Ferat Koçak und der Remmo-Sohn: Innige WhatsApp-Nachrichten zwischen Linken-Politiker und Clan-Spross?

"Gratuliere Bruder Herz" ++ Sie feiern den Wahlsieg in Berlin ++ Linken-Politiker Koçak meldet sich bei Instagram zu Wort

Tilm Biermann

Miriam Hollstein

22.09.2026 - 15:22 Uhr

Berlin - Der Besuch des Clan-Oberhauptes Issa Remmo (58) bei Partys der Berliner Linken sorgt weiter für Aufregung. Schließlich stecken Mitglieder der Familie hinter Raubzügen, etwa auf das Bode-Museum in Berlin und das Grüne Gewölbe in Dresden. Bei der Linken dementierte man schnell, etwas mit dem Clan-Boss zu tun zu haben - er sei nicht eingeladen gewesen. Auch habe man ihn aufgefordert, die Feier zu verlassen.

Diesen angeblichen Chat mit dem Neuköllner Linken-Wahlsieger Ferat Koçak (47, auf dem Bild zu sehen) veröffentlichte ein Remmo-Sohn selbst
Foto: Instagram

So vertraut schrieben sich der Politiker und der Clan-Sproß
Foto: Instagram

Doch der Instagram-Post eines Sohnes von Issa Remmo wirft ein anderes Licht auf die Sache. Denn er zeigt eine angebliche Chat-Nachricht, in der Neuköllns Linken-Bundestagsabgeordneter Ferat Koçak (47) im Februar an den Remmo-Sohn schreibt: "Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater."

Dann postet Koçak eine Rede von sich, in der er über "Clans" spricht. Dazu schreibt er dem Clan-Spross: "Bruder hilf mir mal das hier zu verbreitern. Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte." Der Sohn antwortet: "Gerne Bruder" - und bekommt ein Herz dafür. Dann schreibt er zu diesem Chat: "Wir sind ein Teil von etwas Großem." Und: "Wir sind Sieger. Wir sind Macher. Wir sind ein Team. Und gemeinsam schaffen wir Dinge, die alleine niemals möglich wären."

Ob der Chat authentisch ist, ist unklar. Eine entsprechende BILD-Anfrage ließ das Bundestagsbüro von Ferat Koçak zunächst unbeantwortet.

Plakate bei der Neuköllner Linken-Party
Foto: Til Biermann

Inzwischen meldete sich Koçak selbst zu Wort - und behauptet, nicht gewusst zu haben, wem er da schreibt. Beim Nachrichtendienst X schrieb er: "Die Berichte über Chatverläufe zwischen mir und Firas Remmo haben die Öffentlichkeit verunsichert. Zu Recht: Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen". Dann folgte seine Erklärung: Immer wieder rufe er Menschen dazu auf, sich an politischen Aktionen zu beteiligen. "Im Zuge dessen hat sich auch Herr Remmo gemeldet. Ich kommuniziere jede Woche über meine Kanäle in den sozialen Medien mit Hunderten von Menschen aus Neukölln, und ich habe mit ihm geschrieben, wie mit jedem anderen Neuköllner auch, und seinen Vater mit Höflichkeit zurückgegrüßt". Er habe "keine Kenntnis" davon gehabt, um wen es sich handelte. Koçak bat zudem um Entschuldigung und kündigte an, den Vorfall mit seinem Team aufzuarbeiten.

Er wolle sich jetzt erstmal zurückziehen, schreibt Koçak weiter - als Bundestagsabgeordneter. "Wer macht eigentlich die Arbeit?", fragt dazu Alt-Linke Petra Pau (63) auf X.

Klar ist: Die Stimmen von Menschen mit Migrationshintergrund waren für den Berliner Erfolg der Linken immens wichtig. Unter anderem warb die Partei mit dem Slogan "Freiheit für Palästina". In den stark migrantisch geprägten Neuköllner Wahlkreisen rund um die Sonnenallee bekam die Partei mehr als 50 Prozent der Stimmen.

Nach dem Wahlsieg schreibt der Remmo-Sohn an Koçak: "Gratuliere Bruder Herz mehr als verdient auf eine schönes Neukölln mit viel Zusammenhalt u. Liebe für die Mitmenschen."

Instagram-Story des Remmo-Sohns mit Nachricht an den "Neuköllner", das ist der Instagram-Name von Ferat Koçak, hier im Bild
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So äußerte sich Koçak am Montag nach der Wahl
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Koçak selbst geriet am Wahlabend noch wegen eines anderen Vorfalls in die Kritik. Er hatte sich auf der Wahlparty der Linken mit Ibrahim Ibrahim, einem pro-palästinensischen Aktivisten, fotografieren lassen. Dieser wird vom Verein Democ, der sich gegen Antisemitismus und Extremismus engagiert, der Palästinenserorganisation PFLP zugeordnet, die auf der Terrorismusliste der Europäischen Union steht.

Auf Instagram schrieb Koçak dazu: "Die Wahlparty in Neukölln war öffentlich zugänglich und grundsätzlich für alle offen. Wenn Menschen auf unseren Wahlpartys auf mich zukommen und ein Foto von mir machen möchten, gehe ich zunächst davon aus, dass das in Ordnung ist." Er distanziere sich ausdrücklich von "gewalt- oder terrorverherrlichenden Aussagen der genannten Person".

Issa Remmo wurde bisher nicht wegen Straftaten verurteilt. Zahlreiche andere Mitglieder seiner Familie schon.


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