Preisexplosionen Diese Branchen planen Stellenabbau: Gibt der Irankrieg der Wirtschaft den Rest?

Lennart Zielke

21.04.2026, 04:03 Uhr 3 Min

Der Krieg im Nahen Osten hat letzte Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung in der Bundesrepublik zunichtegemacht. Ökonomen warnen vor noch größeren Folgen der Krise.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft vor der romanischen Basilika St. Kunibert in Köln: Die Ökonomen vom Rhein sehen die Wirtschaft auf Talfahrt.
© Gerd Harder/Imago

Deutsche Betriebe blicken seit fast dreien Jahren durchgehend pessimistisch nach vorn - eine so lange Durststrecke gab es laut des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) seit 20 Jahren nicht. Das geht es aus der aktuellen Frühjahrs-Konjunkturumfrage des Kölner Instituts hervor.

Durch den Irankrieg entstehen Versorgungsengpässe, Energiepreiseffekte, Sorgen um Lieferketten und Belastungen beim globalen Transport. "Der Iran-Krieg hat die Hoffnung auf eine echte wirtschaftliche Erholung im Keim erstickt", sagte IW-Konjunkturexperte Michael Grömling. "Die geopolitischen Dauerkrisen bringen das deutsche Wirtschaftsmodell immer stärker an seine Grenzen."

Fast ein Drittel der Unternehmen plant Jobabbau

Die Ergebnisse der Umfrage fallen deutlich negativ aus: 43 Prozent der Unternehmen berichten, dass ihre Geschäfte schlechter laufen als vor einem Jahr, nur 14 Prozent sehen eine Verbesserung. Für das Jahr 2026 rechnen 35 Prozent mit sinkender Produktion, nur 21 Prozent mit einem Plus.

IW-Konjunkturexperte Michael Grömling
© IW Köln

In der Industrie stehen 39 Prozent mit sinkender Produktion 24 Prozent mit steigender Produktion gegenüber. Auch bei den privatwirtschaftlichen Dienstleistern haben sich die Erwartungen verschlechtert: 35 Prozent gehen von einem Rückgang aus. Besonders schlecht sind die Erwartungen im Bereich Transport und Logistik sowie im Handel.

Auch am Arbeitsmarkt bleibt die Lage angespannt. Fast 30 Prozent aller Unternehmen wollen 2026 Stellen streichen. In der Industrie planen 37 Prozent der Firmen mit weniger Personal, nur 14 Prozent mit mehr. Bei den privaten Dienstleistern stehen 22 Prozent, die einstellen wollen, 28 Prozent gegenüber, die Jobs streichen. Am weitesten ausgeglichen sind die Beschäftigungspläne in der Bauwirtschaft: Dort gehen 22 Prozent von mehr und 26 Prozent von weniger Mitarbeitern aus.

Die Investitionsbereitschaft bleibt ebenfalls schwach. Über alle Branchen hinweg rechnen 21 Prozent mit höheren und 39 Prozent mit niedrigeren Investitionsbudgets im Jahr 2026. In der Industrie ist der Anteil der Firmen, die Investitionen kürzen wollen, mit 42 Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Anteil derer, die mehr investieren wollen (19 Prozent).

Auch in der Bauwirtschaft haben sich die Investitionsperspektiven verschlechtert: 23 Prozent planen höhere, 38 Prozent niedrigere Investitionen.

Proteste gegen Regierungslinie

Sargnagel des Freihandels: Ende der freien Schifffahrt bedroht deutsche Wirtschaft

Deutliche Kritik kommt etwa von den sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK). Sie sehen die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft in Sachsen durch die zuletzt erheblichen Kostensteigerungen, insbesondere bei den Kraftstoffpreisen, massiv belastet. Viele Unternehmen könnten diese Mehrkosten nicht mehr aus eigener Kraft tragen.

Die von der Bundesregierung angekündigten Entlastungsmaßnahmen - insbesondere die Absenkung der Energie- bzw. Mineralölsteuer um 17 Cent - seien nur ein erster Schritt. "Die Bundesregierung bleibt weiterhin die dringend benötigte Strukturreform schuldig", sagte Dr. Fabian Magerl, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Leipzig.

Im Rahmen einer Protestaktion des Verkehrsgewerbes am 17. April in Leipzig machten vergangene Woche Brummifahrer, Taxi-, Transport- und Umzugsunternehmen auf die Folgen der hohen Kraftstoffpreise aufmerksam. Laut Bericht gab es dort einen Autokorso mit rund 22 Lkws und 69 Autos. Organisator Sebastian Bormann erklärte, er fühle sich von der Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Stich gelassen.


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