Zur Person
Alexander King, geboren 1969 in München, ist Politiker des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) und Spitzenkandidat seiner Partei für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September.
Zuvor war King viele Jahre Mitglied der Linkspartei, 2023 trat er aus jener Partei aus und schloss sich dem BSW an. Seitdem sitzt er als fraktionsloser Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus.
21.05.2026, 11:50 Uhr 3 Min
© IMAGO/Zoonar.com/Sergey Kohl
An diesem Donnerstag bringen die Grünen einen Antrag ins Abgeordnetenhaus ein, ganz heimlich, still und leise, der es in sich hat. Ohne Debatte wird er in den Kulturausschuss überwiesen. Dabei ist der Antrag so ambitioniert wie übergriffig.
Er soll die Geschichtsschreibung ändern: unseren Blick auf das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa, auf das Ende des Faschismus, auf das Ende des beispiellosen Mordens, auf die deutschen Täter und ihre Verbündeten, auf die Opfer, aber vor allem: unseren Blick auf die Befreier. Die Grünen wollen den Russen das Gedenken entreißen und selbst darüber bestimmen, wer wie mit wem wessen gedenken darf.
Die Grünen wollen, etwa mit an den Ehrenmälern anzubringenden QR-Codes, einordnen, erklären, das Gedenken ihrer Sicht auf die Welt unterordnen, letztlich wollen sie relativieren. Die Befreiung Berlins durch die Rote Armee soll so in den Kontext von Stalinismus, Putin-Nationalismus, Ukraine-Krieg gestellt werden. Dieser Grüne Geschichtsrevisionismus sind nicht nur völlig daneben, sondern gefährlich.
Zur Erinnerung: Nicht die Deutschen, auch nicht die deutschen Grünen haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen, sondern die Rote Armee unter gewaltigen Opfern. Zur Bewirtschaftung der sowjetischen Ehrenmäler in Berlin gibt es deshalb Verträge Deutschlands mit Russland als Rechtsnachfolger der Sowjetunion. Wie kann man also auf die Idee kommen, ohne Absprache mit der russischen Botschaft an den Ehrenmälern Veränderungen vornehmen zu wollen? Das ist wirklich schamlos und geschichtsvergessen.
Der Grüne Antrag ist purer Revanchismus. Er haut in dieselbe Kerbe wie das Vorhaben der Grünen, das Russische Haus in der Friedrichstraße zu schließen, sollten sie hier in Berlin wieder mitregieren. Das Haus sei, so sagte die Grüne Fraktionsvorsitzende Jarrasch neulich auf einer Veranstaltung ihrer Partei vor gut einer Woche, ein "Pain in the ass".
So vulgär geht es manchmal bei den achtsamen Grünen zu.
Übrigens: Das Ehrenmal in Treptow zeigt den Rotarmisten Nikolai Massalow, der am Ende des Zweiten Weltkriegs, am 30. April 1945, am Potsdamer Platz ein deutsches Mädchen rettete - unter Einsatz seines Lebens. In der DDR war er deshalb Berliner Ehrenbürger. Bis 1990, als er im Zuge der Wiedervereinigung aussortiert wurde.