Namenstag
Engelbert, Ezechiel, Gabriela, Hulda, Magdalena,
Kalenderblatt
2014 - BGH-Urteil: Schwarzarbeiter haben keinen Anspruch auf Bezahlung.
2003 - Aus "KostengrĂŒnden" beschlieĂen British Airways und Air France nach 27 Jahren transatlantischer ĂberschallflĂŒge die Concorde bis zum 1. November aus dem Verkehr zu ziehen.
2001 - Das niederlÀndische Parlament legalisiert als erster Staat die aktive Sterbehilfe.
1991 - In Eisenach (ThĂŒringen) lĂ€uft der letzte "Wartburg" vom Band. Er wurde seit 1956 produziert.
1983 - Ein Transitreisender aus der Bundesrepublik Deutschland stirbt wĂ€hrend der Vernehmung durch DDR-Sicherheitsorgane an Herzversagen. Der Todesfall fĂŒhrt zu einer erheblichen Belastung der Beziehungen zwischen Bonn und Ostberlin.
1972 - In Moskau, Washington und London wird die internationale Konvention ĂŒber das Verbot biologischer Waffen unterzeichnet. Sie tritt 1975 in Kraft. Die Bundesrepublik ist seit 1983 Vertragspartner.
1963 - Das amerikanische Atom-U-Boot «Thresher» versinkt im Westatlantik. Alle 129 Mann an Bord kommen ums Leben.
1949 - Das Besatzungsstatut fĂŒr Deutschland wird von den drei Westalliierten in Washington beschlossen und dem Parlamentarischen Rat in Deutschland ĂŒbermittelt. Die damit verbundenen Alliierten Vorbehaltsrechte bestehen noch bis zur Wiedervereinigung Deutschlands 1990.
1948 - In NĂŒrnberg werden im sogenannten Einsatzgruppenprozess 14 ehemalige SS-FĂŒhrer zum Tode verurteilt.
1941 - Unmittelbar nach Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Zagreb wÀhrend des Balkanfeldzugs ruft die faschistische Ustascha unter Oberst Slavko Kvaternik einen UnabhÀngigen Staat Kroatien aus.
1938 - Bei der Volksabstimmung ĂŒber den bereits vollzogenen «Anschluss» Ăsterreichs an das Deutsche Reich stimmen 99,73 Prozent mit Ja.
1933 - Ein von den Nationalsozialisten erlassenes Reichsgesetz deklariert den erneut eingefĂŒhrten Maifeiertag in Deutschland zum Feiertag der nationalen Arbeit.
1932 - Im zweiten Wahlgang der ReichsprĂ€sidentenwahl erhĂ€lt Amtsinhaber Paul von Hindenburg die absolute Mehrheit und wird damit als ReichsprĂ€sident wiedergewĂ€hlt. Adolf Hitler erhĂ€lt ĂŒber ein Drittel, der kommunistische Kandidat Ernst ThĂ€lmann rund 10 Prozent der abgegebenen Stimmen.
1922 - Der rumĂ€nische Physiologe Nicolae Paulescu erhĂ€lt vom rumĂ€nischen Ministerium fĂŒr Industrie und Handel das Patent fĂŒr die Gewinnung von Insulin. Mit seinem Verfahren ist ein Durchbruch in der Geschichte der Diabetologie gelungen.
1815 - Beim Ausbruch des Vulkans Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa sterben 10.000 Menschen. Er gilt als Ursache einer Klimakatastrophe im Folgejahr in Europa und Nordamerika, die als »Jahr ohne Sommer« in die Wettergeschichte eingeht. ErnteausfÀlle, Seuchen und Hungersnöte raffen Hunderttausende von Menschen dahin.
Anderer Blick der Woche
Von Eva Ladipo
Stand: 06.04.2026 07:38 Uhr Lesedauer: 7 Minuten
Auch Wahrheiten brauchen den richtigen Moment. Manchmal kommen sie genau zur rechten Zeit, passen zur vorherrschenden Meinung und werden gern gehört. Manchmal dagegen passen sie nicht. Dann werden sie mit Misstrauen behandelt, als ob hinter den erwiesenen Tatsachen schlechte Absicht steckt. Dann sind sie nicht willkommen, obwohl es sich um Wahrheit handelt.
So geht es derzeit meinem Buch ĂŒber MĂ€nner. Darin versuche ich zu erklĂ€ren, woher die wachsende mĂ€nnliche Wut kommt, die in der westlichen Welt um sich greift und das System gen Abgrund treibt.
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Mit keinem Wort wird darin bezweifelt, dass MĂ€nner sich oft schuldig machen und TĂ€ter sind. Diese Tatsache, die derzeit in aller Munde ist, bleibt unbestritten. Sie wird von den VorwĂŒrfen gegen Christian Ulmen, falls sie sich als richtig erweisen, genauso bestĂ€tigt wie von den EnthĂŒllungen ĂŒber Jeffrey Epstein und dem Prozess gegen GisĂšle Pelicots Peiniger. Auf Englisch kursiert dazu der Spruch "Not all men, but always men" - was in etwa bedeutet, dass zwar nicht alle MĂ€nner schuldig sind, dass es sich aber bei fast allen Schuldigen in MissbrauchsfĂ€llen um MĂ€nner handelt.
In dieser Hochkonjunktur der MĂ€nnerverdammung kommt nun eine andere Wahrheit denkbar ungelegen. Sie wirkt fehl am Platz, unangebracht und provokant. Doch das Ă€ndert weder etwas daran, dass sie stimmt, noch, dass es wichtig ist und fĂŒr den Zusammenhalt der Gesellschaft entscheidend, sie zu akzeptieren: MĂ€nner sind auch Opfer. Sie sind die groĂen Verlierer des 21. Jahrhunderts. Sie brauchen Hilfe, VerstĂ€ndnis und Anerkennung. Pauschale Verachtung dagegen macht alles nur noch schlimmer.
Von vielen Feministinnen wird diese Position als Verrat an der Sache empfunden. Aus dieser Sicht scheint es sich bei MĂ€nnern und Frauen um gegnerische Teams in einer Art Nullsummenspiel zu handeln, bei dem man sich fĂŒr eine Seite entscheiden muss, was automatisch zur Verachtung der anderen fĂŒhrt. Beide gleichzeitig unterstĂŒtzen geht nicht. Es ist, als ob sich die Geschlechter in einem Opferwettbewerb befinden. Als ob man der einen Gruppe schadet, wenn man der anderen Aufmerksamkeit schenkt.
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Ich finde das nicht nur falsch, sondern halte gerade dieses Schwarz-WeiĂ-Denken, bei dem es nur Entweder-oder geben kann, fĂŒr einen Verrat an der Sache, zumindest dann, wenn es sich bei der "Sache" um Gleichberechtigung und Gerechtigkeit handelt. SchlieĂlich besteht die Gesellschaft aus beiden Geschlechtern und kann nur gedeihen, wenn es beiden gut geht: MĂ€nnern und Frauen. Wenn das nicht der Fall ist, leiden die SchwĂ€chsten am meisten und das sind bekanntlich meist arme, bildungsferne, von MĂ€nnern abhĂ€ngige Frauen.
So gesehen ist Sorge um MĂ€nner eine feministische Pflicht. Der versuche ich nachzukommen, indem ich in "Not am Mann" der Frage nachgegangen bin, warum eine wachsende Zahl von MĂ€nnern - alte und junge, reiche und arme, gebildete und ungebildete - sich frustriert abwendet vom sogenannten Mainstream und autoritĂ€re Parteien unterstĂŒtzt. Ăberall in der westlichen Welt erstarkt der rechte Rand. Ăberall schrumpft die bĂŒrgerliche Mitte. Und ĂŒberall sind es mehrheitlich MĂ€nner, die den Rechtsextremen (oft gegen die eigenen wirtschaftlichen Interessen) ihre Stimme geben.
Also: Woher kommt die Wut, die immer mehr MĂ€nner verleitet, der liberalen Demokratie, die dem Westen eine beispiellose BlĂŒtezeit beschert hat, den RĂŒcken zu kehren?
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Letztes will nicht hören, dass der materielle Kern der Wut und der Verzweiflung vieler MĂ€nner in der zunehmend unertrĂ€glichen wirtschaftlichen Ungleichheit wurzelt. Schwindende ArbeitsplĂ€tze, unsichere Einkommen, steigende Wohnkosten und wachsende Inflation haben fĂŒr junge MĂ€nner viel dramatischere Folgen als fĂŒr junge Frauen. Das liegt einerseits daran, dass die Gesellschaft bis heute - aller weiblichen Emanzipation zum Trotz - von MĂ€nnern erwartet, die Rolle des ErnĂ€hrers zu ĂŒbernehmen. Ein Mann gilt als "Mann", wenn er mehr erwirtschaftet als er konsumiert und andere damit versorgen kann. FĂŒr viele junge MĂ€nner wird es jedoch immer schwerer, dem Beispiel ihrer VĂ€ter und GroĂvĂ€ter zu folgen, die in ihrem Alter lĂ€ngst die Mittel hatten, eine Familie zu grĂŒnden.
Gleichzeitig haben Frauen seit dem Zweiten Weltkrieg einen sagenhaften Lauf hingelegt. Ein vergleichbar rasanter Zugewinn an Einkommen, Macht und Einfluss ist in der Weltgeschichte schwer zu finden. Die beeindruckendsten Leistungen werden dabei von SchulmÀdchen erbracht, was bedeutet, dass das wahre Maà der weiblichen Eroberung der Welt erst in ein paar Jahren deutlich werden wird.
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Diese auseinanderklaffende Entwicklung fĂŒhrt dazu, dass eine zunehmende Zahl von MĂ€nnern den gestiegenen weiblichen AnsprĂŒchen nicht mehr gerecht wird. "Die Nachfrage nach mĂ€nnlichen Partnern ist aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der kulturellen Liberalisierung krass gefallen", warnt die britische Geschlechterforscherin Alice Evans.
Viele MĂ€nner sind dadurch das geworden, was die Forschung "double losers" nennt. Sie sind doppelte Verlierer, die weder Arbeit noch Partnerin finden. Die Zahl der abgehĂ€ngten MĂ€nner, die ungewollt kinderlos bleiben, wĂ€chst ĂŒberall im Westen. So haben etwa drei Viertel der Ă€rmsten fĂŒnf Prozent norwegischer MĂ€nner keine Kinder. Unter den reichsten fĂŒnf Prozent ist es nur jeder Zehnte. In Deutschland ist die Selbstmordrate von jungen MĂ€nnern mehr als viermal höher als die von jungen Frauen. Und in den USA hat sich die Zahl der "Deaths of Despair", die auf Drogen, Alkohol oder Freitod zurĂŒckzufĂŒhren sind, unter MĂ€nnern der Arbeiterschicht seit 1991 mehr als verdreifacht.
Gleichzeitig hat das linke Lager weitgehend das Interesse an MĂ€nnern verloren - das ist der Teil der Antwort, der die Progressiven auf die Palme bringt. In den sogenannten KulturkĂ€mpfen geht es nĂ€mlich nicht mehr um materielle, sondern um identitĂ€tspolitische Diskriminierung. Die Opfer, denen die Aufmerksamkeit gehört, sind gesellschaftliche Minderheiten. Gehört, gefördert und unterstĂŒtzt werden benachteiligte Gruppen wie Frauen, Schwarze, Schwule und Transsexuelle. WeiĂe, heterosexuelle MĂ€nner gehören nicht dazu.
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Der Schaden, den diese IdentitĂ€tspolitik anrichtet, und die Wut, die sie entfacht, sind schwer zu ĂŒberschĂ€tzen. Sich abrackernde, von der Globalisierung ĂŒberforderte, unter sinkenden Löhnen leidende MĂ€nner werden nicht nur weitgehend ignoriert vom Mainstream. Das allein wĂ€re folgenschwer genug. Doch darĂŒber hinaus sind sie im Verlauf weniger Jahre in den Augen linker Aktivisten von potenziellen Opfern wirtschaftlicher Ausbeutung zu potenziellen TĂ€tern mutiert. Der moderne Fokus im Kampf gegen Ungerechtigkeit bedeutet, dass ein groĂer Teil der mĂ€nnlichen Bevölkerung als im Zweifel frauenfeindlich, rassistisch, homophob, nicht umweltbewusst, nicht achtsam und ungeschliffen wahrgenommen wird.
Es ist also eine dreifache Herabwertung, die MĂ€nner in diesem Jahrtausend erfahren haben: wirtschaftlich, politisch und kulturell. Sie haben Wohlstand verloren, FĂŒrsprecher und Ansehen.
Doch auf diese Krise hinzuweisen und vor dem riesigen Reservoir mĂ€nnlicher Entfremdung zu warnen, ist im Moment sehr schwer. Dieser Teil der Wahrheit ist unbequem, weil er die Dinge verkompliziert und das Bild, das die Ăffentlichkeit von MĂ€nnern pflegt, durcheinanderbringt. Einfacher ist es, das Thema von den Missbrauchsskandalen beherrschen zu lassen und dem Druck nachzugeben, die eigene Unbedenklichkeit zu beweisen, indem man MĂ€nner generell denunziert und fĂŒr toxisch erklĂ€rt.
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GegenĂŒber Minderheiten wĂ€ren derart pauschale Verurteilungen unvorstellbar. Die amerikanische Autorin Christine Emba spricht von "einer feministischen Bewegung nach MeToo, die eine ziemlich lĂ€cherliche und unkritische Form von MĂ€nnerfeindlichkeit hervorgerufen hat. Seitdem gilt es als cool zu sagen: MĂ€nner sind MĂŒll, MĂ€nner sind ScheiĂe, wĂ€re die Welt nicht besser ohne MĂ€nner. Es ist, als ob man damit seine liberale Gesinnung beweist."
Der Kanon dieser DĂ€monisierung ist deshalb so gefĂ€hrlich, weil er den Teufelskreis weiterdreht und frustrierte MĂ€nner ĂŒber Klassengrenzen hinweg zu VerbĂŒndeten macht: Von Wahl zu Wahl entscheiden sich immer mehr fĂŒr die rechtsextremen Profiteure der Wut. Wenn, dann kann dieser Exodus aus der Mitte wahrscheinlich nur aufgehalten werden, wenn es gelingt, mehrere Wahrheiten anzuerkennen und mehrere Ungerechtigkeiten gleichzeitig zu bekĂ€mpfen.
Frauen haben sehr viel Unrecht erfahren und tun es bis heute. Missbrauch ist weit verbreitet und muss auch im Internet verboten und bestraft werden. Gleichzeitig ist genauso wahr, dass die meisten MĂ€nner keine TĂ€ter sind und seit mehreren Generationen gelernt haben, Frauen (nicht gleichberechtigt und beileibe nicht perfekt, aber) besser zu behandeln als ihre VorvĂ€ter. Und schlieĂlich stimmt auch, dass viele MĂ€nner straucheln und das GefĂŒhl haben, nicht gebraucht und nicht gewollt zu werden. Sie brauchen Hilfe. MitgefĂŒhl ist zwar bestimmt nicht die Reaktion, die sich die tobenden AnfĂŒhrer der Manosphere und des Rechtspopulismus wĂŒnschen. Aber vielleicht ist VerstĂ€ndnis gerade deshalb die Wunderwaffe gegen diese RattenfĂ€nger und das Mittel, entfremdete Jungs und MĂ€nner zurĂŒckzugewinnen.
Von der Autorin erschien jĂŒngst das Buch "Not am Mann. Die Erfindung toxischer MĂ€nnlichkeit" (Reclam).
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