Anweisung von Lehrerin an NRW-Schule: Ramadan-Streit! Schüler sollen Pausenbrot heimlich essen

Uwe Wojtuschak

07.03.2026 - 08:11 Uhr

Kleve (NRW) - Auf ihrer Website nennt sich die Joseph Beuys Gesamtschule in Kleve stolz "Schule mit Courage" und "Schule der Vielfalt". Doch seit Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan wurde dort eine Anweisung erlassen, nach der Kinder sich beim Essen ihres Pausenbrots wegdrehen sollen - weil sich ihre fastenden muslimischen Klassenkameraden daran stören könnten.

Mirijam M. (43) mit ihrer Tochter. Das Mädchen fühlt sich von den fastenden Mitschülern gemobbt
Foto: Meike Wirsel

Vorausgegangen war offenbar ein Streit zwischen den Schülern. Mutter Mirijam M. schildert gegenüber BILD: "Die muslimischen Kinder haben meiner Tochter und ihrer Freundin gesagt: Wir haben Ramadan, du musst jetzt fasten und dein Brot in die Tonne werfen! Als die Mädchen dann zum Lehrer gingen, sagte er, unsere Kinder sollen sich beim Essen wegdrehen." Mirijam M. habe sofort über den Messengerdienst "Schulmanager", über den dort Lehrer und Eltern kommunizieren, die Schule kontaktiert. Der Klassenlehrerin schrieb sie: "Ich habe ja viel Verständnis, aber das geht definitiv zu weit."

An diesem Standort der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve werden die Schüler der 5. und 6. Klasse unterrichtet
Foto: Meike Wirsel

Kinder sollen mit ihrem Essen "nicht provozieren"

Die Korrespondenz zwischen der Mutter und der Klassenlehrerin liegt BILD vor. Wörtlich antwortete die Lehrerin: "Wir haben gemeinsam darüber gesprochen, dass Trinken und Essen in den Pausen weiterhin vollkommen in Ordnung ist, aber, dass die Kinder, die nicht fasten, nicht mit ihrem Essen o.ä. provozieren sollen, da auch das vorgefallen ist. Die Kinder sollen sich im besten Fall gegenseitig nicht beim Essen oder Nichtessen beobachten, sodass die ‚Regel', sich wegzudrehen, für alle Kinder gilt."

In der Klasse der Tochter von Mirijam M. lernen 21 Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren, ein Junge hat sie bereits verlassen, weil er sich gemobbt gefühlt haben soll. 17 Schüler sollen einen Migrationshintergrund haben, von denen mehrere Kinder fasten. Einige dieser Schüler sollen nach Angaben der Eltern "Würge- und Kotzgeräusche" gemacht haben, wenn andere Kinder essen. Eine Schülerin soll als "hässliches deutsches Mädchen" gemobbt worden sein. Ein anderes Mädchen wird von ihrer Mutter zur Schule gebracht und abgeholt. Stephanie B. (41) zu BILD: "Im Gespräch mit dem Lehrer hat meine Tochter unter Tränen geschildert, dass sie sich im Klassenverband ausgegrenzt und diskriminiert fühlt. Insbesondere in den Pausen wird sie von Mitschülerinnen mit der Begründung, sie sei ‚deutsch', ausgeschlossen. Von unserer Tochter zu verlangen, sich beim Essen und Trinken wegzudrehen oder dies zu verbergen, stellt eine Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit dar."

Das Motto-Schild an dem Schulgebäude. An beiden Standorten werden laut Webseite des Schulministeriums zusammen etwa 940 Schüler unterrichtet, der Großteil soll einen Migrationshintergrund haben
Foto: Meike Wirsel

Kein Weihnachten, aber gemeinsames Fastenbrechen

Laut Aussage der beiden Mütter gab es in der Schule zwar bislang keine gemeinsame Weihnachtsfeier, aber am 27. Februar wurde per Rundschreiben zum "Iftar", dem täglichen gemeinsamen Fastenbrechen während Ramadan nach Sonnenuntergang, in der Schule eingeladen. "Dieses besondere Ereignis möchten wir wieder an unserer Schule gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Eltern feiern", heißt es in dem Brief.

Sachverhalt muss geklärt werden

BILD hakte bei der Bezirksregierung Düsseldorf, die die Schulaufsicht hat, nach. Dort stellt man klar: "Schülerinnen und Schüler dürfen nicht in ihrem persönlichen Verhalten eingeschränkt werden", so eine Sprecherin. Niemand dürfe in der Schule gezwungen werden, seine Religion in einer bestimmten Art und Weise auszuüben. "Fällen, in denen Schülerinnen und Schüler versuchen, ihren Mitschülerinnen und -schülern religiöse Vorschriften zu machen, wird an Schulen konsequent nachgegangen." Die Behörde stehe in Kontakt mit der Schulleitung und will den Sachverhalt klären. Die Schule selbst reagierte auf eine BILD-Anfrage nicht.

Auch im NRW-Schulministerium will man sich den Fall genauer anschauen. Ein Sprecher zu BILD: "Grundlage des Schullebens an allen Schulen in Nordrhein-Westfalen ist ein respektvolles Miteinander. Daher nimmt das Schulministerium die geschilderten Vorwürfe ernst. Der Sachverhalt muss aufgeklärt werden."


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