Pollenallergie Sie haben Heuschnupfen? Dann meiden Sie Köpenick!

Andreas Kopietz

05.03.2026, 10:27 Uhr

Der Bezirk hat für viel Geld Hunderte Bäume angepflanzt, um den Klimawandel zu bekämpfen. Allergien spielen bei der Auswahl der Baumarten allerdings keine Rolle.

Treptow-Köpenick hat seit Herbst Hunderte neuer Bäume erhalten.
Andreas Kopietz/Berliner Zeitung

Berlin liebt Bäume. Die Liebe ist so groß, dass die hochverschuldete Stadt aus dem schuldenfinanzierten "Sondervermögen" des Bundes eine Milliarde Euro für Hunderttausende neue Bäume verwenden will. Mit ihrer Pflanz- und Pflegeoffensive für die nächsten zwölf Jahre will die CDU-SPD-Koalition den Folgen des Klimawandels begegnen.

Berlins Liebe zu Bäumen ist derart groß, dass der Senat sogar über ein neues Amt für Baumangelegenheiten nachdenkt, auch wenn der vielbeschworene Bürokratieabbau anders aussehen dürfte. Das neue Amt könnte knapp 500 Stellen haben.

Berlins größter, grünster und wasserreichster Bezirk, in dem fast die Hälfte der Fläche aus Wald besteht (über 6700 Hektar), hat derweil schon mal vorgelegt beim Pflanzen. Seit dem Frühjahr vergangenen Jahres ließ das Straßen- und Grünflächenamt von Treptow-Köpenick unter anderem 108 Bäume im Treptower Park pflanzen. Seit vergangenem Herbst setzte es zudem 266 Bäume an Straßen, in Grünanlagen und auf Spielplätzen. Das passierte laut Amt in den Ortsteilen Müggelheim, Grünau, Rahnsdorf, Johannistal und Köpenick.

Mit neuen Bäumen gegen den Klimawandel

Neue Erlen für Köpenick: Pollenallergiker werden sich bedanken.
Andreas Kopietz/Berliner Zeitung

Aus dem großen schuldenfinanzierten Berliner Baumprogramm sind die neuen Bäume nicht angeschafft. Nach Angaben des Bezirks handelt es sich um sogenannte Ersatzpflanzungen für Bäume, die für den Bau neuer Häuser gefällt wurden. Nicht zu übersehen ist, dass unter anderem in Wendenschloss gerade riesige neue Wohngebiete für Tausende Neu-Köpenicker entstehen.

"Auch außerhalb großer Pflanzaktionen bemüht sich das Straßen- und Grünflächenamt darum, möglichst viele neue Bäume im Bezirk zu pflanzen", lässt das Amt über seine Sprecherin mitteilen. So seien weitere 110 Ersatzpflanzungen im Herbst für die BVG erfolgt. Das geschah in Adlershof am Groß-Berliner-Damm, an der Rudower Chaussee, Am Studio, am Ernst-Ruska-Ufer, in der Hans-Schmidt-Straße und in der Hermann-Dorner-Allee.

Den Angaben zufolge ist jeder Baumstandort individuell und erfordert eine maßgeschneiderte Auswahl der Baumart. Das Straßen- und Grünflächenamt achte auf Kriterien wie Wuchsform, Endgröße, Fruchtbildung sowie das optische Erscheinungsbild der Straße. "Ein besonderes Augenmerk wurde auf eine vielfältige und klimaresistente Baumartenmischung gelegt, um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen", heißt es aus dem Rathaus.

Dass auch Bäume am Waldrand gepflanzt wurden, wie an der Rabindranath-Tagore-Straße, ficht das Amt nicht an: Diese Standorte seien auch früher schon mit Straßenbäumen bepflanzt gewesen. Für die Pflanzung von Bäumen werde grundsätzlich jeder geeignete Standort genutzt. "Jeder neu gepflanzte Baum zählt und macht die Stadt widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Ob der neue Baum dann an einem Waldrand steht oder nicht, spielt dabei keine Rolle", stellen die Chefgärtner des Bezirks klar.

Zierkirsche, Mammutbaum und Erle

Die Wassersportallee in Grünau in großer "Frühlingspracht".
Andreas Kopietz/Berliner Zeitung

Die Sorten, die das Grünflächenamt des Bezirks pflanzen ließ, sind zahlreich: Blutpflaume, Amberbaum, Winterlinde, Silberlinde, Zierkirsche, Ulme, Mammutbaum. Doch jetzt, da die Pollensaison begonnen hat, schaut mancher Heuschnupfler argwöhnisch auf die neuen Zierhölzer. Denn an vielen Zweigen hängen verdächtige "Raupen", wie die kätzchenartigen Blütenstände auch genannt werden.

Auf Nachfrage heißt es, dass auch Erlen gepflanzt wurden. Deren Blütenstaub fliegt zum Leidwesen der immer zahlreicher werdenden Pollenallergiker derzeit besonders intensiv durch die Luft. Auf dieses Problem angesprochen lässt das Grünflächenamt mitteilen: "Allergien spielen bei der Auswahl der Baumarten keine Rolle." Der Berliner Senat schätzt, dass bis zu 18 Prozent der Berliner an Pollenallergie leiden.

Treptow-Köpenick hat sich die neuen Bäume, die sorgfältig mit Holzgestellen eingehaust und oft mit einbetonierten Metallbügeln gegen Autostoßstangen geschützt sind, einiges kosten lassen. Eine Pflanzung samt vierjähriger Pflege kostet laut Amt 3000 bis 3500 Euro.

Die Belastung mit Erlenpollen an diesem Mittwoch. Sie ist laut Senat derzeit hoch.
Berliner Senat

Das Amt lässt im Übrigen wissen, dass bei der Auswahl die Baumstandorte geprüft werden, wo genug Platz ist. "Dabei muss auf unterirdische Leitungen, Oberleitungen, geplante Bauarbeiten oder Zufahrten zu Grundstücken geachtet werden."

In der Wassersportallee in Grünau hat man das vor ein paar Jahren offensichtlich nicht ganz so genau genommen. Dort wachsen die Bäume inzwischen in die Oberleitungen der Straßenbahn. Es sind übrigens Erlen mit puscheligen, langen, raupenartigen Blütenständen. Pollenallergiker werden wissen, was das bedeutet.


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