Viele Ukrainer lehnen berufsfremde Arbeit ab

Von: Friedbert Holz

Stand: 05.05.2026, 08:00 Uhr

Das Jobcenter Aruso betreut 680 Ukraine-Flüchtlinge im Landkreis Erding. Die Motivation für berufsfremde Tätigkeiten ist gering geworden.

Leitet das Jobcenter Aruso in Erding: Monja Becker.
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Erding - "Flüchtlinge aus der Ukraine brauchen eine besonders intensive Betreuung." Dies ist eine der Erkenntnisse, die Monja Becker, Geschäftsführerin des Jobcenters Aruso in Erding, in der öffentlichen Beiratssitzung weitergab. Außerdem veröffentlichte sie neue Zahlen zu den Leistungsberechtigten im Landkreis und erklärte Details zur Grundsicherung, die ab 1. Juli gilt.

Momentan sieht das Jobcenter eine "generell etwas ruhigere Lage bei Flüchtlingen". Trotzdem kümmern sich die Mitarbeiter dort um rund 1620 Bedarfsgemeinschaften - ein Zuwachs von rund 100 Personen, um rund 2200 Leistungsberechtigte und 950 Langzeitleistungsberechtigte. Davon seien etwa 770 Personen nicht erwerbsfähig, so Becker. Das Nationenverhältnis teilt sich ihren Angaben zufolge auf in 41 Prozent Deutsche und 59 Prozent Ausländer. "Über die Hälfte aller Bedarfsgemeinschaften sind mittlerweile Singles", betonte Becker, "davon wiederum rund 22 Prozent Alleinerziehende, unsere derzeitige Fokus-Gruppe".

Statt Bürgergeld bald Grundsicherung

Ein besonderes Augenmerk liege auf Geflüchteten aus der Ukraine. "Sie sind mit rund 680 Personen die größte Einzelgruppe der Leistungsberechtigten bei den Ausländern, bisher beziehen sie Bürgergeld. Wenn vom 1. Juli an die neue Grundsicherung gilt, und diese Gruppe dann auch unter diese Regelung fällt, bringt uns diese Maßnahme etwas mehr Luft", erklärte die Aruso-Chefin. Die Motivation der Ukrainer, in Deutschland eine Arbeit aufzunehmen, sei zu Beginn des Krieges noch relativ hoch gewesen. Doch mittlerweile würden sich viele - selbst durch Sprachkurse - (noch) nicht genügend qualifiziert sehen, um in ihren angestammten Berufen arbeiten zu können.

Eine berufsfremde Arbeit, etwa im Handwerk auf Basis des deutschen dualen Systems, lehnten viele ab, selbst wenn ihre Qualifikation aus der Ukraine für ein Studium hier, wie angestrebt, oft nicht ausreiche. Dieser Missstand bedeute für viele Jobcenter-Mitarbeiter daher intensive Gespräche mit den Betroffenen, um sie für andere als die erlernten Berufsbilder zu motivieren.

Was die neue Grundsicherung angeht, sieht Becker trotz guter Finanzlage Hürden, die es noch zu überwinden gelte. "Nachdem jetzt Mitwirkungspflichten und Sanktionen gegen Verweigerer bis hin zum vollständigen Leistungsentzug verschärft werden, eine Karenzzeit bei zu hohen Heiz- oder Wohnkosten entfällt und eine neue Staffelung des Schonvermögens gilt, müssen wir als Agentur unsere Kunden vorrangig zu vermitteln versuchen, und zwar möglichst in Vollzeit", erklärte sie.

Frist für junge Mütter verkürzt

Auch habe Aruso nach der neuen Regelung dafür zu sorgen, "dass Mütter mit kleinen Kindern schon ab deren 14. Lebensmonat wieder arbeiten sollen, bisher galt eine Frist von zwei Jahren". Prekäre Wohnsituationen mit hohen Preisen im Münchner Umland sowie teils fehlende Kinderbetreuungsplätze würden die Umsetzung dieser Anforderungen aber erschweren.

Angesprochen auf besonders hartnäckige Verweigerer meinte Becker, dass diese bei dreimaligem Nichterscheinen maximal auf 100 Prozent Leistungsentzug gesetzt werden können. "Auch wenn ihr Anteil an der Gesamtgruppe bei uns nur drei Prozent ausmacht, trägt sie doch leider maßgeblich zur Stigmatisierung aller Leistungsempfänger bei. Daran wird wahrscheinlich auch der Namenswechsel vom Bürgergeld zur Grundsicherung kaum etwas ändern."


Quelle: Merkur