Namenstag
Kasimir, Rupert,
Kalenderblatt
2021 - Der Bundestag stellt wegen der Corona-Pandemie erneut eine »epidemische Lage von nationaler Tragweite« fest. Dies gibt der Regierung besondere Befugnisse, ohne Zustimmung des Parlaments Verordnungen zu erlassen.
2001 - 76 % der Schweizer sprechen sich in einer Volksabstimmung gegen einen EU-Beitritt ihres Landes aus.
1998 - Die Raumsonde «Galileo» hat Hinweise für Wasser und Wärme unter der eisigen Oberfläche des Jupitermonds Europa entdeckt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt veröffentlicht entsprechende neue Bilder der Raumsonde.
1970 - Das französische U-Boot «Eurydice» sinkt nach einer Explosion an Bord im Mittelmeer. Alle 57 Besatzungsmitglieder kommen ums Leben.
1966 - John Lennons Bemerkung, die Beatles seien inzwischen populärer als Jesus, führt in den USA zu einem Sturm der Entrüstung. Es folgen Plattenverbrennungen und Todesdrohungen, Radiosender bestreiken die Beatles. John Lennon muss sich entschuldigen.
1959 - Die UdSSR kündigt einen separaten Friedensvertrag mit der DDR an.
1959 - Das geplante Verkehrsflugzeug der DDR, die 152, stürzt auf einem Testflug bei Dresden ab / 1961 wird das Projekt eingestellt.
1936 - Das Luftschiff "Hindenburg" startet in Friedrichshafen zum ersten Flug.
1933 - Franklin D. Roosevelt wird als 32. Präsident der USA vereidigt. Er wird drei Mal wiedergewählt.
1882 - Die erste elektrische Straßenbahn wurde in England in Betrieb genommen.
1877 - Erstaufführung des von Tschaikowsky komponierten Werks "Schwanensee" im Moskauer Bolschoi-Theater. Der Komponist hielt sich für den Misserfolg der Erstaufführung verantwortlich und hatte 12 Jahre lang kein weiteres Ballett-Werk mehr komponiert.
All das, um uns an Erfahrungen teilhaben zu lassen. Um uns zu ersparen, selbst solche Erfahrungen machen zu müssen. Damit wir uns an einen geflügelten Ausspruch erinnern, der heute mitunter so verschüttet scheint wie Chemnitz damals:
Inhaltsverzeichnis
- Bomben auf Chemnitz - die Fakten
- Wie Chemnitz 1945 in Schutt und Asche fiel
- Im Dezember fotografierten Aufklärer das Chemnitzer Stadtgebiet
- Verzweiflung symbolisieren die Tragödie der Zerstörung
- Der Douhetismus - die Militärstrategie der Westalliierten im Zweiten Weltkrieg
- Bilder zerbombter Städte
Bis zum Frühjahr 1944 blieb Chemnitz von Luftangriffen weitgehend verschont, weil die Stadt noch außerhalb der Reichweite der alliierten Bomberverbände lag. Ab Mai 1944 setzten die Tages-Präzisionsangriffe der 8. US-Luftflotte ein, die den Stätten der Rüstungsproduktion galten. Sie beruhten allerdings auf unzulänglichen und veralteten Informationen über die kriegswichtigen Betriebe und waren insgesamt nicht sehr wirkungsvoll; der Rüstungsausstoß wuchs in Chemnitz weiter bis Anfang 1945.
Um die Großoffensive der Roten Armee zu unterstützen, wurden am 26. Januar 1945 die britischen Bomberverbände angewiesen, massive Angriffe gegen die noch weitgehend funktionsfähigen Ballungszentren Mitteldeutschlands zu fliegen. Bei diesen nächtlichen Flächenangriffen der Royal Air Force sollten vor allem die Stadtzentren getroffen und so die Moral der Bevölkerung gebrochen werden.
Foto: Stadtarchiv Chemnitz
Foto: Igor Pastierovic
Mit rund 700 Bombern startete die britische Luftwaffe zum großen Doppelschlag gegen die beiden letzten intakten Großstädte des Deutschen Reichs: nach Dresden am 13./14. Februar und nach Chemnitz in der folgenden Nacht. Die Attacke auf Chemnitz misslang weitgehend; unsere Stadt (Codename "Blackfin") blieb daher weit oben auf der Prioritätenliste.
Der nächste Generalangriff auf die Chemnitzer Innenstadt war für den 4. März geplant, musste aber wetterbedingt auf den 5. März verschoben werden. Die Hauptangriffswelle wurde von 683 Flugzeugen der Typen Lancaster und Halifax geflogen; zwischen 21:37 Uhr und 22:08 Uhr warfen sie zielgenau zunächst 413 Luftminen mit rund 800 t ab und dann 859 t Brandbomben und schließlich 1112 t Sprengbomben. Die Chemnitzer Innenstadt ging in einem Flammeninferno unter.
Die Innenstadt hat es am härtesten getroffen: Sie wurde zu 80 % vernichtet. Im gesamten Stadtgebiet wurden völlig zerstört:
- 167 Fabriken; allerdings nur 17 der 50 Fabriken mit höchster Angriffspriorität
- 84 (von 400) öffentliche Gebäuden
- rund 27.000 Wohnungen (= ein Viertel aller Wohnungen)
von Karlheinz Reimann,
geschrieben im Februar 2007, zuletzt aktualisiert im Januar 2018
Nach Recherchen von Uwe Fiedler in britischen Militärarchiven taucht Chemnitz erstmals im September 1941 auf einer Liste von 43 deutschen Großstädten auf, die als Ziele für schwere Luftangriffen vorgesehen sind. Bereits im Oktober und November 1941 fotografierten britische Flugzeuge aus 10.000 Metern Höhe das Stadtgebiet zur weiteren Luftaufklärung und Angriffsplanung.
Chemnitz, das "Sächsische Manchester", erschien wegen der hohen Bevölkerungsdichte, der konzentrierten Hochbauzonen im Stadtzentrum und der engen Verflechtung von Fabriken und Wohnungen der Arbeiter als attraktives Ziel für schwere Bombenangriffe. Die militärische Strategie der westlichen Alliierten im Zweiten Weltkrieg hatte im Verlauf des Krieges immer mehr zum Ziel, nicht nur Industrie- und Verkehrsobjekte wegen ihrer militärischen Bedeutung im Hinterland des Feindes zu zerstören, sondern auch die dazu erforderlichen Arbeits- und Verwaltungskräfte zu eliminieren oder durch Zerstörung ihrer Wohnstätten (dehousing) und Demoralisierung ihre Einsatzfähigkeit auszuschalten.
(Bild: Uwe Fiedler Schlossbergmuseum Chemnitz, mit freundlicher Genehmigung von Uwe Fiedler für die "Chemnitzer Geschichten")
In der Nacht zum 17. August 1940 warf ein verirrter Flieger erstmals Bomben auf Chemnitzer Stadtgebiet. Wie Uwe Fiedler berichtet, gingen in der Südvorstadt ein paar Fensterscheiben kaputt, Äpfel fielen von den Bäumen und eine Gartenlaube wurde zerstört. Der "Chemnitzer Anzeiger" brachte über diese erste Feindberührung wenige Zeilen auf der letzten Seite. Den Hauptplatz auf der ersten Seite nahmen riesige Schlagzeilen ein wie: "Ganz Birmingham ein Flammenmeer", "Deutsche Flieger Tag und Nacht über London" oder "Coventry ausgelöscht". So begann der Bombenkrieg zunächst siegreich für Chemnitz und es folgten von Fliegern weitgehend unbehelligte Kriegsjahre.
Chemnitz - das "Sächsische Manchester" - stand zwar wegen seiner Größe und seines Industriepotentials, über das die feindliche Aufklärung aus Büchern, Reiseprospekten, Werbeschriften und Zeitungsannoncen von Firmen vieles erfahren konnte, bereits ab September 1941 als strategisches Ziel auf ihrer Liste, lag aber zunächst nicht in der Reichweite der alliierten Bomber. Erst mit der Truppeneinführung von schweren viermotorigen Bombern Stirling, Halifax und Lancaster bei der RAF (Royal Air Force) und den Fliegenden Festungen B-17 und B-24 der USAAF (United States Army Air Force) geschützt durch begleitende Mustang-Jagdflieger konnten auch Ziele im Südosten Deutschlands erfolgversprechend angegriffen werden.
Am Mittag des 12. Mai 1944 (13:30 bis 14:35) wurde Rabenstein mit 8 Einschlägen von ersten Bomben getroffen. 850 Fliegende Festungen B-17 und Liberators der USAAF hatten das Hydrierwerk in Brüx - Herzstück der deutschen Treibstoffversorgung - völlig zerstört mit 750 Todesopfern in Brüx. Ein Flieger hatte auf dem Rückflug seine restliche Bombenlast als Gelegenheitsziel über Chemnitz abgeworfen. Nach Dr. Gert Richter (5) war es der 100. Fliegeralarm, den Johannes Meier in Chemnitz akribisch aufgezeichnet hat. Der Schaden an Gebäuden war relativ gering, aber ein sieben Monate alter Säugling wurde zum ersten durch Bomben "Gefallenen" von Chemnitz, wie Dr. Stephan Pfalzer berichtet.
Am Vormittag des 29. Juni 1944 (8:45 - 10:10) flog die 8. USAAF im Rahmen der Öloffensive zur Zerstörung der deutschen Hydrierwerke einen Angriff auf Leipzig/Böhlen. Wahrscheinlich warfen auf dem Rückflug 15 Superfestungen noch vorhandene Kampfmittel, die eigentlich für Limbach vorgesehen waren, über Chemnitz als Gelegenheitsziel ab. Beschädigt wurden Gebäude in Borna, Einschläge gab es im Küchwald und auf der Schlossteichinsel, getroffen wurden Häuser in der Matthesstrasse, Theunerstrasse und Kaßbergstrasse, aber auch wieder mehrere Häuser in Rabenstein.
(Bild: Stadtarchiv Chemnitz, mit freundlicher Genehmigung von Dr. Stephan Pfalzer für die "Chemnitzer Geschichten")
Vor meinen Kinderaugen habe ich noch das Haus Kaßbergstrasse 38: Es stand etwa dort, wo später der Pionierpalast, heute das "Kraftwerk", errichtet worden ist. Es war eine freistehende dreigeschossige Villa, deren vordere Hälfte durch eine große Sprengbombe bis auf die Kellerdecke abrasiert worden war. Drei Menschen waren hier zu Tode gekommen. Viele Chemnitzer zogen in den nächsten Tagen wie zu einem Wallfahrtsort mit Kind und Kegel dorthin, um die Sensation zu bestaunen.
Bei dem Anblick mag manchem Einwohner gedämmert haben, dass die gelegentlichen Luftschutzvorführungen auf der Planitzwiese, wo eine kleine Brandbombe von einem fünfmeterhohen Holzturm herabfiel und mit Feuerpatsche, Sandeimer und Applaus der umstehenden Menschenmenge schnell gelöscht wurde, im Ernstfall wenig hilfreich sein werden. Aber viele der Menschen waren auch in dieser Zeit durch die fanatische Propaganda der Nazis immer noch verblendet, haben von einem "Endsieg" geträumt, weil sie sich nach dem Kriegsende als Verlierer und der Zerschlagung der Nazi-Diktatur ein neues Leben nicht vorstellen konnten oder nicht vorzustellen wagten. Solche Überlegungen galten als "Wehrkraftzersetzung" und "Volksverrat", die mit Todesstrafe geahndet wurden.
Am Mittag des 11. September 1944 (11:30 - 13:25) erfolgte ein gezielter Angriff von 74 B-17 der USAAF begleitet von 20 Jagdflugzeugen Mustang auf die Wanderer-Werke und die Auto-Union in Siegmar. 450 Spreng- und viele Stabbrandbomben, zusammen 176 Tonnen Bomben wurden abgeworfen und setzten große Teile der Wanderer-Werke in Flammen. In der Auto-Union kamen 85 Personen, darunter 41 Fremdarbeiter, und weitere 21 Bewohner in der benachbarten Siedlung ums Leben. Der Himmel war bewölkt, aber gerade zum Bombenabwurf rissen die Wolken kurzzeitig auf. Dennoch hatte der Angriff nur eine begrenzte Wirkung. Die Bomber hatten einen Großteil der Kampfmittel über freiem Feld und der Wohnsiedlung abgeworfen. Nach einem Monat lief der Betrieb wieder weitgehend normal - und das, wie sich erst nach Kriegsende herausstellte - mit einer äußerst kriegswichtigen Produktion: Das Werk war der Alleinhersteller von Motoren für die Panzer Tiger und Leopard.
Bis Ende 1944 gab es in Chemnitz keine weiteren bemerkenswerten Angriffe. Die Alliierten waren auf die Zerstörung der Treibstoffproduktion und von Verkehrswegen im Reich zur Behinderung von Rüstungsnachschub und Truppenbewegungen konzentriert. Sie waren durch die Ardennenoffensive der Wehrmacht ab Mitte Dezember und verlustreiche Kämpfe bei Aachen gebunden sowie durch den Einsatz von V-Waffen und Strahltriebflugzeugen Me 262 der deutschen Luftwaffe über die sich bereits abzeichnende Agonie der Wehrmacht getäuscht.
(Bild: Stadtarchiv Chemnitz, mit freundlicher Genehmigung von Dr. Stephan Pfalzer für die "Chemnitzer Geschichten")
Am Mittag des 6. Februar 1945 (10:50 - ohne Entwarnung) warfen 459 Fliegende Festungen der USAAF über 3000 Sprengbomben und rund 600 Splitterbomben, insgesamt 1.132 Tonnen Bomben über Chemnitz ab, wobei besonders die Hilbersdorfer Bahnanlagen das Ziel waren, aber auch erhebliche Schäden in anderen Gebieten der Stadt angerichtet wurden. Die Bahnanlagen wurden dabei nur in geringem Ausmaß beschädigt.
Am 14. Februar 1945, einen Tag nach der verheerenden Zerstörung von Dresden, wurde Chemnitz am Mittag (11:45 - 13:55), am Abend (20:35 - 22:00) und um Mitternacht (23:55 - 1:20) schwer bombardiert.
Am Abend waren jeweils 640 Bomber der RAF und RCAF mit 2.080 Tonnen Bomben über Chemnitz. Offensichtlich war Chemnitz an diesem Tag das gleiche Inferno zugedacht, wie es sich in der Nacht zuvor in Dresden ereignet hatte. Das Bomber Command unter Arthur Harris hatte einen Doppelschlag für Dresden und Chemnitz vorgesehen. Aber durch verschiedene Umstände, vor allem sich verschlechternde Witterungsbedingungen mit einer Wolkendecke in etwa 3.000 Metern Höhe, durch eine verzögerte Ankunft der ersten Bomber über der Stadt, weshalb viele Leuchtmarkierungen der Pfadfinderflugzeuge bereits unter die Wolkendecke abgesunken waren, sowie durch eine starke Höhenströmung aus Nordwest, wodurch die Leuchtmarkierungen nach Südost abgetrieben wurden, ist das Stadtzentrum Chemnitz erheblich verfehlt worden.
(Bild: Stadtarchiv Chemnitz, mit freundlicher Gnehmigung von Dr. Stephan Pfalzer für die "Chemnitzer Geschichten")
Die angestrebte Zerstörungskraft und ein Feuersturm wie am Vortag in Dresden wurde hier nicht erreicht. Dafür sind Vororte im Süden von Chemnitz, neben Erfenschlag, Reichenhain, Einsiedel auch Altenhain schwer beschädigt worden. Die alliierte Wirkungsaufklärung konstatierte: Chemnitz war angeschlagen, aber noch nicht zugrunde gerichtet, was aus Sicht des Bomber Command die Vorbereitung weiterer Angriffe erforderlich machte.
Am 2. März 1945 (10:00 - 12:15) und 3. März 1945 (10:00 - 12:30) wurden jeweils am Vormittag Angriffe der USAAF auf Chemnitz geflogen. Zusammen 420 amerikanische Bomber warfen an diesen beiden Tagen fast 1.000 Tonnen Bomben ab mit erheblichen Schäden im gesamten Stadtgebiet. Zu einer besonderen Tragödie kam es am 2. März, als hinter dem Bahnhof Siegmar stadtwärts ein vollbesetzter Zug mit Flüchtlingen von mehren Sprengbomben getroffen wurde. Die Waggons wurden schwer beschädigt, einige stürzten vom Bahndamm herunter auf die Straße. 75 Tote, darunter 30 Kinder aus dem Zug, und 250 Verletzte waren zu beklagen.
Das Hauptziel, der Rangierbahnhof Hilbersdorf, wurde kaum getroffen, aber in der Innenstadt kam es zu erheblichen Schäden. Mehrere wichtige Industriebetriebe, darunter die weltbekannte und kriegswichtige Firma Reinecker AG, wurden dem Erdboden gleichgemacht. 540 Tote, darunter auch 39 Kinder, weil das Städtische Kinderheim auf der Bernsdorfer Straße 120 getroffen wurde, waren hier zu beklagen.
(Bild: Stadtarchiv Chemnitz, mit freundlicher Genehmigung von Dr. Stephan Pfalzer für die "Chemnitzer Geschichten")
Das Schlimmste aber stand Chemnitz noch bevor: Der Angriff am 5. März 1945. Bereits am Vormittag (9:45 - 12:10) flogen 230 amerikanische Superfestungen in zwei Wellen einen Tagesangriff und warfen 562 Tonnen Bomben ab. Es gab viele weitere Zerstörungen in der Stadt, aber das primary target, der Rangierbahnhof Hilbersdorf wurde wieder nicht getroffen.
Am Abend heulten um 20:30 Uhr die Sirenen. Eine erste Welle des Bombenabwurfs erfolgte von 20:37 Uhr bis 21:08 Uhr, eine zweite um 22:30 Uhr bis nach Mitternacht. Fast 700 britische und kanadische Halifax und Lancaster warfen ihre tödliche Last über der diesmal von den Pfadfinderflugzeugen durch "Christbäume" gut markierten Stadt ab. Etwa 400 Luftminen, über 1100 Tonnen Sprengbomben und 850 Tonnen Brandbomben fielen diesmal auf das Stadtzentrum von Chemnitz. Über 2.100 Todesopfer waren allein aus dieser Nacht zu beklagen. Von 117.000 Wohnungen waren 42.000 zerstört. 75% der bebauten Stadtfläche, 140 Kilometer Frontbebauung lagen nun in Schutt und Asche. Sechs Quadratkilometer bebaute Stadtfläche wurden fast vollkommen zerstört.
Der Feuersturm in Chemnitz war schlimm, aber er konnte sich auch dieses Mal nicht in dem Ausmaß entwickeln wie in Dresden, denn es war eine frostige Nacht und es hatte Neuschnee gegeben. Auch außerhalb der glühendrot erleuchteten Stadt Chemnitz war die Luft frühlingshaft lau und der Schnee überall mit Rußflocken und verkohltem Papier bedeckt. Viele Menschen, oft mit geschwärzten Gesichtern und Brandgeruch an den Kleidern, die in der Stadt alles verloren hatten und froh waren, noch am Leben zu sein, erreichten in der Morgendämmerung Ortschaften in der Umgebung, um für Tage oder Wochen eine Bleibe zu suchen. Zwei Tage nach dem Angriff waren die Brände noch immer nicht gelöscht. Die alliierte Luftaufklärung registrierte "Essen und Chemnitz als zwei weitere tote Städte".
Der letzte Bombenangriff auf Chemnitz erfolgte in der Nacht zum 11. April 1945 und traf die Gießereien der Firma Krautheim in Borna. 20 Flugzeuge der Engländer hatten nochmals 16 Tonnen Bomben abgeladen. Aber der Angriff wurde von den Chemnitzern meist nur noch mit Apathie wahrgenommen. Die Sensibilität der Menschen für ihre Tragödie war am 5. März mit den 2.100 Toten dieser einen Nacht mitgestorben.
(Bild: Karlheinz Reimann)
Bei den schweren Luftangriffen, die Amerikaner meist bei Tag sowie Briten und Kanadier meist am Abend bis in die Nacht, vom 12. Mai 1944 bis zum 12. April 1945 über Chemnitz flogen, vernichteten 7716 Tonnen Bomben Wohnhäuser, öffentliche Gebäude, Versorgungsanlagen, Betriebe und Verkehrseinrichtungen. Das Hab und Gut von mehr als hunderttausend Einwohnern ging verloren. Über 4.200 Menschen verloren bei den Luftangriffen auf Chemnitz ihr Leben. Auf fast sechs Quadratkiliomern wurden 80% der Innenstadt zerstört. Die Bauleistung der Stadt Chemnitz von 100 Jahren wurde in wenigen Stunden in Schutt und Asche gelegt.
Nach einer langen Friedensperiode von 70 Jahren seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges für uns in Deutschland ist das internationale Klima an vielen Brennpunkten der Welt wieder unsicher und unberechenbar geworden. In mehreren Ländern, besonders im Nahen Osten, der Ukraine und Afrika, toben erbitterte kriegerische Auseinandersetzungen, werden die Lebensgrundlagen der Menschen dort zerstört und Flüchtlingsströme von Millionen Migranten generiert.
Die größte Herausforderung an Staatsführungen und Zivilgesellschaften (wie 1989) - Frieden zu schaffen und zu erhalten - wird vielerorts nicht ernsthaft wahrgenommen.
(Bild: Schlossbergmuseum Chemnitz, mit freundlicher Genehmigung von Uwe Fiedler für die "Chemnitzer Geschichten")
Schon bald nach dem Ende des Ersten Weltkrieges begannen militärtheoretische Analysen zum Verlauf des Kriegsgeschehens. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum es an der Westfront in vier Jahren erbittertem Stellungskrieg mit bisher unvorstellbar großen Opfern an Menschen und Material nicht zu einer Entscheidung gekommen ist und mit welcher Strategie in künftigen Kriegen eine Niederlage des Gegners erzwungen werden kann. Als eine wesentliche Bedingung für die Standhaftigkeit der Front wurde erkannt, dass neben der ständigen Heranführung neuer Truppen eine leistungstarke Industrie im Hinterland des Gegners ununterbrochen Nachschub an Munition, Bewaffnung, Ausrüstung und Verpflegung bereitstellen konnte. Deshalb lag es nahe, künftig eine Entscheidung an der Front durch Ausschaltung des produzierenden Hinterlandes und die Untergrabung der Moral der arbeitenden Bevölkerung zu erreichen.
"Man stelle sich nur einmal vor, was in einer Großstadt vor sich geht, deren Zentrum im Umkreis von rund 250 Metern mit einer 20-Tonnen-Last von Luftzerstörungsmaterial verheert wird. Einschlag auf Einschlag! Brände, Explosionen, einstürzende Häuserfronten ... Das Leben dieser Stadt ist erstickt. Die großen Verkehrsadern, die sie durchziehen, sind gelähmt ... Und wenn am nächsten Tag weitere Siedlungsgebiete verwüstet werden, wer könnte dann die Bevölkerung noch abhalten, aus den Städten, welche das Ziel der feindlichen Angriffe sind, zu flüchten? Ein vollständiger Zerfall des Staatsapparates ist unvermeidlich, und der Augenblick nicht mehr fern, da die Bevölkerung ... schutzlos den Angriffen der feindlichen Luftflotten preisgegeben ... aus dem Selbsterhaltungstrieb die Einstellung des Kampfes um jeden Preis fordern wird ..."
Die präzise Analyse zum Verlauf des Ersten Weltkrieges in Douhets militärtheoretischem Werk führte bei Politikern und Militärs in vielen Industrieländern der Welt zu grundsätzlichen Überlegungen und einer neuen Militärstrategie künftiger Kriege - der Strategie des Douhetismus -
Als Arthur Harris im Februar 1942 Chef des Bomber Command wurde, suchte er die Theorie von Douhet und Trenchard in der Praxis zu beweisen. Mit der "Area Bombing Directive" (Direktive zum Flächenbombardement) wurde dieses Konzept weiter perfektioniert. Bereits zu Kriegsbeginn standen der englischen Luftwaffe über 5 Millionen Elektron-Thermit-Stabbrandbomben zur Verfügung. Eine Unterscheidung zwischen zivilen und kriegswichtigen Objekten war bei Flächenbombardements nicht möglich und im Sinne des Douhetismus auch nicht beabsichtigt.
Quellen: Auszüge aus Stadt Chemnitz Zeitzeugen | Bürgerverein für Chemnitz | Chemnitzer Geschichten
Quelle: NDR
Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PR
Quelle: picture-alliance / akg-images
Quelle: WDR
Quelle: bnn.de / dpa
Quelle: picture-alliance/ dpa
Quelle: Wikipedia/National Archives
Quelle: RAF/Archiv
Quelle: picture-alliance / dpa
Quelle: picture alliance / AP
Quelle: Stadtarchiv Gießen
Quelle: picture alliance / ASSOCIATED PR
Quelle: Archiv
Quelle: picture-alliance / Uwe Gerig
Quelle: picture-alliance/ dpa
14 Mal haben die Alliierten Plauen bombardiert. Die Bilanz: erschütternd.
Das Foto zeigt Ruinen. Schuttberge. Zerstörung. Nichts ist übrig von den prächtigen Gründerzeitbauten im Plauener Stadtzentrum.
Quelle: FP/ dpa
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