gesetzt. in tiefer Ergriffenheit nehmen nicht nur die Eltern, Geschwister und Verwandte, sondern auch die Mitschüler von ihren Schulgefährten und Freunden Abschied. Sie werden ihnen ein bleibendes Gedenken bewahren.

Ich habe die schmerzliche Pflicht, Ihnen, den Familienangehörigen1 im Namen des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und seines Ersten Sekretärs und Vorsitzenden des Staatsrates, Genossen Walter Ulbricht, sowie des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik und seines Vorsitzenden, Genossen Willi Stoph, das tiefempfundene Beileid und die aufrichtige Anteilnahme auszusprechen. Die tiefe Anteilnahme aller Bürger der Deutschen Demo-kratischen Republik, die seit Bekanntwerden des tragischen Verkehrsunglücks sich in so vielfältiger Weise offenbart, gibt Ihnen die Gewissheit, dass mit Ihnen all unsere Menschen fühlen und empfinden. Angesichts des großen menschlichen Leides, des Grams und des Schmerzes verneigen wir uns tiefbewegt vor Ihnen.

Aus vielen Beileidsbezeugungen zentraler und örtlicher Partei- und Staatsorgane sowie gesellschaftlicher Organisationen, Institutionen und Einrichtungen, von Bürgern der verschiedensten Schichten der Bevölkerung spricht echtes Mitgefühl und die Bereitschaft, das große Leid mit Ihnen gemeinsam tragen zu wollen. Auch hierin äußert sich die Größe und der Humanismus unserer sozialistischen Menschengemeinschaft, die Sie in ihrer Trauer um Ihre lieben Angehörigen nicht allein lässt. In dieser schweren Stunde vermögen Worte nicht das auszudrücken, was uns bewegt. Worte können nur wenig über das Leid und den Schmerz, über den unsagbaren schweren Verlust, der Sie be-troffen hat, hinweghelfen. In den für Sie so schicksalsschweren Tagen haben Sie die tätige Anteilnahme und Fürsorge unseres sozialistischen Staates verspürt. Mögen Sie versichert sein, dass auch weiterhin alles menschenmögliche getan wird, um zu helfen, Ihr Leid und ihren Schmerz zu lindern.

In diesem Sinne ist die heutige Trauer, ist das Setzen der Fahnen auf Halbmast Ausdruck des innigen Mitgefühls der gesamten Bevölkerung unserer Republik. Wir erweisen heute unseren teuren Toten den letzten Gruß. Die in allen betroffenen Familien so grausam gerissene Lücke ist nicht zu schließen. Erschüttert nehmen wir Abschied von den Kindern, den Geschwistern, den Männern und Frauen. Ich wende mich an euch, die ihr auf so tragische Weise und so unerwartet aus den Familien, aus den Kollektiven in Betrieben und Schulen, aus unserer Gemeinschaft herausgerissen wurdet. Habt Dank für die Liebe und das Glück, das ihr euren Eltern und Geschwistern entgegengebracht habt. Habt Dank für die Mühen und Sorgen, die ihr euch um eure Lieben gemacht habt. Habt Dank für euer Mitschaffen am Werk der sozialistischen Gemeinsamkeit. Wir werden eurer stets gedenken.

Liebe trauernde Familienangehörige!

Verehrte Trauergäste!

Das Verkehrsunglück von Langenweddingen gehört zu den tragischsten und an Opfern größten seiner Art in der Geschichte unseres Staates. Dank des selbstlosen Einsatzes von Mitreisenden, von Einwohnern aus Langenweddingen, Angehörigen der Deutschen Volkspolizei, der Feuerwehr, der Nationalen Volksarmee und Mitarbeitern der Deutschen Reichsbahn, konnte eine Ausweitung dieser entsetzlichen Katastrophe verhindert werden.

Die Bevölkerung des Bezirkes Magdeburg hat in diesen Tagen Bewundernswertes an Opferbereitschaft, Tatkraft und Hilfsbereitschaft gezeigt.

Um so schmerzlicher ist es, dass dennoch so viele Opfer zu beklagen sind. Noch immer ist es uns unfassbar, dass ein Unglück mit solch einem Ausmaß über uns gekommen ist. Dank sei allen denjenigen gesagt, die durch allergrößte Anstrengungen, hohes Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein in unermüdlichem Einsatz, zum Teil unter Lebensgefahr, alles taten, um die Verunglückten aus den brennenden Trümmern zu bergen und so hohe menschliche Qualitäten bewiesen.

Besondere Anerkennung verdient die hohe Einsatzbereitschaft unserer Ärzte, Schwestern, Pfleger und vieler Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes, die Tag und Nacht Hervorragendes leisteten und leisten, um den Verletzten zu helfen.

Dank gilt der Bezirksleitung der SED, den staatlichen Organen und gesellschaftlichen Organisationen des Bezirkes sowie der Bezirkskatastrophenkommission, deren umsichtige und verantwortungsvolle Tätigkeit bestimmend dafür war, dass eine schnelle und wirksame Hilfe geleistet werden konnte.
Wir sind zutiefst beeindruckt von den Frauen, Männern und Jugendlichen, den vielen Helfern und Betreuern, von allen, die in diesen Tagen angesichts des tragischen Unglücks ihre menschliche Pflicht vorbildlich erfüllten.

Im Namen des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik danke ich allen Regierungen Organisationen und Persönlichkeiten sozialistischer und anderer Staaten, die ihre Anteilnahme ‚und ihr Beileid in Briefen und Telegrammen zum Ausdruck gebracht haben.

Verehrte Angehörige!

Ein schwerer Verlust, ein großes Unglück hat Sie betroffen. Es verdient unser aller Bewunderung, mit welcher Kraft Sie das unsagbare Leid ertragen Der Schmerz wird uns noch enger verbinden. Aus der Gemeinsamkeit erwächst die Kraft, die das Leid überwinden hilft.

Es liegt wohl auch im Sinne der teuren Toten, dass wir, wenn auch schmerzgebeugt, den Blick vorwärts richten und uns dem Leben zuwenden.

Möge Ihnen, liebe trauernde Hinterbliebenen, unsere Gemeinsamkeit, unsere aus tiefstem Herzen kommende Anteilnahme und Fürsorge in diesen für Sie so schweren Stunden Trost, Kraft und Zuversicht verleihen.

Weiterführende Links


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© infos-sachsen / letzte Änderung: - 29.12.2018 - 13:03