Geplante EU-Stahlquote: Kiew warnt vor Milliardenverlusten für die Ukraine

Sophie Barkey

17.05.2026, 15:13 Uhr 3 Min

Die Europäische Union will ihre Stahlimporte ab Juli 2026 deutlich begrenzen. Die Ukraine fürchtet nun massive Einnahmeausfälle. Bekommt Kiew einen Deal?

Ukraine: Ein Mitarbeiter steht in einem Kontrollraum einer Eisenerz-Aufbereitungsanlage in Krywyj Rih.
© Giulio Pscitelli/AFP

Die geplante Kürzung der Stahlimporte in die Europäische Union um rund 47 Prozent würde nach Angaben ukrainischer Hersteller und Behörden die Kriegswirtschaft des Landes empfindlich treffen. Brüssel hatte angekündigt, die Importquote zum 1. Juli 2026 zu senken und auf darüber hinausgehende Einfuhren einen Zoll von 50 Prozent zu erheben.

Oleksandr Wodowis, Büroleiter des Vorstandschefs des ukrainischen Stahl- und Bergbaukonzerns Metinvest, sagte der Financial Times, die Maßnahme werde "jegliche Möglichkeit ukrainischer Unternehmen, auf den europäischen Markt zu liefern, vollständig zunichtemachen". Metinvest verantwortet nach eigenen Angaben mehr als die Hälfte der ukrainischen Stahlausfuhren in die EU.

Verhandlungen über Sonderkontingent

Um mit den Regeln der Welthandelsorganisation vereinbar zu sein, gilt die reduzierte Quote für alle Handelspartner der EU, auch für Länder mit Freihandelsabkommen wie die Ukraine.

Ukrainische Vertreter warnten nun, eine Kürzung um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr könne Einnahmeausfälle von bis zu einer Milliarde Euro bedeuten, während Russland seine Angriffe auf das Land verschärfe. Sie argumentierten zudem, die Kürzung verstoße gegen das Handelsabkommen mit der EU.

Die Europäische Kommission erklärte, Brüssel werde "die schwierige Lage der Ukraine berücksichtigen". Das Land erhalte ein länderspezifisches Kontingent, das die Ausfuhren in die EU garantiere, "wenn auch auf niedrigerem Niveau als in den vergangenen Jahren".

Die Europäische Kommission verhandelt nach Informationen der Financial Times derzeit neben Kiew mit rund 20 weiteren Staaten über bevorzugte Kontingente. In ersten Gesprächen in Genf habe die Kommission der Ukraine ein zollfreies bilaterales Kontingent von 713.000 Tonnen vorgeschlagen, hieß es nach Angaben von Beamten demnach. Im vergangenen Jahr verkaufte die Ukraine 2,65 Millionen Tonnen Stahl in die EU, die ihr wichtigster Exportmarkt für das Metall ist.

Konkurrenz wird "nicht jeden Tag beschossen und bombardiert"

Wodowis verwies darauf, dass es für ukrainische Stahlproduzenten kaum kurzfristige Alternativen gebe. Auf anderen Märkten konkurriere man mit russischen und türkischen Anbietern, die zehnmal günstigere Strompreise hätten und "nicht jeden Tag beschossen und bombardiert" würden.

Die für den Vorgang zuständige EU-Abgeordnete Karin Karlsbro sagte, das Europäische Parlament habe in den Verhandlungen auf eine Sonderbehandlung der Ukraine wegen ihrer "außergewöhnlichen und unmittelbaren Sicherheitslage" gedrungen. Als Beitrittskandidat müsse das Land besonders berücksichtigt werden.

Hintergrund der EU-Maßnahme ist nach Angaben des Rates der Europäischen Union eine weltweite Überproduktion, die bis zum Jahr 2027 auf 721 Millionen Tonnen anwachsen könnte. Seit 2007 seien in der europäischen Stahlindustrie rund 100.000 Arbeitsplätze verloren gegangen.


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