Prozess gegen 20-jährigen Tunesier

Die Kriminal-Akte des Amine J.:

Keine Chance auf Asyl - aber 30 Straftaten in vier Monaten dpa/AdobeStock/iStock/ Composing: Sascha Weingartz Ein junger Straftäter wird abgeführt (Symbolbild).
FOCUS-Online-Reporter Göran Schattauer

Montag, 17.02.2020

Stehlen, spucken, schlagen: In Dresden muss sich derzeit ein junger Serientäter vor Gericht verantworten, der sein Umfeld in beispielloser Weise terrorisiert haben soll. Der Tunesier war im April 2019 über Italien und Frankreich in die Bundesrepublik eingereist und beging laut Staatsanwaltschaft schon kurz nach seiner Ankunft die erste Straftat. Es folgten zahlreiche Rechtsbrüche, manchmal mehrere an einem Tag. Nach der Verurteilung soll der Mann abgeschoben werden.

Gäbe es das Wort "Intensivtäter" noch nicht, für ihn müsste die Polizei es erfinden: Amine J., 20 Jahre alt. Der Mann aus Tunesien hat innerhalb von nur vier Monaten 30 zum Teil schwere Straftaten verübt.

Seine beispiellose Kriminellen-Karriere startete er unmittelbar nach seiner Ankunft in Deutschland im April 2019. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass der junge Mann überhaupt nur in die Bundesrepublik gekommen ist, um Straftaten zu begehen.

Guter Rat von Kumpels: "Geh' doch nach Deutschland"

Weder in seiner tunesischen Heimat noch in seinen ersten Fluchtländern Italien und Frankreich hatte er geregelte Jobs, zum Teil lebte er auf der Straße. Kumpels rieten ihm: "Geh' doch nach Deutschland, da kriegst Du wenigstens vom Staat ein Dach über dem Kopf."

Seit Ende Januar 2020 muss sich Amine J. vor dem Jugendschöffengericht Dresden verantworten. In dem Verfahren mit dem Aktenzeichen 251 Ls 601 Js 39179/19 sind vier Anklagen gegen den abgelehnten Asylbewerber gebündelt.

Dicke Strafakte: Streifzug durch das halbe Strafgesetzbuch

Die Vorwürfe gleichen einem Streifzug durch das halbe Strafgesetzbuch:
Schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung, Körperverletzung (3 Fälle) in Tateinheit mit Beleidigung und Bedrohung, versuchte gefährliche Körperverletzung, versuchte Körperverletzung, Wohnungseinbruchdiebstahl, Diebstahl (5 Fälle), versuchter Diebstahl (7 Fälle, einer in Tateinheit mit Körperverletzung), Beleidigung (4 Fälle, einer in Tateinheit mit Bedrohung), Erschleichen von Leistungen (4 Fälle), Hausfriedensbruch (2 Fälle).

Rekordverdächtig: 30 Straftaten in nur vier Monaten

In der Summe geht es um 30 Straftaten. Die Zahl ist erschreckend. Noch verheerender wird das Bild, wenn man bedenkt, in welch kurzem Zeitraum Amine J. die Gesetzesbrüche begangen haben soll: zwischen 13. April 2019 und 18. August 2019, also innerhalb von vier Monaten.

In dieser Zeit konnte der Mann in Deutschland sein Unwesen treiben, zunächst im brandenburgischen Eisenhüttenstadt (vier Delikte), später in Dresden (26 Straftaten). Am 30. August 2019 platzte den sächsischen Strafverfolgern der Kragen. Sie steckten den notorischen Kriminellen, der in Deutschland keinerlei Chancen auf Asyl hatte, ins Gefängnis. Bis heute sitzt er in Untersuchungshaft.

Schwarz gefahren, Schuhe geklaut, Frauen bedroht

FOCUS Online kennt die konkreten Vorwürfe der Dresdner Staatsanwaltschaft gegen Amine J., der an einigen Tagen gleich mehrere Straftaten begangen haben soll. Hier die Chronologie des Schreckens:

Staat verhöhnt: Polizei werde gegen ihn "gar nichts machen" Er schlug mit Fäusten zu: Frau erlitt Schädel-Hirn-Trauma Mann ein Klappmesser an den Hals gesetzt und ausgeraubt Opfer Pfefferspray ins Gesicht gesprüht: "Fick Dich" AdobeStock/iStock/Composing: Sascha Weingartz Prozess: Nordafrikaner schweigt auf Anraten des Verteidigers

Ob die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in jedem Detail zutreffen, wird sich erst im Lauf des Prozesses zeigen. An den beiden ersten Tagen schwieg der Nordafrikaner auf Anraten seines Verteidigers Alexander Hübner aus Dresden. Die Verhandlung wird an diesem Dienstag mit der Anhörung mehrerer Zeugen fortgesetzt.

Asyl abgelehnt, Abschiebung beschlossen, Haft wahrscheinlich

Fest steht, dass Amine J. Deutschland verlassen muss. Sein Asylantrag ist längst abgelehnt worden, seine Abschiebung beschlossene Sache. Die Staatsanwaltschaft hat die Ausländerbehörde allerdings gebeten, die Ausweisung bis zum Ende des Gerichtsprozesses zurückzustellen.

Im Fall einer Verurteilung soll der Tunesier umgehend abgeschoben werden. Sollte er illegal wieder nach Deutschland einreisen, könnte er wegen der ausstehenden Strafe sofort in Haft genommen werden.


Quelle: focus.de vom 17.02.2020