Ehemaliger Eiskunstlauf-Star Witt bezeichnet deutsches Olympia-Abschneiden als "beschämend" Katarina Witt hat die deutsche Medaillenausbeute bei Olympia kritisiert. Die Eiskunstläuferin sprach sich dafür aus, Gold deutlich höher zu honorieren - und lobt ausgerechnet das auf Staatsdoping basierende DDR-System.

27.09.2024, 14.10 Uhr

Witt holte 1984 und 1988 Olympiagold
Foto: Stefan Schmidbauer / IMAGO

Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt hat harsche Kritik am deutschen Abschneiden bei den jüngsten Spielen in Paris geäußert. "Ein zehnter Platz im Medaillenspiegel ist ziemlich beschämend für so eine führende Sportnation, die wir mal waren", sagte die Goldmedaillen-Gewinnerin von 1984 und 1988 im Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Sie sehe darin ein Spiegelbild für die Situation, "in der unser Land insgesamt steckt. Daran haben die Sportler selbst die geringste Schuld, es sind die Umstände, die ihnen einfach nicht das Training ermöglichen, das sie beim Kampf um die Weltspitze brauchen", fügte Witt hinzu. "Wir werden immer bedeutungsloser - leider will es die Politik weiterhin nicht wahrhaben. Wahrscheinlich sind deshalb auch die Wahlen so, wie sie sind, und deshalb bäumt sich der Osten ein bisschen mehr auf, als er es bisher getan hat", sagte die 58-Jährige. Eine gewagte Analyse.

Sie sei sich sicher, dass dies auch ein Ergebnis der Wendezeit sei, sagte die viele Jahre in Chemnitz beheimatete Witt. Erst in den vergangenen drei, vier Jahren sei angefangen worden, der ostdeutschen Vergangenheit ein bisschen mehr Beachtung zu schenken. So habe es in der DDR "ein sehr gutes Leistungssportsystem gegeben", das mit dem Mauerfall "zerstört worden sei".

Unerwähnt ließ Witt dabei, dass das Zentralkomitee der SED bereits 1974 den Aufbau eines staatlich organisierten Dopings bei Leistungssportlern beschlossen hatte. Laut "Doping-Opfer-Hilfe e.V." ist davon auszugehen, dass ca. 15.000 Sportlerinnen und Sportler von diesen flächendeckenden Dopinggaben betroffen waren - mit zum Teil erheblichen Schädigungen. (Lesen Sie hier mehr dazu)

Dschungelkrone mehr wert als ein Olympiasieg

Witt sprach sich dafür aus, Olympiagold deutlich höher zu honorieren. "Wenn man, wie eine Athletin so passend äußerte, für einen Olympiasieg 20.000 Euro bekommt und für den nächsten Sieg vielleicht noch 5000, jedoch die Dschungelkrone 100.000 Euro wert ist, läuft doch etwas schief", äußerte Witt. "15 Tage emotionales Nackigmachen im Gegensatz zu 15 Jahren hartes und entbehrungsreiches Training für olympische Höchstleistungen." Als Prämie für Gold schlug sie 50.000 oder sogar 100.000 Euro vor.

ZDF zeigt Film über Olympia-Comeback von Witt

Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober strahlt das ZDF einen Film über Witt aus, der sich mit ihrem siebten Platz beim Olympia-Comeback 1994 in Lillehammer beschäftigt. In dem schon in der ZDF-Mediathek abrufbaren Film mit dem Titel "Eine Kür, die bleibt" stellt die Schauspielerin Lavinia Nowak Witt dar.


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