15.08.2026 - 18:16 Uhr
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Denn: Die neu aufgetauchten Nachrichten deuten auch auf einen engen Austausch mit Karl Lauterbach (63, SPD), der kurz darauf Gesundheitsminister wurde.
Am 25. Januar 2021 schrieb Fauci mit Rochelle Walensky, der damaligen Chefin der US-Gesundheitsbehörde, und dem späteren Chefarzt der Regierung, Vivek Murthy, über die Impfung von Schwangeren. Das Problem damals: Schwangere waren aus den ursprünglichen Impfstoffstudien weitgehend ausgeschlossen. Direkte Sicherheitsdaten waren deshalb noch begrenzt.
Fauci wies intern auf eine mögliche Komplikation hin: Nach der zweiten Impfdosis könnten Fieber und eine starke Immunreaktion auftreten. Eine solche Reaktion könne sich theoretisch auf die Möglichkeit einer Fehlgeburt im ersten Schwangerschaftsdrittel auswirken. Walensky bezeichnete den Einwand als wichtigen Punkt.
Brisant: Trotzdem sagte Fauci nur eine Woche später in einem Interview, dass es wahrscheinlich keine Risiken durch die Impfung für Schwangere gebe.
Hat Fauci also die Öffentlichkeit über die Gefahr der Impfung belogen?
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Fakt ist: Fauci hatte in dem internen Austausch ein theoretisches Risiko diskutiert. Damals fehlten belastbare Daten über Schwangere noch. In den Tagen zwischen dem internen Gespräch und Faucis Interview erschien dann eine Auswertung. Ergebnis: Die Daten ließen nicht darauf schließen, dass für die Frauen ein erhöhtes Risiko für zum Beispiel Fehlgeburten besteht.
Zum selben Zeitpunkt wurde die Frage auch in Deutschland diskutiert. Im Frühjahr 2021 war die deutsche Impfkommission Stiko bei Schwangeren zunächst zurückhaltend. Im September 2021 änderte sich die Empfehlung. Die Stiko sprach sich für eine Corona-Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel aus. Karl Lauterbach unterstützte die Entscheidung öffentlich. Seine Argumentation: Eine Corona-Infektion sei für Mutter und Kind gefährlicher als die Impfung. Bis Juli 2026 ruderte die Stiko bei der Impf-Empfehlung für Schwangere immer weiter zurück. Mittlerweile hat die Stiko die allgemeine Empfehlung zum Aufbau einer Corona-Basisimmunität für gesunde Erwachsene aufgehoben - ausdrücklich auch für gesunde Schwangere ohne besondere Risiken.
Besonders spannend ist Faucis eigenes Tagebuch. Am 30. Juni 2022 berichtet Fauci von einer Videokonferenz mit Karl Lauterbach, BioNTech-Chef Ugur Sahin und dem damaligen US-Corona-Koordinator Ashish Jha. Thema: die Impfstrategie für den Herbst.
Laut Fauci überzeugten er und Sahin Lauterbach von einem an die Omikron-Varianten BA.4/BA.5 angepassten Impfstoff. Nur drei Wochen später treffen sich Fauci und Lauterbach persönlich. Am 20. Juli 2022 schreibt Fauci, Lauterbach habe sich bei der Impfstrategie stark auf seinen Rat gestützt. Darin heißt es: "Karl erwähnte mir gegenüber, dass er und seine Kollegen sehr genau darauf hören, was ich sage." Im Dezember 2022 bezeichnete er Lauterbach sogar als "eine Art Freund". Lauterbach habe ihm zudem gesagt, Fauci sei "ein Rockstar in Deutschland".
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Stimmt das? Gegenüber BILD sagte Lauterbach dazu: "Dr. Fauci ist ein extrem angesehener Wissenschaftler, mit dem ich mich gelegentlich in der Pandemie, wie mit vielen anderen Experten, ausgetauscht habe." Für die Entscheidungsfindung habe aber der Corona-Expertenrat der Bundesregierung eine besondere Bedeutung für ihn gehabt, so Lauterbach. Die konkreten Fragen, ob und in welchen Fällen er den Rat Faucis eingeholt und als Minister umgesetzt habe, beantwortete Lauterbach nicht.
Deutsche Regierungsdokumente zeigen, dass Lauterbach bereits vor den Treffen mit Fauci an der deutschen Impfstrategie arbeitete. Anfang Juni 2022 sprach er öffentlich über verschiedene Impfstofftypen für den Herbst. Am 11. Juli 2022 - nur neun Tage vor seinem persönlichen Treffen mit Fauci - ist zudem ein Gespräch mit Moderna dokumentiert. Thema war unter anderem der bivalente Impfstoff für den Herbst. Deutschland beschäftigte sich also bereits mit angepassten Impfstoffen. Aber der enge Austausch bleibt auffällig.
Klar ist: Fauci und Lauterbach standen nachweislich in engem Kontakt. Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte Treffen der beiden und Gespräche über Corona und Impfungen.
Welche Informationen über mögliche Risiken der Impfungen wurden zwischen Washington und Berlin tatsächlich ausgetauscht? Fauci diskutierte im Januar 2021 intern ein theoretisches Fehlgeburtsrisiko. In den bislang veröffentlichten Fauci-Tagebüchern findet sich kein Beleg dafür, dass Fauci Lauterbach über seine damaligen internen Bedenken zur Schwangerschaftsimpfung informierte. Lauterbach antwortete auf eine entsprechende BILD-Anfrage: "Dass Fauci angeblich Bedenken zur Corona-Impfung bei Schwangeren gehabt hätte, wäre mir neu, darüber haben wir meines Wissens nie gesprochen."
BILD fragte auch Christian Drosten nach dessen Verhältnis zu Fauci während der Pandemie. Ein Charité-Sprecher erklärte knapp: "Prof. Drosten steht in keiner persönlichen Beziehung zu Anthony Fauci. Weder gab es jemals eine direkte, bilaterale Kommunikation, noch eine wissenschaftliche Zusammenarbeit oder persönliche Treffen."