Studie von deutscher Top-Uni enthüllt schweren Fehler: Die Auto-Lüge der EU

Peter Tiede

30.08.2026 - 04:51 Uhr

Berlin - Die Technische Universität München (TUM) - globalen Rankings zufolge die beste Hochschule in der EU - stellt am Dienstag in der bayerischen Landeshauptstadt eine Studie mit dem etwas sperrigen Titel "Defossilisation statt Dekarbonisation" vor. Doch die Ergebnisse der Arbeit der Spitzenwissenschaftler haben es nach BILD-Informationen in sich, stellen sie doch eine schonungslose Abrechnung mit den Irrtümern der EU-Klimaschutzpolitik im Automotive-Bereich seit 2019 dar.

Abgase sind für die Klima-Bilanz eines Autos wichtig, aber nicht allein entscheidend Foto: Marjian Murat/dpa

TUM-Präsident Professor Thomas Hofmann, der die Studie initiiert hat, bilanziert in der Einladung zur Pressekonferenz am Dienstag: "Das jetzt vorliegende White Paper der TUM zeigt eine substanzielle Fehlsteuerung der europäischen Politik in ihrer Klimastrategie. Hauptkritikpunkt der Top-Wissenschaftler: E-Autos sind im Gegensatz zur Annahme in der EU Klimaverordnung 2019/631 NICHT CO2 frei und damit auch NICHT klimaneutral!

CO2-Einsparung um nur 41 Prozent

In einer Zusammenfassung der TUM-Studie, die BILD vorliegt, heißt es: Die "systematische Auswertung von 19 Studien und 47 Szenarien" zeige, dass batterieelektrische Fahrzeuge im Vergleich zum Verbrenner die CO2 Belastung in aller Regel zwar reduzierten, aber im Durchschnitt nur um 41 Prozent.

RUMMS! Denn das ist weit entfernt von der Klimaneutralität, die die EU der Elektromobilität zuspricht und in ihren Klimaschutz-Regeln seit 2019 entsprechend honoriert. Damit deckt die laut TUM "derzeit umfassendste Studie auf der belastbarsten Datengrundlage zu diesem Thema" nichts weniger als die große Auto-Lüge der EU-Klimapolitik auf!

Denn wenn batterieelektrische Fahrzeuge im Durchschnitt nicht einmal die Hälfte der CO2 Emissionen im Vergleich zum Verbrenner einsparen, dann gibt es für das geplante weitgehende Verkaufsverbot für Verbrenner-Neufahrzeuge ab 2035 keine überzeugende Begründung.

Uni-Präsident Professor Thomas Hofmann Foto: picture alliance/dpa

Wie kommen die Professoren zu ihren Thesen?

Sie verwerfen den bisherigen Ansatz der EU-Regulatorik, die CO?-Emissionen ausschließlich in den Abgasen und damit am Auspuff zu messen, als wissenschaftlich nicht haltbar. Denn er berücksichtigt nicht die CO2 Emissionen, die bei der Beschaffung von Rohstoffen, der Produktion, im Betrieb und beim Recycling von E-Autos entstünden. Dabei geht es vor allem um CO?, das in Stahl oder Aluminium eingelagert ist, und um die Frage, wie viel grüner oder fossiler Strom bei der Herstellung und im Betrieb eines E-Autos zum Einsatz kommt. Eine Rolle für den fossilen Fußabdruck eines Autos spielt zudem, wie viele Materialien am Ende der Lebenszeit eines Autos zurückgewonnen werden können.

Die EU-Regulatorik aber erfasst - so der TUM Vorwurf - im Gegensatz zu dieser Betrachtung über den kompletten Lebenszyklus eines Autos erhebliche potenzielle Beiträge zur Dekarbonisierung überhaupt nicht. Dies habe "gravierende industriepolitische Konsequenzen". Denn wenn Unternehmen in grünen Stahl oder Batterien investieren sollen, muss gesichert sein, dass dies von den EU-Klimaschutzregeln auch honoriert wird.

Brutal auch eine andere Erkenntnis der Wissenschaftler: Sollte die EU weiterhin allein auf den Hebel einer Reduktion von CO? in Abgasen setzen, werde sie ihre eigenen Klimaziele - Reduktion der Netto-Treibhausemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent im Vergleich zu 1990 - massiv verfehlen. Denn die Gesamtflotte werde auch in vier Jahren voraussichtlich noch zu 78 Prozent aus Verbrennern bestehen.

Ändern sich jetzt die EU-Klimaschutz-Regeln?

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Die Fronten sind verhärtet: Auf der Auspuff-Logik beruhte schon die Bevorzugung elektrischer Fahrzeuge, als 2011 unter der damaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) E-Autos von der Kfz-Steuer befreit wurden - begründet mit Emissionsfreiheit und Klimaschutz. Und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen verkündete im Dezember 2025, ihr "Automobil-Paket" mit leichten Korrekturen am Verbrenner-Aus stehe für "Innovation, saubere Mobilität, Wettbewerbsfähigkeit".

Im November steht von der Leyens Paket im Europaparlament und im EU-Rat zur Abstimmung. Deshalb schlägt TUM-Präsident Hofmann jetzt Alarm. Die Erkenntnisse der Studie müssten vor den Beratungen in Brüssel "Eingang in die politische Debatte finden". Denn: "Anderenfalls drohen ökonomische und ökologische Fehlsteuerungen erheblichen Ausmaßes." Es gehe um den "industriellen Kern Deutschlands und Europas".


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