Namenstag
Isaak, Jean, Paul,
Kalenderblatt
2006 - Die Ministerpräsidenten der Bundesländer beschließen die GEZ-Abgabe für Computer. Ab 2007 muss, wenn noch kein Radio oder Fernseher angemeldet ist, für einen Computer 5,52 Euro pro Monat bezahlt werden.
2004 - Nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes sind Urteile des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte für deutsche Gerichte nicht zwingend.
1995 - Der deutsche Astronaut Thomas Reiter unternimmt von der russischen Raumstation MIR als erster Deutscher einen Weltraumspaziergang.
1994 - Das Bundeskabinett beschließt eine Ausweitung der Hoheitsgewässer von bislang drei auf zwölf Seemeilen zum 1. Januar 1995. Hauptziel ist eine Stärkung des Umweltschutzes im deutschen Küstenbereich.
1987 - Am "Schwarzen Montag" an der New Yorker Börse fällt der Dow-Jones-Index um rund 23 %.
1969 - Zwei DDR-Bürger zwingen eine polnische Verkehrsmaschine zur Landung auf dem Flughafen Tegel in West-Berlin und bitten um Asyl.
1957 - Nach Anerkennung der DDR durch Jugoslawien bricht die Bundesrepublik die Beziehungen ab.
1956 - Der Kriegszustand zwischen Japan und der UdSSR wird offiziell beendet.
1951 - Der US-Kongress in Washington erklärt den Kriegszustand zwischen den USA und Deutschland für beendet.
1913 - Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) wird gegründet.
1878 - Der deutsche Reichstag verabschiedet das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie. Damit wird die von Bismarck zur Staatsdoktrin erhobene Sozialistenverfolgung legalisiert.
1813 - Die Völkerschlacht bei Leipzig, die 500.000 Soldaten das Leben kostet, ist beendet. Auf der einen Seite stehen Russland, Preußen, Österreich und Schweden, auf der anderen Seite Frankreich unter der Führung Napoleons.
1812 - Der französische Kaiser Napoleon verlässt Moskau. Es beginnt der fluchtartige Rückzug der Grande Armée aus Russland, der sich bis in den Dezember hinzieht.
1466 - Im Zweiten Thorner Frieden wird der Deutsche Orden zu Gebietsabtretungen an den König von Polen gezwungen.
439 - Die Vandalen erobern nach einem zehn Jahre währenden Kampf Karthago und beherrschen damit das westliche Mittelmeer.
29.07.2014 - Mathias Bröckers
Von Lord Arthur Ponsonby (1871-1946), einem britischen Politiker und Friedensaktivisten, stammt nicht nur das berühmte Diktum, dass das erste Opfer des Kriegs die Wahrheit ist - "When war is declared, truth is the first casualty". In seinem 1928 veröffentlichten Buch "Falsehood in Wartime" ("Lüge in Kriegszeiten") versuchte Ponsonby auch die Strukturelemente dieser Lügen und Fälschungen zu beschreiben, wie er sie am Beispiel des Ersten Weltkriegs beobachtet hatte:
- Wir wollen den Krieg nicht.
- Das gegnerische Lager trägt die Verantwortung.
- Der Führer des Gegners ist ein Teufel.
- Wir kämpfen für eine gute Sache.
- Der Gegner kämpft mit unerlaubten Waffen.
- Der Gegner begeht mit Absicht Grausamkeiten, wir nur versehentlich.
- Unsere Verluste sind gering, die des Gegners enorm.
- Künstler und Intellektuelle unterstützen unsere Sache.
- Unsere Mission ist heilig.
- Wer unsere Berichterstattung in Zweifel zieht, ist ein Verräter.
In ihrem Buch über "Die Prinzipien der Kriegspropaganda" (Präzisionsschläge sorgen für Kollateralschaden) hat die Historikerin Anne Morelli 2004 diese von Ponsonby definierten Prinzipien auf ihre Gültigkeit abgeklopft und vom Zweiten Weltkrieg bis zu den Kriegen in Jugoslawien und Irak zahlreiche Belege dafür gefunden:
Wir schenken heute Lügenmärchen genauso Glauben wie die Generationen vor uns. Das Märchen von kuwaitischen Babys, die von irakischen Soldaten aus ihren Brutkästen gerissen wurden, steht dem von belgischen Säuglingen, denen man angeblich die Hände abgehackt hat (dies wurden den deutschen Soldaten im Ersten Weltkrieg zugeschrieben), in nichts nach.
Ponsonbys Prinzipien scheinen tatsächlich so etwas wie die zehn Gebote der medialen Kriegsführung darzustellen - und sind auch in dem aktuellen Konflikt um die Ukraine Punkt für Punkt zu beobachten. "Wir", der Westen, USA/EU/NATO, wollen natürlich keinen Krieg, fordern aber von den Bürgern größere "Rüstungsanstrengungen" (Nato-Sprecher Rasmussen) und mehr "militärische Verantwortung" (Gauck) auf sich zu nehmen. Das gegnerische Lager ("Russen" und "Pro-Russen") zwingt uns dazu, denn ihrer Führer sind echte Teufel ("Putin") - die Titelseiten von "Newsweek" (Jetzt reicht es!) und "Spiegel" (SPIEGEL schließt Russland-Forum nach drei Stunden) in dieser Woche lassen keinen anderen Schluss zu. Wir dagegen kämpfen natürlich immer für die gute Sache: für "Mädchenschulen" in Afghanistan, für "Demokratie" im Irak, gegen einen irren "Diktator" in Libyen, den "Schlächter" Assad in Syrien und an der Seite der "Zivilgesellschaft" in der Ukraine. Für "Freiheit" und "Menschenrechte" betreiben wir "humanitäre Interventionen", die durch ihre "Präzisionsschläge" die unvermeidlichen "Kollateralschäden" so gering wie möglich halten.
Dass die Kriege in den genannten Regionen statt Recht und demokratischer Ordnung eine Schneise der Verwüstung geschaffen haben, ein entstaatlichtes Chaos, in dem Warlords, kriminelle Banden und radikale Milizen Regie führen, liegt nicht an uns, sondern am Gegner. Der kämpft mit unerlaubten Waffen ("Terrorismus", "Massenvernichtungswaffen") und begeht mit voller Absicht Grausamkeiten, was wir natürlich nie tun würden. Oder nur aus Versehen und den für uns in Syrien agierenden "Freiheitskämpfern" verbotenes Giftgas liefern, um seinen Einsatz dann Assad als Überschreiten einer "roten Linie" in die Schuhe zu schieben - wobei die Aufdeckung dieser "False Flag"-Operation (Seymour M. Hersh: "Whose sarin?, The Red Line and the Rat Line") dann aber keine Schlagzeilen mehr wert ist, weil: siehe Punkt 1 - 4.
Allenfalls eine Kurzmeldung ist dann auch die Aussage des Leiters des holländischen Forensik-Teams wert, der den Absturz des MH-17-Flugs in der Ukraine untersuchte und den mit der Bergung befassten "Separatisten" eine hervorragende Arbeit bescheinigte. Weltweit Schlagzeilen macht das Bild eines Helfers, der - "menschenverachtend", "brutal", "grausam" - an der Absturzstelle einen Plüschhasen in die Kamera hält. Echte Barbaren, diese "Pro-Russen", die zwar Ukrainer sind, aber in Form von "Pro-Russen" als untermenschlicher Feind identifiziert werden.
Dass der Gegner Russland enorme Verluste erleide und international "isoliert" sei, wird nahezu täglich auf den Wirtschaftsseiten vermeldet, wobei ausgeblendet bleibt, dass die Russen gerade für 400 Milliarden US-Dollar Gas nach China verkauft haben, mit den BRICS-Staaten eine Alternative zum IWF gründen und den Ausstieg aus dem Petro-Dollar beschlossen haben (BRICS-Staaten machen Weltbank und Währungsfonds Konkurrenz). Wer dann "isoliert" ist, wenn sich mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung der Finanzhegemonie der USA entzieht, wird sich erst noch weisen.
Was die Unterstützung durch Künstler und Intellektuelle betrifft, so beschränkt sich diese derzeit weitgehend auf Medienschaffende und Journalisten, die in Leitartikeln und Talkshows Stimmung machen. Von ihrer Verpflichtung zu objektiver Information haben sie sich weitgehend verabschiedet und präsentieren die Wirklichkeit als Schwarzweißfilm mit eindeutiger Rollenverteilung in Gute (USA, EU und Nato) und Böse (Putin und Russland) präsentieren. Zu diesem Zweck mutieren dann nicht nur Gerüchte zu Tatsachen, Vermutungen zu Ereignissen und Meinungen zur Wahrheit, sondern es werden auch unpassende Fakten verschwiegen und Interessen und Hintergründe der Akteure des Konflikts unterschlagen.
Das dröhnende Schweigen, mit dem USA/NATO/EU auf die Veröffentlichung von Radar- und Satellitendaten zum MH-17-Absturz durch den russischen Generalstab reagierte, spricht Bände - nicht nur in Bezug auf die Qualität der zuvor geäußerten wüsten Anschuldigung in Richtung Russland, sondern auch auf die Verkommenheit der westlichen Medien, die eine Aufklärung der Unglücksursache und eine Offenlegung der ukrainischen und amerikanischen Daten nicht einmal fordern. Geschweige denn, ihre Regierungen für diese Nicht-Aufklärung in irgendeiner Weise kritisieren. Stattdessen wird mit den oben zitierten Titelbildern die faktenfreie Propaganda um eine weitere Stufe eskaliert.
"Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie's lesen", notierte der Wiener Schriftsteller Karl Kraus, nachdem auf eine Falschmeldung der deutschen und österreichischen Presse über einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg Ende Juli 1914 unmittelbar die Kriegserklärung an Frankreich erfolgt war. Dieser fingierte Bericht war für ihn die Urlüge und das Paradebeispiel für die Manipulation der Massen in Kriegszeiten, die Kraus dazu führte, "den Journalismus und die intellektuelle Korruption, die von ihm ausgeht, mit ganzer Seelenkraft zu verabscheuen".
Wer derzeit die Medien unter Berücksichtigung der Strukturgesetze von Arthur Ponsonby beobachtet, kann sich diesem Abscheu nur anschließen.
Von Mathias Bröckers und Paul Schreyer erscheint am 1. September im Westend-Verlag: "Wir sind die Guten - Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren".
Quelle: Telepolis
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