Korruptionsverdacht in Bielefelder Ausländerbehörde: Ermittlungen gegen Mitarbeiter und Dolmetscher

Mario Jacob

12.01.2026 , 19:46 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld untersucht Korruptionsvorwürfe gegen Beschäftigte der Ausländerbehörde und einen Dolmetscher. Es geht um Geldzahlungen für unbefristete Aufenthaltstitel.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld untersucht Korruptionsvorwürfe gegen Beschäftigte der Ausländerbehörde und einen Dolmetscher - insgesamt soll ein sechsstelliger Betrag geflossen sein.
Friso Gentsch/dpa

Die Ausländerbehörde der Stadt Bielefeld steht im Mittelpunkt von Ermittlungen wegen mutmaßlicher Bestechung und Vorteilsannahme bei der Vergabe von Aufenthaltstiteln. Wie die Staatsanwaltschaft Bielefeld gegenüber dem WDR bestätigte, richten sich die Vorwürfe gegen insgesamt vier Personen: Zwei städtische Mitarbeitende, einen Dolmetscher sowie eine weitere Person, die zunächst selbst einen Aufenthaltstitel erhalten hatte und mutmaßlich später aktiv in die Vorgänge eingebunden war.

Den Ermittlungen zufolge sollen die Beschuldigten im Zeitraum von September 2023 bis April 2025 in mindestens 15 Fällen Geld für die Ausstellung sogenannter Niederlassungserlaubnisse angenommen haben. Ein weiterer Verdachtsfall datiert aus Oktober 2025. Bei einer dieser Genehmigungen sollen 4000 Euro geflossen sein. Nach Angaben der Neue Westfälische geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass insgesamt mindestens 60.000 Euro gezahlt wurden.

Durchsuchungen bei Verdächtigen und in Büros der Ausländerbehörde

Der Dolmetscher steht unter Verdacht, Schmiergeld für die schnellere Vergabe von Terminen genommen und dabei seine Kontakte in der Behörde ausgenutzt zu haben. Antragsteller mussten oft Monate auf einen Termin warten; der Dolmetscher soll diesen Prozess gegen Bezahlung beschleunigt haben, so die Neue Westfälische.

Im Zuge der Ermittlungen wurden bereits im November und Dezember 2025 Durchsuchungen an Privatadressen und Arbeitsstätten der Verdächtigen durchgeführt. Laut WDR fanden diese auch in Büros der Ausländerbehörde statt. Dabei wurden elektronische Geräte wie Smartphones und Laptops sowie diverse Unterlagen sichergestellt, die derzeit ausgewertet werden.

Ein Sprecher der Stadt Bielefeld erklärte gegenüber dem WDR, die Verwaltung arbeite eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen. Die betroffenen Mitarbeitenden seien bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens vom Dienst freigestellt worden.

Eine Niederlassungserlaubnis ist ein unbefristeter Aufenthaltstitel, der vor allem für Fachkräfte vorgesehen ist. Voraussetzung für die Erteilung sind unter anderem eine bestehende Aufenthaltserlaubnis für mindestens fünf Jahre, die Zahlung von Rentenversicherungsbeiträgen über mindestens 60 Monate, gesicherter Lebensunterhalt und ausreichende Sprachkenntnisse.


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