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Doppel-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth: "Ich lasse mich nicht von einem Dreckschwein ehren"

Ulrike Nasse-Meyfarth (69) bei der Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf im November des vergangenen Jahres
Foto: picture alliance/SvenSimon

01.05.2026 - 19:00 Uhr

Sie war die (bundes)deutsche Sensation bei den Olympischen Spielen 1972 in München. Die 16-jährige Schülerin Ulrike Meyfarth aus Wesseling bei Köln gewinnt Gold im Hochsprung. Und wiederholt ihren Olympiasieg 1984 in Los Angeles. Am Montag wird Ulrike Nasse-Meyfarth 70 Jahre. Im Geburtstags-Interview mit WELT AM SONNTAG teilt sie aus. Die Ex-Leichtathletin aus dem Westen Deutschlands setzt sich für ihre früheren Konkurrentinnen aus dem Osten ein.

Ulrike Nasse-Meyfarth holte bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles ihre 2. Goldmedaille im Hochsprung
Foto: picture alliance/ASSOCIATED PRESS

Was sie "auf die Palme" bringt, sagt Nasse-Meyfarth: "Ich finde es unsäglich, wie wenig Respekt ostdeutschen Olympiasiegern, Weltmeistern und sonst erfolgreichen Athleten von den Westdeutschen entgegengebracht wurde und wird. Die hierzulande auf den Sport in Westdeutschland fokussierte Erinnerungskultur macht mich sauer."

Nasse-Meyfarth: "Bekam einen Drohanruf vom Generalsekretär des Weltverbandes"

Sie kritisiert das Verhalten der bundesdeutschen Behörden und der Sportverbände nach der Wiedervereinigung 1990: "Es war auch kurzsichtig und überheblich vom Westen, im Zuge der Wiedervereinigung nicht das in der DDR praktizierte Talentsichtungs-, Auswahl- und Fördersystem übernommen zu haben. Es war die Basis für den Erfolg, nicht das Doping. Hätte der Sport im wiedervereinigten Deutschland sich an diesem System orientiert, stünde er nicht so desolat da wie seit Jahren." Den ehemaligen Boss des Weltleichtathletikverbandes (IAAF), Lamine Diack (†88), nennt Nasse-Meyfarth im WAMS-Interview ein "Dreckschwein".

Lamine Diack war von 1999 bis 2015 Präsident des Leichtathletikweltverbandes International Association of Athletics Federations (IAAF)
Foto: picture alliance/Gladys Chai von der Laage

Als 16-Jährige gewann Nasse-Meyfarth mit dem damaligen Olympischen Rekord von 1,92 Metern Gold in München 1972
Foto: picture alliance/ASSOCIATED PRESS

2015 sollte sie in die "Hall of Fame" (Ruhmeshalle) der IAAF aufgenommen werden, als der Skandal um den damaligen Präsidenten Lamine Diack bekannt wurde. Der Senegalese hatte Doping von Leichtathleten vertuscht und sich dafür viel Geld bezahlen lassen. Nasse-Meyfarth: "Von solch einem - mit Verlaub - Dreckschwein wollte ich mich nicht ehren lassen. Die gebuchten Flüge nach Monaco und das Hotelzimmer wurden wieder storniert. In den Tagen danach bekam ich tatsächlich noch einen Drohanruf vom Generalsekretär des Weltverbandes. Das war echt crazy. Seitdem gab es keine Anfrage mehr."

Die deutsche Bewerbung um Sommerspiele unterstützt sie, nicht aber das Verfahren ("Grober Unsinn"). Aus den vier Kandidaten München, Köln/NRW, Berlin und Hamburg wählt der Deutsche Olympische Sportbund einen Sieger aus.

Nasse-Meyfarth: "So wird es am 26. September vier Verlierer geben. Drei Städte, die für den Bewerbungswettlauf sehr viel Geld verbrannt haben, das an anderer Stelle insbesondere der Sportinfrastruktur fehlt. Und den DOSB, über dessen Wahl in jedem Fall das Füllhorn der Kritik ausgegossen werden."

Ein kleines Geheimnis verrät sie auch: Ehemann Roland Nasse nennt sie "Dickie", obwohl sie nach wie vor gertenschlank ist.


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© infos-sachsen / letzte Änderung: - 26.07.2026 - 15:57