Willkommen in Sachsen, am 21.04.2026
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21. April
Namenstag
Anselm, Konrad,

Kalenderblatt

Am 21. April - wird des 1720 von Papst Clemens Xl. zum Kirchenlehrer ernannten Erzbischofs Anseim von Canterbury gedacht, eines der bedeutendsten Theologen des Mittelalters. Er begründete im 11. Jhd. die Scholastik und den ontologischen Gottes­beweis: Gott existiere, weil man ihn denken könne.


2015 - Geschwindigkeitsrekord der Magnet­schwebebahn Maglev in Japan: 603km/h.


2010 - Mit einem drastischen Rabatt für Gaslieferungen und einem Militärabkommen vereinbaren Russland und die Ukraine einen Neustart in den lange gestörten Beziehungen.


2009 - Mit der Weltbibliothek startet die Unesco das bis dahin größte Projekt zur Archivierung von Kultur im Internet: www.wdl.org.


2000 - Das russische Parlament ratifiziert mit großer Mehrheit den internationalen Atomteststopp-Vertrag von 1996.


1993 - Das Bundeskabinett beschließt die Entsendung deutscher Soldaten nach Somalia zur Unterstützung von UN-Hilfstruppen.


1983 - Die Wartburg wird nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wiedereröffnet. Der Reformator Martin Luther übersetzte in den Jahren 1521/22 in der Wartburg die Bibel. Sie gilt als eine der schönsten erhaltenen frühmittelalterlichen Burgen.


1946 - In Berlin beginnt der zweitägige Vereinigungsparteitag, bei dem KPD unter Wilhelm Pieck und SPD unter Otto Grotewohl in der Sowjetischen Besatzungszone zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) zusammengeschlossen werden.


1945 - Das kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee im Zweiten Weltkrieg stehende KZ Sachsenhausen wird von der SS geräumt. 33.000 Häftlinge werden auf Todesmärsche Richtung Nordwesten geschickt.


1945 - Die Rote Armee dringt bei Malchow erstmals über die Stadtgrenze von Berlin vor. Mit dem Häuserkampf in der Schlacht um Berlin tritt der Zweite Weltkrieg an der deutschen Ostfront in seine Endphase.


1945 - Bei Bautzen eröffnet die deutsche Wehrmacht gegen die heranrückenden polni­schen und sowjetischen Armeen ihre letzte große Panzeroffensive im Zweiten Weltkrieg. Die Schlacht um Bautzen dauert bis zum 26. April.


1918 - Der deutsche Jagdflieger Manfred Freiherr von Richthofen («Der Rote Baron») wird über dem Schlachtfeld im französischen Vaux-sur-Somme abgeschossen.


1831 - Die Serienmörderin Gesche Gottfried wird in Bremen hingerichtet. Sie vergiftete 15 Menschen.


1813 - Preußen bestimmt im Landsturm-Edikt, dass alle Männer vom vollendeten 17. bis zum 60. Lebensjahr, sofern sie weder der Armee noch der Landwehr angehören, künftig einem Aufgebot zur Landesverteidigung Folge zu leisten haben.


753 v. Chr. - Der Legende nach gründen die Zwillinge Romulus und Remus auf 7 Hügeln am Tiber die Stadt Rom.


Handschlag von Torgau Sieben Soldaten und ein Bild für die Ewigkeit

Von Joachim Heinz und Markus Harmann

25.04.2025, 08.28 Uhr

Soldaten Kirschenbaum (2.v.r.) und Thau (4.v.l.): Nach dem Zufallsprinzip ausgewählt
Foto: AP

21. April 1945

Nahe Torgau an der Elbe treffen im zweiten Weltkrieg amerikanische und sowjetische Truppen das erste Mal auf deutschem Boden zusammen.

Vor 81 Jahren entstand das berühmte Foto von der Begegnung sowjetischer und US-amerikanischer Soldaten an der Elbe. Welche Rolle spielte der Handschlag in ihrem Leben? Eine Tochter und ein Sohn erinnern sich.

Es ist eines der berühmtesten Fotos des Zweiten Weltkriegs. Am Ende eines Krieges, in dem schätzungsweise 60 Millionen Menschen starben, kommen sieben Soldaten in der Stadt Torgau zusammen und lassen sich auf ein symbolträchtiges Motiv ein.

Am 25. April 1945 begegnen sich rund 60 Kilometer nordöstlich von Leipzig erstmals US-amerikanische und sowjetische Truppen. Tags darauf arrangieren Fotograf Allan Jackson und die Korrespondentin Ann Stringer den Handschlag an der Elbe. Für ein Foto reichen sich drei US-Soldaten und vier Soldaten der Roten Armee auf einer zerstörten Brücke die Hände.

Der Fotograf habe die Männer für sein Bild nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, sagt die Leiterin des Erinnerungsortes Torgau, Elisabeth Kohlhaas. "Allan Jackson hat zu den Soldaten, die er greifen konnte, gesagt: ›Stellt euch mal dahin und gebt euch die Hand‹." Keiner von ihnen war laut Kohlhaas an dem eigentlichen Erstkontakt beteiligt. Trotzdem geht die nachgestellte Szene um die Welt. Weil sie die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Kämpfe und die Sehnsucht nach Frieden transportiert, wie die Politikwissenschaftlerin erläutert.

Lesen Sie hier mehr über das Zustandekommen des Bildes

Wer aber waren diese Männer? Was mögen sie empfunden haben und welche Rolle spielte der "Handschlag an der Elbe" in ihrem Leben?

Die Klassenfeinde tauschen Abzeichen gegen Kaugummis

Antworten auf diese Fragen sind heute nicht mehr so leicht zu finden. Von den sieben Soldaten auf Jacksons Foto lassen sich demnach mindestens zwei namentlich zuordnen: Bernard Kirschenbaum und Chaim Thau. Ironie der Geschichte: Im Kernland der selbst ernannten arischen Herrenmenschen, die für den Mord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden verantwortlich sind, treffen sich zwei Söhne aus jüdischen Familien. Und um sich zu verständigen, greifen Sowjets und Amerikaner auf das Deutsche zurück - die Sprache des Feindes. US-Soldat Kirschenbaum ist der zweite Soldat von rechts, Rotarmist Thau der vierte von links.

East meets West an der Elbe
Foto: Bill Allen / AP

Treffen zwischen amerikanischen Soldaten und Rotarmisten: Wodka- und Cognacflaschen kreisen Foto: Photo12 / IMAGO

Verbrüderungsszene in der Nähe von Torgau Foto: Everett Collection / IMAGO

Die Stimmung scheint gelöst; auf einem Foto aus Jacksons Bilderserie haben Kirschenbaum und ein weiterer Kamerad eine Zigarette im Mundwinkel stecken. Das von den Deutschen menschenleer zurückgelassene Torgau füllt sich an jenem Frühlingstag schnell, wie Kohlhaas sagt. Immer wieder kommt es zu spontanen Verbrüderungsszenen zwischen amerikanischen und sowjetischen Soldaten. Die Klassenfeinde tauschen Abzeichen gegen Kaugummis. In den Straßen und Gassen klingt das Echo von Akkordeonspiel und Gesängen, Wodka- und Cognacflaschen kreisen.

Hinter diesen und anderen Verbrüderungen stand oftmals der später viel beschworene "Geist der Elbe" - der Wunsch, alles dafür zu tun, dass sich ein solcher Krieg niemals wiederholen würde.

Die Schrecken der Jahre zwischen 1939 und 1945 haben auch Bernard Kirschenbaum und Chaim Thau gezeichnet und sie bis an ihr Lebensende begleitet. US-Soldat Kirschenbaum kehrt nach dem Krieg in seine Heimat zurück; Rotarmist Thau wird später dorthin auswandern, nennt sich fortan Charles.

Jeff Thau: "Ein Wunder, dass ich hier sitze"

An einem Märzabend 2025 begegnen sich Bernard Kirschenbaums Tochter Sara und Chaim Thaus Sohn Jeff zum ersten Mal - in einer vom SPIEGEL initiierten Videokonferenz. Sara ist aus Portland im US-Bundesstaat Oregon zugeschaltet, Jeff meldet sich aus Dayton in Ohio. "Entschuldigung, wenn mir jetzt die Stimme bricht", sagt Jeff. "Aber für mich ist das immer noch wie ein Wunder, dass ich heute hier sitze."

Er selbst kommt zehn Jahre nach dem berühmten Handschlag an der Elbe zur Welt. Er könne deswegen nicht wissen, was für ein Mensch sein Vater als Teenager oder junger Erwachsener gewesen war. Doch dann beginnt Jeff zu erzählen. Im Schnelldurchlauf präsentiert er Puzzlestücke eines Lebens, die sich zu einem Bild zusammenfügen: Chaim Thau sah dem Tod schon früh ins Gesicht.

Chaim Thau (l.) mit Sohn und Schwiegertochter, um 1985 Foto: Privat

Geboren wird er am 7. Juli 1921 im damals polnischen Zab?otów. Der Ort am Fuß der Karpaten wird nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 den Sowjets zugeschlagen. "Mein Vater und die anderen Einwohner waren damals heilfroh", sagt Jeff Thau. "Weil sie die Hoffnung hatten, dass die Rote Armee sie vor Adolf Hitlers Truppen schützen würde." Doch das ändert sich mit dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion.

"Sein Leben wurde zur Hölle", sagt Jeff Thau. "Er musste miterleben, wie die Deutschen im Dezember 1941 seine Mutter und seinen Vater erschossen." Chaim Thau ergreift die Flucht und versteckt sich fast zwei Jahre lang in den Wäldern. Er beschafft Lebensmittel für Partisanen, Kleidung und Waffen - unter widrigsten Bedingungen. Die Winter 1941 und 1942 seien sehr hart gewesen, sagt Sohn Jeff.

Chaim Thau: In den USA nennt er sich Charles Foto: Privat

Chaim Thau überlebt nur mit Glück - nicht zuletzt dank seiner Sprachkenntnisse. Polnisch, Jiddisch, Hebräisch und Russisch beherrscht er - und Deutsch, quasi akzentfrei. "Das ging so weit, dass er, nachdem er von irgendwoher eine SS-Offiziersuniform beschafft und sich herausgeputzt hatte, in eine besetzte Stadt gehen konnte, um sich medizinisch behandeln zu lassen", berichtet Jeff. Später dann geht Chaim Thau zur Roten Armee: als Übersetzer und Kommandeur einer Panzerabwehrbatterie.

Sara Kirschenbaum: "Was zum Teufel ist das?"

Bernard Kirschenbaum kommt am 3. September 1924 in der Bronx in New York City zur Welt. Früh interessiert er sich für die Schönheit der Pflanzenwelt, schreibt sich an der Cornell University für ein Botanik-Studium ein, wie Tochter Sara berichtet. "Noch während seines Studiums beschloss er 1943 aus eigenen Stücken, sich für den Militärdienst zu melden." Aus dem Krieg wird Bernard Kirschenbaum ein Foto mitnehmen - aber nicht jenes, das Allan Jackson gemacht hat.

Auf dem Schwarz-Weiß-Abzug ist ein kleines, vielleicht zweijähriges Mädchen zu erkennen. Es liegt tot auf einer Bahre, das Gesicht mit Erde und Blut beschmiert, um die rechte Hand baumeln Reste eines Stricks. Sara Kirschenbaum findet die Aufnahme im Jahr 2006, als sie die Unterlagen ihres Vaters aufräumt. "Ich nahm das Foto in die Hand und ging ins Wohnzimmer, wo meine Eltern gerade fernsahen", erinnert sie sich. "Was zum Teufel ist das?", habe sie ihren Vater gefragt.

Kirschenbaum mit seiner Tochter Foto: Privat

"Das ist ein kleines Mädchen, das ich in Leipzig fotografiert habe", antwortet der Vater. Saras Mutter Susan mischt sich ein: "Oh, das kleine Mädchen. Dieses Foto hat er immer bei sich." Erst kurz vor seinem Tod im Jahr 2016 kann sich Sara Kirschenbaum ungefähr zusammenreimen, was es mit diesem Bild auf sich hat. Wenige Tage, bevor er nach Torgau kommt, hat ihr Vater mit der 69. US-Infanterie-Division an der Befreiung mehrerer Zwangsarbeitslager in Leipzig teilgenommen. Vermutlich hat er das Kind in einem der Lager entdeckt, wo es von den Deutschen erschossen worden war.

Sara Kirschenbaum ist sich sicher, dass ihr Vater auch im KZ-Außenlager Leipzig-Thekla war. Wenige Stunden vor dessen Befreiung hatte die SS die Insassen in eine Baracke gesperrt und diese in Brand gesteckt. 84 Männer starben, die meisten verbrannten bei lebendigem Leib. Das Massaker im Leipziger Stadtteil Abtnaundorf gilt als eines der schlimmsten Verbrechen in der Endphase des Kriegs. Ihr Vater habe nie verstanden, wie man den Holocaust habe leugnen können, sagt Sara. "All die Fotos (...) wir alle wissen, dass Menschen schreckliche Dinge tun können."

Bernard Kirschenbaum Foto: Privat

Es komme ihr vor, als sei ihr Vater Bernard immer auf der Flucht vor dem Krieg gewesen, sagt Sara Kirschenbaum. Nach dem Krieg habe er sich der Architektur zugewandt und versucht, die Welt auf diese Weise zu verschönern. "Er fühlte sich der Bauhaus-Bewegung sehr verbunden und war von ihr begeistert. Er wollte erschwingliches, elegantes Design einer großen Zahl von Menschen zugänglich machen."

1957 beginnt Kirschenbaum, den ersten geodätischen Kuppelbau für Wohnzwecke zu konstruieren. Ein früher Vorläufer: das von Walther Bauersfeld 1926 eröffnete Planetarium Jena der Carl-Zeiss-Werke. Um seine Rolle beim "Handschlag an der Elbe" macht Bernard Kirschenbaum zeitlebens kein großes Aufheben. Auch Chaim Thau redet bis zu seinem Tod nicht viel darüber. "Er hat es nie groß herumgezeigt", sagt Jeff Thau. Für seinen Vater sei das Bild lediglich eine Art Beweis für Hitlers Niederlage gewesen und ein Zeichen dafür, dass er selbst Krieg und Vernichtung überstanden habe.

Der "Geist der Elbe" soll weiterleben

Chaim Thau zieht Ende April 1945 von Torgau nach Berlin weiter, wird bei den erbitterten Kämpfen um die Hauptstadt durch einen Kieferschuss verwundet. Zurück bleiben Narben - äußere, vermutlich auch innere. Unmittelbar nach dem Krieg kehrt Chaim Thau in seinen Heimatort zurück und stellt fest, dass niemand aus seiner Familie mehr lebt. "Es gab also keinen Grund für ihn zu bleiben", sagt sein Sohn Jeff. Chaim Thau lebt einige Jahre in Österreich und wandert 1948 in die USA aus. In Milwaukee, Wisconsin, betreibt er bis zu seinem Tod 1995 eine Autowerkstatt.

Er bewundere seinen Vater für dessen mentale Stärke, sagt Jeff. Zugleich sei da immer ein Wissen um die Zerbrechlichkeit des Lebens gewesen, fügt er hinzu. Ein Ausspruch seines Vaters bleibe ihm in besonderer Erinnerung. "Jeff, sieh zu, dass du eine gute Ausbildung bekommst. Denn das ist das Einzige, was sie dir nicht wegnehmen können."

Persönlich begegnet sind sich Bernard Kirschenbaum und Chaim Thau nach dem Handschlag an der Elbe nie wieder. Anfang 2025 schickt Jeff Thau eine Mail an Sara Kirschenbaum. Er will mit ihr über das Foto von Jackson und ihre beiden Väter sprechen. Jeff treibt um, dass ein gewisser Delbert Philpott jahrelang behauptet hatte, jener zweite US-Soldat von rechts auf der historischen Aufnahme zu sein.

Entlarvt hatte Bernard Kirschenbaum den Hochstapler schon 1995, bei den Feiern zum 50. Jahrestag in Torgau, erzählt Tochter Sara. "Er fragte ihn: ››Aus welcher zerbombten Fabrik haben wir alle ein Souvenir bekommen, als wir uns die Hände geschüttelt haben?‹‹" Der Mann habe die Antwort nicht gewusst. "Natürlich waren es Mundharmonikas von Hohner!" In das Gästebuch trägt sich Bernard Kirschenbaum damals in Großbuchstaben ein: "I AM THE MIDDLE AMERICAN ON THE BRIDGE SHAKING HANDS WITH THE RUSSIAN SOLDIERS" - "Ich bin der mittlere Amerikaner auf der Brücke, der den russischen Soldaten die Hand schüttelt."

Heute blicken Sara und Jeff mit gemischten Gefühlen auf das Bild, das ihre verstorbenen Väter unsterblich gemacht hat. "Ich persönlich bin sehr besorgt über Anzeichen von Faschismus in unserem Land", sagt Sara. Grundsätzlich halte sie es für wichtig, gegen derartige Tendenzen auch in anderen Ländern Stellung zu beziehen. Jeff ist überzeugt: Der viel beschworene "Geist der Elbe" lebt weiter. Dass sich Menschen die Hände reichten, sei heute notwendiger denn je.


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