Mittwoch, 15.04.2026, 07:49
In Ungarn sorgt die Lage in Deutschland für kritische Kommentare. "Deutschland verliert seine Zukunft", titelt die einflussreiche Wirtschaftszeitung "Világgazdaság". Sie beschreibt ein Land, das seine Zukunft verspielen könnte, weil es immer mehr junge Menschen verliert.
Deutschland stecke in einer wirtschaftlichen und politischen Krise, so die Zeitung. Besonders betroffen sei die Generation der 14- bis 29-Jährigen, die kaum noch daran glaube, dass die großen Parteien die Probleme lösen können.
Deutschland habe sich nach zwei Jahren wirtschaftlicher Schwäche nicht erholt, schreibt "Világgazdaság". Wegen des Kriegs im Iran seien die Wachstumsaussichten erneut gesenkt worden. Dazu komme eine Wohnkrise mit hohen Mieten und Immobilienpreisen, die den Schritt in ein eigenes Leben erschwere.
Viele junge Menschen sähen ihre beruflichen Chancen durch den zunehmenden Einsatz von künstlicher Intelligenz bedroht. All das sorge für das Gefühl, im eigenen Land nicht mehr voranzukommen.
Grundlage des Berichts ist die Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026" vom Verlag Datajockey. Sie beruht auf einer repräsentativen Online-Befragung von 2.012 jungen Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren zwischen Anfang Januar und Anfang Februar 2026.
Das sind die wichtigsten Zahlen:
In der zugehörigen Mitteilung ist von einer Generation im Dauerkrisenmodus die Rede. Krieg, Inflation, steigende Wohnkosten und seit einiger Zeit auch die Politik von US Präsident Donald Trump überfordern viele junge Menschen.
"Mit 21 Prozent plant jede fünfte junge Person konkret, Deutschland zu verlassen, um im Ausland bessere Lebensbedingungen zu finden", erklärt der Autor Kilian Hampel von der Universität Konstanz. Die Studie zeige, wie dringend junge Menschen verlässliche Perspektiven für Arbeit, Wohnen und finanzielle Sicherheit benötigen, so Hampel weiter.
IMAGO / Michael Weber
Die Forscher beschreiben eine Jugend, die zwar arbeiten und Verantwortung übernehmen will, aber immer öfter zweifelt, ob sich Leistung in Deutschland noch lohnt. Zugleich steigt der Anteil junger Menschen mit Schulden auf 23 Prozent, und eine Auswanderung wird für viele zu einer konkreten Option.
"Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen - in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit", so der Studienleiter Simon Schnetzer.
Trotz aller Probleme bleibt Deutschland nach dem Bruttoinlandsprodukt die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Viele junge Menschen denken dennoch an ein Leben in anderen Ländern. Eine Destatis-Umfrage aus dem Jahr 2025 nennt die Schweiz und Österreich als häufigste Ziele. Städte wie Zürich und Wien liegen in internationalen Rankings zur Lebensqualität regelmäßig weit vorn.