12.01.2026 - 08:57 Uhr
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Bei der künftig vermittelten halbschriftlichen Methode werden größere Zahlen zunächst in leichter zu teilende Schritte zerlegt. Die Ergebnisse werden anschließend addiert. Das soll helfen, mit größeren Zahlen umzugehen. Was steckt dahinter? Experten vermuten ein Absenken der Standards, weil Schüler nicht mehr mitkommen!
o Stefan Düll (62), Präsident des Deutschen Lehrerverbands, warnt gegenüber BILD: "Gerade in Mathematik wird eigentlich gelernt, auf verschiedenen Wegen zur Lösung zu kommen. Der Schritt in Niedersachsen kann sich auf der weiterführenden Schule rächen. Denn erstens steht das schriftliche Dividieren dort wieder auf dem Lehrplan, zweitens werden dort Problemlösungskompetenzen verlangt, die in den Grundschulen nun noch einmal weniger geübt werden." Er fordert die Möglichkeit der Differenzierung mit dem Anwenden beider Rechenwege. "Traditionelle Fähigkeiten gehen verloren", so Düll.
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o Susanne Lin-Klitzing (62), Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands: "Das ist der falsche Weg! Das schriftliche Dividieren ist von den vier Rechenverfahren das komplexeste, erfüllt aber auch verschiedene wichtige Funktionen. Allein durch das Untereinanderschreiben erlernen Kinder sauberes, formales Arbeiten. Und sie lernen, früher erlernte Kompetenzen anzuwenden. Also hier Kopfrechnen, Multiplizieren und Subtrahieren." Wichtig sei auch die Zahlbereichserweiterung. "Kinder lernen, mit Brüchen oder Dezimalzahlen umzugehen, wenn Divisionen nicht aufgehen. Leistungsstarke Schüler werden vorsätzlich um Kompetenzerlebnisse gebracht, die kognitive Entwicklung verflacht", so Lin-Klitzing.
o Auch die Opposition ist auf Zinne! Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner (45) zu BILD: "Das geht gar nicht. Aber es entspricht leider der Linie, die Frau Hamburg fährt. An allen Stellen werden die Ansprüche und Anforderungen gesenkt. Damit schadet sie der Zukunft unserer Kinder!"
Susanne Prediger, Professorin für Mathedidaktik an der TU Dortmund, lobt dagegen den Weg. "Der Lehrplan wird an den richtigen Stellen entschlackt, um Zeit zu schaffen, damit Kinder besser die Grundlagen lernen", so Prediger im "Spiegel".