Mehrere Mitglieder einer Familie sollen nach dem Tod eines Verwandten in Essen medizinisches Personal angegriffen und teils schwer verletzt haben. Die Verdächtigen sind der Polizei bekannt.
23.09.2024, 17.08 Uhr
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Nach dem gewaltsamen Angriff auf Krankenhauspersonal in Essen mit sechs Verletzten bewerten die Ermittler den Fall als sogenannte Clankriminalität. Das Fachkommissariat für die Bekämpfung dieser habe die Ermittlungen übernommen, teilte die Polizei mit. Die Familie sei bereits mehrfach mit Delikten aufgefallen, die diesem Bereich zuzuordnen seien, begründete dies ein Polizeisprecher.
Auch bei der Auseinandersetzung am Freitag seien die Tatbeteiligten massiv als Gruppe aufgetreten und hätten denjenigen, die eigentlich helfen wollten, mit der "Macht der Familie" gedroht.
Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatten mehrere Familienmitglieder am Freitag nach dem Tod eines Angehörigen in einem Essener Krankenhaus medizinisches Personal mit Schlägen und Tritten angegriffen. Sie seien zudem in einen Behandlungsraum eingedrungen und hätten Möbel und Geräte beschädigt, berichtete die Polizei. Das betroffene Elisabeth-Krankenhaus hatte von einer nie dagewesenen Aggressivität und Gewalt gegenüber den eigenen Mitarbeitern gesprochen.
Insgesamt seien sechs Angestellte des Krankenhauses verletzt worden, so die Polizei. Eine 23-Jährige wurde so schwer verletzt, dass sie stationär behandelt werden musste. Zur genauen Zahl der mutmaßlich Beteiligten - einige davon namentlich bekannt, andere noch nicht identifiziert - laufen die Ermittlungen noch. Auch der Ablauf sei noch Gegenstand der polizeilichen Untersuchung.
Hauptverdächtig ist aktuell ein 41-Jähriger mit türkischer und libanesischer Staatsangehörigkeit. Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.
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Der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen äußerte sich bereits am Wochenende zu den Ereignissen. "Auch der Verlust eines nahen Angehörigen entschuldigt oder rechtfertigt nicht ein solches Verhalten oder gar einen Angriff auf Krankenhauspersonal und ein Krankenhaus. Ich verurteile das aufs Schärfste und habe für ein solch asoziales Verhalten überhaupt kein Verständnis", sagte er. Staatsanwaltschaft und Gerichte seien nun gefordert, darauf eine klare Antwort zu geben.
Seit einiger Zeit beklagen Kassenärzte auch in Praxen immer mehr Gewalt. "Offene Aggression und ein extrem forderndes Verhalten haben deutlich zugenommen. Nicht nur in Notaufnahmen, auch bei den Niedergelassenen eskaliert die Lage immer öfter", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, im August der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dabei gehe es sowohl um Beleidigungen als auch um körperliche Gewalt.
Justizminister Marco Buschmann will mit einer leichten Verschärfung des Strafrechts unter anderem Rettungskräfte besser vor Anfeindungen und Gewalt schützen.
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