17.09.2025, 18:51 Uhr
Ladzinski/imago
Nach Medienberichten über eine fehlgeleitete polnische Luft-Luft-Rakete im ostpolnischen Dorf Wyryki-Wola hat sich am Mittwoch Ministerpräsident Donald Tusk geäußert. Er wies die Vorwürfe zurück, die Behörden würden etwas vertuschen, und betonte zugleich, dass letztlich Moskau die Verantwortung trage.
"Die Verantwortung für die Schäden am Haus in Wyryki tragen die Urheber der Provokation, die Russen", schrieb Tusk auf X. Die zuständigen Stellen würden Regierung, Präsident und Öffentlichkeit über die Ergebnisse der laufenden Ermittlungen informieren, sobald diese abgeschlossen seien. "Hände weg von polnischen Soldaten", fügte er hinzu.
Zuvor hatte die Zeitung Rzeczpospolita unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, dass am 10. September keine Drohnentrümmer, sondern eine Rakete vom Typ AIM-120 AMRAAM das Haus in Wyryki-Wola getroffen haben könnte. Abgeschossen worden sei sie von einem polnischen F-16-Kampfjet, der nach Darstellung der Nato und der polnischen Behörden gegen mutmaßlich russische Drohnen eingesetzt wurde. Demnach habe ein Steuerungsfehler zum Einschlag geführt, der Sprengkopf sei jedoch nicht detoniert. Auch Gazeta Wyborcza berichtete von entsprechenden internen Hinweisen auf eine F-16-Rakete.
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Das Nationale Sicherheitsbüro (BBN), das Präsident Karol Nawrocki untersteht, erklärte, der Präsident habe bis zur Veröffentlichung der Medienberichte keinen detaillierten Bericht zu dem Vorfall erhalten. "Die Gesellschaft hat ein Recht auf die Wahrheit und verlässliche Informationen", hieß es in einer Mitteilung. Denn offiziell sprechen die Behörden weiter von einem "unidentifizierten Objekt". Die Staatsanwaltschaft ermittele derzeit noch, hieß es dazu lediglich.
Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz wies den Verdacht zurück, die Regierung wolle etwas verschweigen. "Vorschläge, die Ereignisse der vergangenen Woche zu verschweigen oder zu vertuschen, sind falsch. Die Armee und die Dienste arbeiten vorbildlich, und der Aggressor trägt die volle Verantwortung für die Folgen dieser beispiellosen russischen Provokation", sagte er. Ein Sprecher des Ministeriums versicherte zudem, dass die Eigentümer des Hauses Unterstützung erhielten und der Staat die Reparaturkosten übernehme.
Zur Schadenshöhe kursieren unterschiedliche Schätzungen: Der örtliche Bürgermeister nannte gegenüber Medien rund 50.000 Z?oty (11.750 Euro) für Reparaturen; regionale Sender bezifferten den Gesamtschaden später auf bis zu 300.000 Z?oty (70.550 Euro). Die Gemeinde bot Ersatzunterkünfte an.
AP
Der Zwischenfall ereignete sich in der Nacht vom 9. auf den 10. September. Nach Angaben der polnischen Behörden drangen dabei mindestens 19 Drohnen in den polnischen Luftraum ein, die von Warschau und der Nato als russisch bezeichnet werden. Einige wurden nach diesen Angaben von Nato-Kampfflugzeugen abgeschossen. Moskau sprach von einem Versehen. Eine unabhängige Bestätigung für die Herkunft der Drohnen gibt es bislang nicht. Der Vorfall löste sofort Befürchtungen aus, der Krieg in der Ukraine könne weiter eskalieren.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte verurteilte den Vorfall als "rücksichtslos und inakzeptabel". Die Allianz verstärkte ihre Luftverteidigung im Osten: Im Rahmen der Operation "Eastern Sentry" sind seither britische Typhoon-Jets im Einsatz, auch Deutschland und Frankreich sagten weitere Maschinen zu.
Ob tatsächlich eine polnische Rakete für die Schäden in Wyryki verantwortlich war, ist bislang offen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Regierung verweist auf laufende Untersuchungen. Klar ist bislang nur: Die Bewohner des Hauses blieben unverletzt.